Kräftiger Rabatz gegen Rechts

Gegen die Kundgebung des "Dritten Weges" formierte sich am Samstag lautstarker Protest am Schrannenplatz. Mit lauten "Haut ab, haut ab"-Rufen zeigte die Menge, was sie von den dumpfen Parolen hielt. Bild: Mardanow
Lokales
Neunburg vorm Wald
12.07.2015
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Der "Dritte Weg" endete in Neunburg in der Sackgasse. Einer Kundgebung der rechtsradikalen Kleinpartei stellten sich am Samstag über 100 Bürger aus Stadt und Umland mit Buh-Rufen, Transparenten, Pauken und Trompeten entgegen. Lauter Protest kam auch vom höchsten Gebäude in der Altstadt.

Viele Neunburger wollten den Neonazis nicht schweigend das Feld überlassen und zeigten ihnen am Schrannenplatz die Rote Karte. Bei einer spontanen Gegendemonstration hielten Teilnehmer aus allen Generationen Transparente wie "Neunburg ist bunt" oder "Kein Platz für Nazis" in die Höhe.

Übers Internet verbreitet

Die Versammlung des "Dritten Weges", ein Nachfolger des verbotenen "Freien Netz Süd", war vergangenen Donnerstag genehmigt worden. Am Freitag hatte sich die Nachricht vom geplanten Aufmarsch in Neunburg vor allem über soziale Netzwerke im Internet verbreitet. Am Samstagnachmittag stellten sich den knapp 20 Rechtsradikalen - nach Aussage der Polizei - rund 110 Bürger in den Weg, inoffiziell war sogar von etwa 150 Gegendemonstranten die Rede.

Und vor dem Neunburger Rathaus wurde es laut: Mit einem Pfeifkonzert, lauten Buh-Rufen und Trillerpfeifen übertönte die Menge die Parolen gegen Asylbewerber und Flüchtlinge und die Stimmungsmache gegen das Wohnheim in der ehemaligen Kaserne. Dass diese trotz Lautsprecherwagen nicht zu verstehen waren, dafür sorgte auch ein "Protest-Orchester", dass sich aus Mitgliedern der Stadtkapelle und des Festspielvereins formiert hatte. Mit Trommeln, Trompeten, Tuba und Tenorhorn bliesen sie den ungebetenen Gästen zwar nicht den Marsch, aber ihre Ablehnung entgegen.

Auch die katholische Stadtpfarrei Sankt Josef setzte ein Zeichen gegen Rechts: Pfarrer Stefan Wagner beteiligte sich nicht nur an der Gegen-Demo, sondern ließ das samstägliche Feierabend-Läuten vom Kirchturm - anstatt um 15 Uhr - bereits um 14.45 Uhr beginnen und deutlich länger dauern als sonst üblich. Ebenfalls gegen die Neonazis auf die Straße gegangen war Bürgermeister Martin Birner. Aus Schwandorf - wo die Ultrarechten am Vormittag aufmarschiert waren - war SPD-Landtagsabgeordneter Franz Schindler gekommen.

Es bleibt friedlich

Kurz nach 15 Uhr war der Nazi-Auftritt in der Altstadt vorbei, die Menge quittierte den Abzug mit Beifall und Jubel. Der Schrannenplatz, der für die Dauer der Versammlung durch die Bereitschaftspolizei rundherum abgeriegelt war, konnte wieder freigegeben werden. Die Bilanz der Einsatzkräfte fiel positiv aus: Oberkommissar und Einsatzleiter Tobias Mattes, Leiter der Polizeiinspektion Neunburg, sprach von einem friedlichen Verlauf, es sei zu keinerlei Zwischenfällen gekommen.
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