Internationaler Museumstag eröffnet Saison in Seebarn
Heimatmuseum im Zeichen der Kartoffel

Mit fachmännischen Blicken begutachteten die Besucher des Heimatmuseums die verschiedenen Gerätschaften. Bild: agr
Lokales
Neunburg vorm Wald
19.05.2015
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Mit dem Aktionstag "Kartoffelanbau und Kartoffelernte früher und heute" startete das Bäuerliche Heimatmuseum Oberpfälzer Wald in Seebarn in die Saison. Zum Internationalen Museumstag unternahmen die Gäste eine Reise durch die Kulturgeschichte der "tollen Knolle".

Zum Auftakt rief Adolf Greiner, Vorsitzender des Heimatvereins, in Erinnerung, dass in den vergangenen beiden Jahren Arbeitsleistungen und Geld im Wert von rund 150 000 Euro in das Museum gesteckt wurden. Auf Initiative des damaligen Vorsitzenden Otto Mehltretter hatte ab 1987 der Umbau des alten Pfarrhofs in ein bäuerliches Museum begonnen, vor zehn Jahren wurde das Areal auf den Rankl-Hof ausgeweitet. Stellvertretende Bürgermeisterin Margit Reichl erachtete es als wichtig, den Kindern und Jugendlichen die Bedeutung der Kartoffel nahezubringen. Vielen sei nicht mehr bewusst, welch enorme Handarbeit einst mit Anbau und Ernte verbunden war. Hingegen wüssten die Hausfrauen sehr wohl, was die "Erdäpfel" als Nahrungsmittel heute wert sind.

Einblicke in die Kulturgeschichte der Kartoffel gab danach Sebastian Betz, Agraringenieur bei der Lorenz Bahlsen Snack-World. Er vermittelte den Zuhörern, dass die Kartoffel ein Nachtschattengewächs ist und ursprünglich aus den Anden (Südamerika) und den Hochlagen von Bolivien und Peru stammt. Bei den Inkas waren die Knollen ein Hauptnahrungsmittel. Überliefert sind religiöse Feste nach den Pflanz- und Erntezeiten. Im Jahr 1550 schließlich war die Kartoffel über Spanien nach Europa gekommen.

Die Oberpfalz als "Erdäpflpfalz" sei ein hervorragender Standort für den Anbau, führte Betz aus. Die Pflanzen profitierten von der kalkarmen Urgesteinsverwitterung, sandigem Boden und "optimalen Klimabedingungen". Laut dem Agraringenieur gibt es in der Europäischen Union 250 zugelassene Kartoffelsorten, doch für die Chips-Produktion seien nur drei bis fünf Sorten zu gebrauchen. Während sich in der Züchtung und Ernte der Kartoffel nicht viel geändert habe, brauche es für die Verarbeitung - bedingt durch den technischen Fortschritt - mittlerweile deutlich weniger Personal als früher.

"Bleibt der Kartoffel treu", forderte Alfred Bauer, stellvertretender Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, seine Berufskollegen auf. Weitere Redner merkten an, dass vor 40 Jahren für die Kartoffel deutlich mehr bezahlt worden sei wie heute.

Auch die Speisekarte an diesem Tag war ganz auf die Kartoffeln ausgerichtet: Am Mittag gab es Erdäpflsuppe und Erdäpfldotsch aus der Küche von Margarete Zwicknagel. Auf dem Museumsgelände konnten die Besucher verschiedenste Gerätschaften bestaunen, die einst und auch noch heute für die Ernte zum Einsatz kamen und kommen.
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