Mit Zuckerl gegen Motorsäge

Lästiges Laub, zu viel Schatten und gefährliche Äste: Mächtige Bäume wie dieser Ahornbaum in der Bahnhofstraße von Neunburg haben es nicht leicht, sich gegen die Motorsäge zu behaupten. Für die Mehrheit im Stadtrat hat sich aber eine Baumschutzverordnung nicht bewährt. Jetzt setzt das Gremium auf finanzielle Anreize zur Baumpflege. Bild: Bugl
Lokales
Neunburg vorm Wald
21.10.2014
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Durchgefallen, Zweck verfehlt: Dieses Urteil hat der Stadtrat über die Baumschutzverordnung gefällt und mehrheitlich für eine Abschaffung gestimmt. Statt des erhobenen Zeigefingers sollen jetzt helfende Hände Baumbesitzer vom Wert ihrer Prachtstücke überzeugen.

Bereits vor einem Jahr hatte der Bauausschuss eine Überarbeitung der Baumschutzverordnung angeregt. Nur mehr die wirklich ortsbildprägenden Bäume sollten einbezogen werden, so die Forderung, dafür aber solle mit Befreiungen und Ausnahmen restriktiver umgegangen werden. Eine Liste von schützenswerten Bäumen lag nun auch den Stadträten vor, ein Großteil dieser Bäume allerdings befindet sich ohnehin auf städtischem Grund.

Noch nie ein Bußgeld

Wenn aber nun nur noch die öffentlichen Bäume unter die Verordnung fallen sollen, "geht diese aus unserer Sicht ins Leere, da es in diesem Fall ja ohnehin im Verantwortungsbereich der Stadt liegt, was mit den Bäumen geschieht," argumentierte Bürgermeister Martin Birner. Da mache es Sinn, auf die Verordnung ganz zu verzichten. "Das bedeutet aber nicht, dass der Stadt die Bäume egal ist", schränkte Birner ein und schlug vor, einen gewissen Anreiz für den Erhalt Orts- und Landschaftsbild prägender Bäume zu schaffen. Die privaten Eigentümer könnten dabei sogar finanziell unterstützt werden. Welche Bäume dafür in Frage kommen, das könne man mit den zuständigen Fachstellen abstimmen.

"Nicht einmal hat es ein Bußgeld gegeben für unerlaubtes Entfernen eines Baums, diese Verordnung war nicht sinnvoll", so die Bilanz von CSU-Stadtrat Klaus Zeiser, der sich erfreut zeigte über den von ihm angeregten Vorschlag einer finanziellen Förderung zum Schutz der Bäume. Seien Fraktion stimme der Abschaffung der Baumschutzverordnung deshalb überwiegend zu. "Diese Verordnung hat mehr Ärger als Nutzen gebracht", meinte auch SPD-Stadträtin Margot Weber. Heute sei sich jeder des Werts ortsbildprägender Bäume bewusst. "Selbst die Kreisstadt Schwandorf braucht keine solche Verordnung", merkte Alfons Scherr (CSU) an.

Ganz anders sah das der Umweltbeauftragte der Stadt, Peter Schießl (CSU). Ein "kleines Zuckerl" werde dem Schutzbedürfnis der Bäume nicht gerecht. Die größere Freiheit könne dazu führen, dass die Motorsäge aus der Garage gekramt wird statt des Spatens zum Pflanzen neuer Bäume. "Neunburgs Reiz ist das Grün", gab er zu bedenken und verwies darauf, dass es ja auch bei der Gestaltung in der Innenstadt massive Eingriffe in Eigentum gebe. Er plädierte deshalb für eine Überarbeitung der Verordnung.

"Kein Allheilmittel"

Von unterschiedlichen Meinungen in seiner Fraktion berichtete Martin Scharf (Freie Wähler). Eine Aufhebung der Verordnung werde das Umschneiden erleichtern, so seine Befürchtung. Deutlicher wurde Walter Drexler (Freie Wähler): "Der völlig falsche Weg. Das öffnet der Motorsäge Tür und Tor." Schützenhilfe erhielt er von Ehrenbürger und Heimatpfleger Theo Männer, der sich in die Reihe der "Kontra-leute" stellte: "Baumfeindlichkeit ist weit verbreitet", gab es zu bedenken. "Eine Verordnung ist hier durchaus wirksam, wenn auch kein Allheilmittel."

Mit einer Mehrheit von 16:6 Stimmen wurde die städtische Baumschutzverodnung dennoch aufgehoben. Den Grundstückseigentümern schützenswerter Bäume wurde für Unterhalt und Sanierung der Prachtstücke in Absprache mit den Fachbehörden eine finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt. Stadtrat Christoph von Wenz (CSU) empfahl, den Service des Kreisgartenamtes in Anspruch zu nehmen. Dort gebe es kostenfrei kompetente Tipps zu Pflege und Anpflanzung.
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