Kleine Knollen auf den Feldern

Skeptisch betrachtet Franz Deml die Kartoffelknollen. Die Sonne brennt unbarmherzig her nieder. Der Landwirt sehnt den Regen herbei. Bild: rid
Lokales
Neunburg vorm Wald
22.07.2015
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Die Sonne brennt herunter. Franz Deml kniet in seinem Feld und schaut sich die Kartoffeln an. "Nichts Rechtes", urteilt der Landwirt aus Stetten. Er wartet sehnsüchtig auf Regen. Doch selbst wenn er käme, weiß er nicht, wie die Knollen reagieren. "Sie können weiterwachsen, austreiben oder Risse bekommen", meint er.

Das Kraut ist grün und kräftig, die Knollen aber viel zu klein. "Die Hälfte fällt durch das Sieb und bleibt auf dem Feld liegen, die andere Hälfte ist grenzwertig", erklärte Franz Deml bei der gestrigen Ernte-Pressekonferenz des Bauernverbandes auf Oberpfalzebene. Schuld sind Hitze und Trockenheit. Im Frühjahr sah alles nach einer erfolgreichen Ernte aus. So wie im vergangenen Jahr. Noch bis Anfang Juli waren die Landwirte mit der Witterung zufrieden. Kräftige Regenschauer sorgten immer wieder für Bewässerung. Doch seit Anfang des Monats herrscht Dürre. "Die Kartoffel gehen bei dieser Hitze in die Knie", sagt Franz Deml.

Sorgen auch bei Mais

Der Landwirt betreibt den Hof in Stetten mit seiner Frau Gerlinde und Sohn Stefan. 90 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche sind zu bewirtschaften, davon 14 Hektar Kartoffel. Ansonsten baut die Familie noch Dinkel, Roggen, Wintergerste, Silomais und Raps an. Im Laufstall stehen 30 Milchkühe. Für sie wird jetzt das Futter knapp, die zweite Mahd ist ausgefallen.

Der Bezirksvorsitzende des Bayerischen Bauernverbandes, Franz Kustner, rechnet beim Mais mit einem Ernteminus zwischen 30 und 50 Prozent. "Dazu kommen die schlechtesten Erzeugerpreise aller Zeiten", klagt der BBV-Sprecher. Vom Fleisch bis zur Milch, überall seien die Preise im Keller. Der stellvertretende Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Alfred Bauer aus Nefling, baut auch Kartoffel an und rechnet mit "50 Prozent weniger Ertrag". Auf die Futteranbaubetriebe sieht er in den nächsten Wochen "erhebliche Probleme" zukommen.

Das sieht auch Bernhard Meier so. Der Pflanzenbauberater ist seit 1. Juli am Amt für Landwirtschaft in Nabburg beschäftigt und geht davon aus, "dass die Bauern die Futtervorräte mit Stroh ergänzen müssen". Der Kartoffelanbau im Landkreis sank in diesem Jahr um 70 auf 1107 Hektar. Bernhard Meier macht dafür den Strukturwandel und die stärkere Nutzung der Anbauflächen als Grünland verantwortlich.

Regionalität ein Plus

Für Zweite Bürgermeisterin Margit Reichl ist der Raum Neunburg trotz der industriellen Schwerpunkte stark landwirtschaftlich geprägt: "Bahlsen ist ein wichtiger Abnehmer für die Kartoffelerzeuger". Die Regionalität der Produkte wisse der Verbraucher durchaus zu schätzen.

Sebastian Betz, Anbauberater der Firma Bahlsen, erwartet "erhebliche Ernteeinbrüche" und stellt bei seinen Rundfahrten fest: "Viele Bestände sind bereits zusammengebrochen".
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