Höhepunkt des Kunstherbstes

Sopranistin Ilonka Vöckel bereicherte mit ihrer Solopartie das Konzert.
Lokales
Neunburg vorm Wald
27.10.2014
43
0

Ein stimmgewaltiger Chor und ein exzellentes Symphonieorchester mit routinierten Berufsmusikern boten gemeinsam mit ihrem engagierten musikalischen Leiter Horst Frohn ein begeisterndes Konzert mit geistlicher Musik aus zwei Epochen.

Das großartige Konzert der Chorphilharmonie Regensburg, die nun zum wiederholten Male in der Schwarzachtalhalle brillierte, darf guten Gewissens als ein Höhepunkt des Kunstherbstes bezeichnet werden. War im letzten Jahr die 9. Symphonie von Beethoven zu hören, so waren es diesmal zwei Raritäten der geistlichen Musik, zwei Gloriavertonungen, die auch dem Programm des 80- köpfigen Ensembles den Namen gaben: "Gloria XXL". Zum einen führte der Klangkörper unter der Leitung von Horst Frohn die 45 Minuten dauernde "Messa da Gloria" von Giacomo Puccini auf, die weltliche und geistliche Musik miteinander vereint. Die eingängigen Melodien stellen einen Hochgenuss für den Chorgesang dar. Während das Gloria und das Credo dieser "Messa da Gloria" reich auskomponiert waren, folgten das Sanctus, Benedictus und Agnus Dei in kurzer Form. Glanzlichter setzten dazu zwei international bekannte Sänger. Gänsehaut kam auf, als der amerikanische Tenor Joshua Stewart beim Credo mit seiner glasklaren Tenorstimme mit "Gratias agimus tibi" einsetzte. Auch Bassbariton Melih Tepretmez, aus der Türkei stammend, drückte mit seiner warmen Stimme dem Benedictus seinen Stempel auf.

Beim abschließenden "Agnus Dei" glänzten beide als Duett. Als außergewöhnliches Werk, das aus sechs Sätzen besteht, darf Francis Poulencs "Gloria" betrachtet werden, das Chor und Orchester nach der Pause aufführten. War man bei den mächtigen Chorpartien von Puccinis "Messa da Gloria" teilweise an die Chöre der großen italienischen Opern wie "Nabucco" erinnert, so klang das "Gloria" von Poulenc aus dem vergangenen Jahrhundert moderner und mit seinem Wechsel aus gefühlvollen Akkordverbindungen und Dissonanzen etwas schräger. Die halbstündige Chorsinfonie, die aus den 1960er Jahren stammt, stellte allein schon wegen der großen Besetzung einen Schatz der Kirchenmusik dar.

Charakteristisch waren die verschiedenen Stilrichtungen, die Poulenc miteinander verband. Jazzige Elemente trafen auf Elemente des gregorianischen Chorals. Diese Kontraste zogen sich durch das Stück und zeigten sich im Wechsel von Pianissimo und Forte sowie harten Dissonanzen und harmonischen Melodieverläufen. Den einzigen Solopart, der in diesem Werk eingesetzt ist, sang in herausragender Weise Ilonka Vöckel, die neben vielen Häusern auch in Regensburg gastiert, mit ihrer ausdrucksstarken Sopranstimme.

Nach dem Schlussakkord dankte das Publikum mit lang anhaltendem Applaus. Das wunderbare Konzert hätte mehr Gäste verdient, was aber wohl dem großartigen und vielfältigen Angebot in der Neunburger Kulturszene geschuldet ist.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.