Kaufkraft an die Kette legen

Wenn auf dem Winderl-Areal (im Hintergrund) das Pfalzgrafencenter entsteht, werden hier bald noch mehr Kunden mit Einkaufswagen unterwegs sein. Die Stadt hat den Bebauungsplanentwurf mit großer Mehrheit gebilligt. Jetzt können Bürger und Behörden Einwände und Anregungen vorbringen. Bild: Bugl
Lokales
Neunburg vorm Wald
09.11.2015
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Für stellvertretende Bürgermeisterin Margit Reichl ist ein Ja zum Pfalzgrafencenter der richtige Schritt, um als Mittelzentrum nicht unterzugehen. Doch in dieses "Rettungsboot" wollten jetzt vier Stadträte nicht einsteigen.

Konkret ging es bei der Stadtratssitzung um das "Sondergebiet großflächiger Einzelhandel Pfalzgrafencenter". Ein überarbeiteter Bebauungsplanentwurf stand zur Billigung an. Die Behandlung der gegen die bisherigen Pläne eingegangenen Stellungnahmen und Einwände wurde gleich zu Beginn der Sitzung auf die Zusammenkunft im Dezember verschoben.

Diese Verschiebung veranlasste CSU-Stadtrat Dr. Christoph von Wenz zu der Kritik, das Pferde werde hier "von hinten aufgezäumt". Es sei doch sinnvoller, erst die Einwände zu behandeln und dann den Plan abzuändern. Er befürchtete, die Einwände könnten dann später "mit Handstreich vom Tisch gefegt werden" und beklagte, dass durch das Projekt mindestens drei ansässige Händler in ihrer Existenz bedroht würden. Außerdem bilde die Drogerie dort den einzigen Fachmarkt, so seine Überzeugung: "Wir kriegen nur eine Billig-Ecke."

Umsiedlung fraglich

"Damit wird ein neues Zentrum geschaffen, das sich negativ auf andere Lagen auswirken wird", prophezeite Martin Scharf (Freie Wähler) und äußerte Zweifel an der Umsiedlung von Discountern vom Industriegebiet ins neue Zentrum.

"Endlich ein Vorstoß", meinte dagegen SPD-Stadträtin Margot Weber, der es gar nicht schnell genug gehen konnte. "Es ist schon seltsam, wenn man einen Investor so lange hinhält." Immerhin, so Klaus Zeiser (CSU) sei es "eine einmalige Chance, innerhalb der Stadtgrenzen ein Fachmarktzentrum zu platzieren". "Wenn man sich den unglaublichen Aufstand anschaut, der bei den Plänen von Lärmschutz bis Verkehr gemacht wird, dann braucht man sich nicht wundern, dass viele Investoren lieber auf die grüne Wiese rausgehen," gab er zu bedenken und schloss sich dem Plädoyer von Reichl für das Fachmarktzentrum an.

Reichl hatte argumentiert, dass ein Ja schon aus Gründen der Raumordnung Pflicht sei und den Blick auf Nachbargemeinden gelenkt, die längst mit einem Fachmarktzentrum punkten - mit Seitenhieb auf die Immobilien-Besitzer unter den Stadtratskollegen, "die es nicht schaffen, über ihren Schatten zu springen". "Wir müssen unser Augenmerk auf die gesamte Stadt legen, bei uns sind alle Filialketten willkommen", so ihr Credo.

Keine Vorbehalte

Rückenwind erhielt sie dabei von Bürgermeister Martin Birner. Er verwies auf eine erst am Vortag eingegangene Stellungnahme der Regierung der Oberpfalz. "Aus Sicht der Höheren Landesplanungsbehörde gibt es keine Vorbehalte", stellte er klar. Die Pläne für das Fachmarktzentrum stünden in Einklang mit den landes- und regionalplanerischen Erfordernissen, das gelte auch für die Verkaufsflächen für Schuh- und Bekleidungsmarkt. "Durch das Vorhaben wird die Stadt in ihrer Versorgungsfunktion gestärkt, und es werden Arbeitsplätze geschaffen", zeigte er die Vorteile auf.

Birner appellierte an die Mitglieder im Gremium: "Damit endlich der langersehnte Drogeriemarkt entsteht und die städtebaulich unglückliche Aussiedelung der Lebensmittel-Discounter in das Industriegebiet mittelfristig korrigiert wird, sollten wir heute den geänderten Plan ,Sondergebiet großflächiger Einzelhandel Pfalzgrafencenter' unbedingt billigen." Mit 16:4 Stimmen folgte die Mehrheit diesem Vorschlag. Dagegen stimmten Dr. Richard Wagner, Dr. Christoph von Wenz (beide CSU) sowie Georg Bottenhofer und Martin Scharf (beide Freie Wähler).
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