Insignien der Macht

Alte Relikte der Rechtspflege: In einer Vitrine im Schwarzachtaler Heimatmuseum dokumentieren diese eisernen Fußfesseln, wie früher die Angeklagten vor dem Landgericht Neunburg vorgeführt wurden. Bild: drr
Lokales
Neunburg vorm Wald
09.09.2015
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Eiserne Fußfesseln erinnern in Neunburg an eine Behörde, die noch vor wenigen Jahrzehnten in unmittelbarer Nachbarschaft logierte. Ihr Schicksal und das weiterer Ämter dokumentiert eine neue Abteilung im Schwarzachtaler Heimatmuseum.

Im Mitte Mai neu eröffneten Raum "Stadtgeschichte" des Schwarzachtaler Heimatmuseums widmet sich die Unterabteilung der Zeit vor 1972. Damals war Neunburg noch ein eigenständiger Landkreis (Autokennzeichen NEN). Das Wand-Tableau dieser Abteilung "Altlandkreis Neunburg vorm Wald" wird flankiert von herrschaftlichen Porträts.

Landadel in Öl

Diese Adelsporträts stehen stellvertretend für die in der Oberpfalz häufig anzutreffenden Ortschaften, die in der Vergangenheit aus den von Landadligen verwalteten Hofmarken hervorgegangen sind. Im konkreten Fall handelt es sich um die Baroness von Saur, Gattin des Patrimonialherrn von Zangenstein und um Baron von Horneck zu Hornberg, dem Patrimonialherrn auf der ehemaligen Hofmark Dieterskirchen.

Zwischen diesen beiden repräsentativen Ölgemälden aus dem 18. Jahrhundert hängen handgeschnitzte Wappen, gefertigt von Holzschnitzern für das Deutsche Wappenmuseum Berchtesgaden. Es sind die Wappen der größeren Gemeinden, die zum früheren Landkreis Neunburg vorm Wald gehörten, so etwa Dieterskirchen, Schwarzhofen, Thanstein, Bodenwöhr, Neukirchen-Balbini und Zangenstein.

Ansichten von den kleineren Orten des Altlandkreises, wie Altenschwand, Fuhrn bei Neunburg, Höllmühle, Hillstett, Katzdorf, Kröblitz, Kulz, Pettendorf, Prackendorf, Schwarzeneck, Seebarn, Stockarn und Taxöldern finden sich an dieser Wand auf Grafiken aus dem "Sulzbacher Kalender" (1889 bis 1905). Auch Ansichtskarten von Georg Dorrer (1897 bis 1928) zeigen diese kleineren Orte. Die früher am Neuen Schloss angebrachte Tafel aus Solnhofener Kalkstein verweist auf das dort untergebrachte Landratsamt als Sitz der Verwaltung des Altlandkreises (bis 1938 Bezirksamt). Komplettiert wird diese Abteilung durch Objekte in den Tischvitrinen, darunter ein Amtsschild sowie früher verwendete Stempel und vom Landratsamt ausgestellte Papiere (Kraftfahrzeugbrief und Reisepass), die den Amtsbetrieb dokumentieren. Fotos in der Vitrine zeigen die Mitglieder des letzten Neunburger Kreistags und die beiden Landräte Gregor Hartl und Max Stadlbauer.

In engem Zusammenhang mit der Abteilung "Altlandkreis" steht auch die Sektion "Ämter, Behörden und Institutionen", die zum Abschluss des Raumes "Stadtgeschichte" die Bedeutung herausstellt, die Neunburg vorm Wald früher als Ämterstadt einnahm. An der Wand beeindrucken die im Hüttenwerk Bodenwöhr gefertigten gusseisernen Grenztafeln aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, die damals die Grenzen des Neunburger Gebiets zu den Nachbargebieten markierten, beispielsweise zu den Altlandkreisen Roding, Oberviechtach und Waldmünchen. Die schmiedeeiserne Wetterfahne mit den Jahreszahlen "1605" und "1862" verweist zum einen auf die ehemalige Lateinschule der Reformationszeit und zum anderen auf die alte Knabenschule, dessen Gebäude 1965 der Kirchenerweiterung weichen musste. Beide belegen die lange Tradition, auf welche die heutige Schulstadt zurückblicken kann.

Griffel und Schiefertafel

In engem Zusammenhang stehen auch die Exponate in der Tischvitrine darunter, in der sich ein von Laubmaier 1866 gezeichneter Plan der Knabenschule findet. Eine Griffel-Schachtel und Schreibzeug aus Holz, eine Schiefertafel mit Schwamm und Griffel wecken Erinnerungen an die Schulzeit. In der Vitrine daneben zeigen Fotos von Amtsgebäuden, welche Behörden hier früher und zum Teil heute noch ansässig sind. Aus schwerem Eisen geschmiedete Fußfesseln sind Relikte der Rechtspflege und erinnern an das alte Landgericht.

Geöffnet ist das Schwarzachtaler Heimatmuseum noch bis Ende September, jeweils am Sonntag von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr sowie am Mittwoch von 14 Uhr bis 17 Uhr. Gruppen können eine Besichtigung im Tourismusbüro, Telefon 09672/9208421, im Museum (09672/4183) ober direkt bei Museumsleiter Theo Männer (09672/91180) vereinbaren.
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