Letztes Kapitel mit Motorsäge

Lokales
Neunburg vorm Wald
23.06.2015
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Feuerschwämme haben dem Stamm zugesetzt, nun geht es der Stieleiche am Freibad-Parkplatz an die Wurzeln. Der Bauausschuss hat sich einstimmig für die Fällung eines Baums ausgesprochen, der vor fast 200 Jahren mit viel Brimborium gepflanzt worden war.

Wegen Zweifeln an der Standsicherheit hatte Bauhofleiter Johann Reiml den Baum untersuchen lassen. Edgar Wenisch, Sachverständiger für Baumpflege und Verkehrssicherheit, stellte in seinem Gutachten vom April fest, dass die rund 200 Jahre alte Stieleiche schon seit Jahren erheblich geschädigt sei. Unter anderem habe der Eichenfeuerschwamm Fäulnis im Stammfußbereich ausgelöst. Eine Sanierung sei aber möglich.

Damit der Baum wieder einigermaßen gut dasteht, müssten abgestorbene Kronenteile entnommen sowie rissige und brüchige Stark-Äste gekürzt werden. Mit der Bearbeitung der sogenannten Ständer-Äste soll eine Sekundärkrone entstehen, außerdem müsste der Boden im Umfeld des Stamms mit Erdbohrungen durchlüftet werden. Den Kostenaufwand dafür bezifferte der Gutachter auf 2500 bis 3000 Euro. Zusätzlich fielen für weitere Untersuchungen im Zweijahres-Turnus jeweils zusätzliche 1500 Euro an. Die Kosten für eine Fällung waren mit rund 1500 Euro angegeben, eine Neupflanzung wurde mit 500 bis 1000 Euro kalkuliert.

Bauhof soll Axt ansetzen

"Der Baum gehört weg", urteilte SPD-Stadtrat Herbert Wartha und wies auf mögliche Gefahren bei einem Sturm hin. Fällen und neu pflanzen, war auch das Credo von CSU-Stadtrat Anton Scherr. "So tot schaut der Baum gar nicht aus", war der erste Eindruck von Walter Drexler (FW). Er plädierte, für die Fällung keine teure Fachfirma, sondern den städtischen Bauhof einzusetzen - "ich bin schon der Meinung, dass wir das selber können". Karl Hartinger, Sachgebietsleiter aus dem städtischen Bau- und Liegenschaftsamt, verwies allerdings darauf, dass die marode Eiche etwa 22,5 Meter hoch ist - "für diese Höhe reicht der Hubsteiger der Stadt nicht aus." Und so ein Gerät müsse wegen der über dem Baum verlaufenden Stromleitung einsetzt werden.

Geheimnis unter Wurzeln

Für das Weiterleben des Baumes machte sich Heimatpfleger Theo Männer stark und verwies auf dessen "historische Dimension". Laut den Aufzeichnungen des früheren Neunburger Stadtamtmanns Josef Meier war die Eiche, zusammen mit einem weiteren Exemplar, im Jahr 1824 aus Anlass des 25. Regierungsjahres von König Maximilian I. mit großen Feierlichkeiten gepflanzt worden. Nach diesen Überlieferungen soll unter den Wurzeln - hermetisch in Glas verschlossen - eine genaue Beschreibung der damaligen Festlichkeiten vergraben sein. "Das gilt es natürlich zu prüfen", meinte Männer. Er plädierte für eine Sanierung und verwies auf "eine starke ortsbildprägende Funktion des Baums".

Rathaus-Mitarbeiter Karl Hartinger übermittelte noch die Einschätzung des Gutachters, wonach die Lebensdauer des Baums mit der Sanierung um etwa 10 bis 15 Jahre verlängert werde. Doch auch CSU-Stadträtin Christian Steininger empfand die Kostenschere zwischen Fällung und Erhalt als zu hoch - "auch wenn mir das Herz blutet, wenn wir so einen Baum umschneiden".

Die Ausschussmitglieder sprachen sich schließlich einstimmig dafür aus, den Baum wegen seiner Vorschäden beseitigen zu lassen. Geprüft wird noch, ob sich die Fällung mit einer Übung von THW oder Feuerwehr verknüpfen lasse. Als Ersatz verpflichtete sich das Gremium im Abschluss dazu, einen "etwas größeren Baum" zu pflanzen.
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