Lokalbahn ein Denkmal setzen

Heimatpfleger Theo Männer, Stifter Johannes Wiemann (von links) und Bürgermeister Martin Birner (rechts) sehen interessiert zu, als Künstler Robert Weber den Modell-Aufbau für das künftige Lokalbahn-Denkmal erläutert. Aus Wachs, Balsaholz und Styropor ist eine lebendige Alltagsszene am früheren Neunburger Ostbahnhof entstanden. Bild: Mardanow
Lokales
Neunburg vorm Wald
30.01.2015
3
0

Das Stampfen der Dieselloks ist längst verhallt, die Gleisanlagen sind lange verschwunden. Jetzt soll ein Denkmal aus Bronze neuen Dampf in Neunburgs vergangene Eisenbahn-Geschichte bringen.

Stifter des künftigen Denkmals ist Johannes Wiemann aus Nürnberg. Der frühere Lehrer an der Gregor-von-Scherr-Realschule hatte die Bahnlinie von Bodenwöhr über Neunburg nach Rötz mit einem Buch bereits literarisch verewigt. Doch in der Pfalzgrafenstadt selbst werde die Lokalbahn-Historie "bisher kaum gewürdigt", sagt Wiemann.

Den Anlass, die Neunburger Vergangenheit als Eisenbahner-Stadt in Bronze zu gießen, bietet heuer ein markanter Jahrestag: 1915 - vor genau 100 Jahren - wurde die Bahnlinie nach Rötz verlängert und der Neunburger Ostbahnhof eröffnet, gleichzeitig jährt sich die endgültige Stilllegung der Strecke zum 20. Mal.

Detailgetreues Modell

Die Vorlage für das künftige Denkmal hat der Künstler Robert Weber aus Fischbach entworfen. Aus Wachs, Balsaholz und Styropor fertigte er ein originalgetreues Modell, basierend auf verschiedenen Vorlagen und Bilddokumenten. Im sogenannten Wachsausschmelzverfahren wird bei der Gießerei Anton Gugg in Straubing daraus die endgültige Form hergestellt und später in Bronze gegossen.

In Webers Werkstatt nahmen Wiemann, Bürgermeister Martin Birner, Architekt Siegi Wild und Heimatpfleger Theo Männer das Modell in Augenschein. Der Künstler hat dafür eine lebendige Alltagsszene am früheren Ostbahnhof gestaltet. Unter anderem stehen wartende Reisende in Grüppchen beieinander, eine Lok der Baureihe 98.8 mit Postwagen und zwei Lokalbahn-Waggons steht zur Abfahrt bereit, der Lokführer schaut vom Führerstand herab. Angedeutet sind auch die beiden Torweiher, an einem Ufer ist sogar ein Kahn angelandet. Architekt Wild zeigte sich von der Größe und der Dimension überrascht. Gleichzeitig hob er die "wahnsinnig realistische Darstellung" der Szenerie hervor, die gleichzeitig die Zeitlosigkeit des späteren Denkmals garantiere.

An historischem Standort

Wild erinnerte, dass der Bahndamm einst den früheren Torweiher durchschnitt und diesen in eine obere und eine untere Hälfte teilte - "bahntechnisch war das ein Sonderfall". Er führte aus, dass das Denkmal auf einem bis zu 80 Zentimeter hohen Granitsockel platziert werden soll, als endgültiger Standort ist mit dem Torweiherareal ein "historischer Ort" vorgesehen. Dort verlief die Bahnstrecke in Richtung Rötz weiter, außerdem liegt der frühere Ostbahnhof nur wenige Meter entfernt.

Vorgesehen ist, dass das Denkmal noch mit einer Schrifttafel ausgestattet wird, auf der die geschichtlichen Daten der Bahnstrecke (1896 Eröffnung, 1996 Stilllegung) aufgeführt sein sollen sowie ein Hinweis auf den Stifter. Auch eine Auflistung sämtlicher Stationen an der Strecke Bodenwöhr-Neunburg-Rötz ist angedacht.

Die Aufstellung und offizielle Enthüllung des Eisenbahn-Denkmals ist für die zweite Septemberwoche geplant. "Ich freu mich jetzt schon drauf. Das wird etwas ganz Besonderes", betonte Bürgermeister Martin Birner.
Weitere Beiträge zu den Themen: Januar 2015 (7957)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.