Im Bann der Hexen und Gaukler

Land und Leute, Essen und Trinken - hier stimmt einfach alles.
Lokales
Neunburg vorm Wald
02.08.2015
13
0

Das Mittelalter ist ein Erlebnis für die Sinne: Der Rauch zahlreicher Lagerfeuer steigt in die Nase, Schwerterklirren und Dudelsack-Klänge dringen ans Gehör, der Gaumen erfreut sich am knusprigen Spanferkel. Wenn Ritter, Gaukler und Spielleute den Stadtpark bevölkern, sind auch Zeitreisende aus Berlin begeistert.

Zum 25. Mal hat im Stadtpark das Mittelalter Einzug gehalten - und das wollten mehrere tausend Gäste nicht versäumen. Wenn der Festspielverein zum Mittelaltermarkt mit Hussitenlager ruft, reisen historische Vereine und Händler aus einem weiten Umkreis an: 40 Darsteller-Gruppen schlugen diesmal ihr Lager auf, 20 Händler buhlten mit Waren vom handgeschmiedeten Helm bis zum würzigen Elixier um Kundschaft.

Edel in Samt und Seide gehüllt, hatte Bürgermeister Martin Birner das Spectaculum mit dem Verlesen des Marktprivilegs eröffnet: "Durch diese Botschaft sei gegeben das Recht, am Gedenktag der sieben Makkabäischen Brüder und am Fest des Heiligen Stephan (1./2. August), Markt zu halten samt allerlei Kurzweil." Und die gab es zuhauf: "Vítek der Gaukler" unterhielt die Menge mit Kunststücken und Schabernack, beim "Turnier für Kinder" bewiesen Buben und Mädchen ihr Ritter-Talent, während Groß und Klein bei der Falknergruppe "Penthea" aus Prag auf Tuchfühlung mit Geier, Bussard und Co. gehen durften.

Rasante Reiter

Für eine neue Attraktion, die hervorragend beim Publikum ankam, hatten die Festspieler selbst gesorgt: Bei rasanten Reiterspielen stellten die "Hussenkrieg"-Reiter Regina Promberger (Freifrau von Akede), Helmut Biegerl (Ritter Wilhelm Paulsdorfer), Reinhard Ruider (Ritter Albrecht Nothafft), Christian Voith (Hussitenanführer Pardus) und Andreas Vitzthum (Hussitenanführer Pardus) ihr Können im Sattel unter Beweis.

Ganz begeistert vom Neunburger Mittelalter, aber auch von Land und Leuten, ist der Justizvollzugsbeamte Sven Rehfeldt aus Berlin. Er ist Mitglied der "Bruderschaft der Askanier", eines Vereins zur Darstellung eines erleben Mittelalters, und verkörpert dort "Roderich von Kienwerder", den Herold der Gruppe. Bereits zum sechsten Mal sind er und seine Mitstreiter in die Oberpfalz gekommen - "vor allem wegen der Leute", verrät Rehfeldt: "Es ist schon grandios, wie herzlich wir immer empfangen werden." Auch das Publikum sei so angenehm - "die Leute sind alle so freundlich".

Für die Askanier ist der hiesige Markt mittlerweile ein fixer Bestandteil im Terminkalender, "schon im Januar beginnen die Planungen für Neunburg". Der Kurzurlaub in der Oberpfalz dauert meist von Donnerstag bis Montag, die Zeit nutzt die Gruppe auch, um Ausflüge in der Region zu unternehmen und sich mit kulinarischen Spezialitäten wie den Hussiten-Würsten oder Bier aus hiesigen Brauereien einzudecken. "Land und Leute, Essen und Trinken - hier stimmt einfach alles", bringt es Sven Rehfeldt auf den Punkt.

Schauriges Gericht

Für eine Premiere beim Mittelaltermarkt sorgten am späten Samstagabend die Hexen, Krampusse und Teufel des "Schwarzachtal-Pass": Mit der Darbietung eines schaurigen Hexengerichts brachten sie archaisches Brauchtum in den Stadtpark. Im wahrsten Sinne des Wortes als "Dauerbrenner" erwies sich einmal mehr die Feuershow von "Ameno Signum".

Der familiäre Charakter und das besondere Flair des Mittelaltermarkts haben am Wochenende die Besucher zu tausenden begeistert. Zeitweise bildeten sich vor den Lagerkassen lange Schlagen, Appetit und Durst der Gäste waren so enorm, dass die Küchen- und Ausschankvorräte regelrecht ausgeplündert waren. Der Festspielverein als Veranstalter konnte nach zwei Tagen insgesamt eine positive Bilanz ziehen.
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.