Kapital auch ohne Kuhstall

Beim Milchviehtag konnten die Landwirte auch testen, was die Molkereien aus ihrem Rohstoff produziert haben. Bild: Bugl
Lokales
Neunburg vorm Wald
04.11.2015
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Wachstum, Wertschöpfung und neue Einkommensquellen: Diese drei Bereiche legt Agrarökonom Dr. Gerhard Dorfner den Milcherzeugern in einer Zeit der Krise ans Herz. Auf dem Weg zum profitablen Betrieb sollen sie aber zu allererst "den Nebel lichten".

"Kostenoptimierung wird ein Dauerbrenner bleiben", prophezeit Dr. Dorfner den Landwirten beim Oberpfälzer Milchviehtag in der Schwarzachtalhalle. "Und es wird verdammt schwierig, die schwarze Null hinzubekommen", meint er mit Blick auf den aktuellen Milchpreis, der für die Bauern bei rund 30 Cent pro Kilogramm liegt. Dass es bei diesem Tal nicht dauerhaft bleibt, auch davon ist er überzeugt.

Puffer gefragt

"Milcherzeugung ohne Quote - Milcherzeugung ohne Grenzen?", lautet das Thema von Dr. Dorfner, der auf jeden Fall mit einer klaren Signalwirkung der Tiefstpreise rechnet: "Das führt dazu, die ein oder andere Kuh auszustellen und den Dienst zu quittieren." Gefragt seien nun zunächst finanzielle Puffer.

Erst an dritter Stelle liegt für den Fachmann bei der Überlebensstrategie die Betriebsgröße. "Eigenkapital kommt nicht immer aus dem Kuhstall", gibt der Agrarökonom zu bedenken. Auch mit Schneeräumen, Tourismus, Photovoltaik oder Biogas komme inzwischen Geld in die Kasse der landwirtschaftlichen Betriebe. Entscheidend für den unternehmerischen Erfolg sei außerdem die Kostenoptimierung, für manchen komme da beispielsweise eine Umstellung auf "Bio" infrage, und es lohne sich, die Flächenproduktivität durchzurechnen oder die Kosten für das Grundfutter genau zu kalkulieren.

Investieren lohnt

"Machen Sie selbst mal die Rechnung auf", forderte der Fachmann und verwies auf den nicht unbeträchtlichen staatlichen Anteil an den Einnahmen. Was den Stundenlohn der Landwirte betrifft, so schwanke der zwischen 11 und 25 Euro.

"Ist da auch die Arbeit von Kindern und Senioren mitberechnet?", zeigte sich ein Zuhörer skeptisch und gab für den Familienbetrieb zu bedenken: "Wenn die Frau drei Kinder hat und den Haushalt macht, dann bleiben arbeitstechnisch für den Betrieb null Stunden." Keine Zweifel ließ der Referent daran, dass Investitionen in den Betrieb laut Statistik sehr wohl rentabel sind - "wenn es nicht gerade eine Flucht nach vorn war".

Wie sich zumindest arbeitswirtschaftliche Probleme in Milchviehbetrieben lösen lassen, verdeutlichten Ilka Hafner und Franz Roider vom Maschinenring. "Wir wollen eine Drehscheibe für die Vermittlung von Arbeitskräften sein", so Hafner. Dabei geht es nicht nur um Arbeitskräfte für den landwirtschaftlichen Betrieb, sondern auch um Jobs für die Betriebsinhaber selbst: Die Bäuerin könnte die Buchhaltung als Teilzeitperspektive entdecken, der Bauer vielleicht noch zehn Jahre bis zur Rente in einem Job bei Industrie oder Handwerk überbrücken.
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