Heim-Defizit bleibt Sorgenkind

Noch immer schreibt das Marienheim der Spitalstiftung rote Zahlen. Um gegenzusteuern, hat der Stadtrat die Heimentgelte zum 1. August um bis zu 2,95 Prozent erhöht. Bild: Mardanow
Lokales
Neunburg vorm Wald
03.08.2015
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Zwar sieht Bürgermeister Martin Birner die Spitalstiftung "auf einem zukunftsfähigen Weg" - doch der ist noch steinig zu gehen. Nach wie vor schreibt das Marienheim rote Zahlen, die hohen Personalkosten bekommen jetzt auch die Bewohner in ihrem Geldbeutel zu spüren.

Von einer "geordneten finanziellen Situation" sprach Bürgermeister Martin Birner, als der Stadtrat den Wirtschaftsplan für die Spitalstiftung verabschiedete. Er gab zu verstehen, dass heuer mit einem Jahresfehlbetrag von 8300 Euro kalkuliert werde. Bei Seniorenwohnanlage, Spitalhof und Mietwohnungen sowie Land- und Forstwirtschaft würden Überschüsse erzielt oder ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht.

Defizit bröckelt langsam

Erneut im Defizit bleibt aber das Marienheim. Kämmerer Michael Haßfurter rechnet für 2015 mit einem Minus von 60 000 Euro beim Heimbetrieb. Trotzdem sah sich der Bürgermeister hier auf dem richtigen Weg: Durch das Drehen an den Schrauben für Ein- und Ausgaben sei der jährliche Fehlbetrag bereits deutlich reduziert worden - 2013 lag das Defizit noch bei über 81 000 Euro. Für die Zukunft gelte es, die gute Belegung des Pflegeheims zu halten sowie den hohen Standard der Versorgung zu bewahren. Ein motiviertes Personal und ein qualitativ hochwertiges Dienstleistungsangebot sei für die Akzeptanz des Hauses in der Bevölkerung entscheidend.

CSU-Stadträtin Marianne Deml, Beauftragte für die Spitalstiftung und das Marienheim, rückte den hohen Anteil an Personalkosten (72 Prozent) bei den Aufwendungen für den Heimbetrieb in den Fokus. Die Mitarbeiter müssten dem Stadtrat auch in Zukunft einiges Wert sein - "es hängt sehr von ihnen ab, wenn sich die Bewohner wohlfühlen sollen". Als "größte Herausforderung" hatte Deml die Gewinnung von qualifizierten Pflegefachkräften ausgemacht. Die Spitalstiftung werde hier selbst aktiv und lerne ab September zwei weitere Auszubildende an.

Eine Tariferhöhung von 2,4 Prozent beim Personal zwingt die Spitalstiftung zur Erhöhung der Heimentgelte. Bei den Verhandlungen mit dem Bezirk Oberpfalz und den Pflegekassen einigte man sich auf einen Aufschlag bei der Vergütung von durchschnittlich 2,68 Prozent (Pflegestufe 0 bis 3) und durchschnittlich 2,95 Prozent (alle Pflegestufen inklusive Rüstige). Der Bürgermeister schilderte ein konkretes Beispiel, wonach ein Heimbewohner der Pflegestufe 1 in einem kleinen Einzelzimmer künftig monatlich 2684 Euro (abzüglich Leistung der Pflegekasse von 1064 Euro) zahlen muss, dies entspreche einer Erhöhung von monatlich 70,22 Euro.

Heimbeauftragte Deml und auch der Bürgermeister warben um Zustimmung: Die hohe Qualität der Versorgung der Heimbewohner und der hervorragende Ruf des Marienheims könnten auf Dauer nur mit den passenden finanziellen Rahmenbedingungen gewährleistet werden. "Gute Pflege gibt es nicht zum Niedrigpreis", verdeutlichte Martin Birner.

"Vermögensvernichtung"

Bei der Abstimmung lehnten die CSU-Stadträte Peter Schießl und Dr. Christoph von Wenz den Finanzplan bis 2018 ab, beide verweigerten auch der Haushaltssatzung ihr Plazet. Es sei "eine Vernichtung von Vermögen, was im Marienheim passiert", hatte Schießl argumentiert, das könne er nicht mittragen. Ohne Gegenstimme wanderte dagegen der Stellenplan über den Ratstisch. Ebenso einstimmig genehmigte das Gremium auch die neuen Heimentgelte, die bereits ab 1. August - für die eingestreute Tagespflege ab 1. Oktober - gelten.
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