Motorsäge mit Nachwirkungen

Der frühere Stadtrat Johann Dorrer, Bauhofleiter Johann Reiml, Bürgermeister Martin Birner und Stadtpark-Beauftragter Georg Bottenhofer (von links) beim Ortstermin im Stadtpark. Bild: Mardanow
Lokales
Neunburg vorm Wald
29.01.2015
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Was wiegt höher: Naturschutz oder Sicherheit? Nach einer umstrittenen Baumfällaktion im Stadtpark hat sich an dieser Frage eine kontroverse Debatte entzündet.

Bei einem Ortstermin mit Bauhofleiter Hans Reiml, Stadtpark-Beauftragtem Georg Bottenhofer und dessen Vorgänger Johann Dorrer machte sich Bürgermeister Martin Birner am Donnerstag ein Bild von der Situation. Bottenhofer hatte in der Vorwoche den Stein ins Rollen gebracht, als er den Stadtrat über die "größere Abholzaktion" unterrichtet hatte. Laut seinen Worten seien dabei 50 Laubbäume entfernt worden.

Gründe nicht anzweifeln

"Die Baumstümpfe können so nicht stehen bleiben", kommentierte Birner die Situation am östlichen Gehweg des Obersees. Im zeitigen Frühjahr solle daher ein Landschaftsgärtner eingeschaltet werden, um für Ersatzpflanzungen zu sorgen. Er betonte aber auch, dass er die verschiedenen Sicherheitsgründe, die Bauhofleiter Reiml für die Fällung geltend gemacht hatte, nicht anzweifle.

Ihm gegenüber habe sich niemand negativ über die Maßnahme geäußert, erklärte Bauhofleiter Reiml. Er betonte erneut, dass die Fällung "keine Hauruck-Aktion" gewesen sei. Die - laut Stadtverwaltung - 27 gefällten Bäume seien seit 2012 regelmäßig begutachtet worden, ihre Standsicherheit wäre mittlerweile massiv beeinträchtigt gewesen. Reiml versicherte: "Wir schneiden nichts aus Jux und Tollerei ab". Die Arbeitskosten bezifferte Reiml auf 6000 Euro, das Holz habe die beauftragte Firma Reißer (Neunburg) mit verrechnet.

Der frühere Stadtpark-Beauftragte Johann Dorrer erinnerte an eine Stadtpark-Begehung mit dem Bauhofleiter vor zwei Jahren. Dabei wäre es lediglich um Auslichtungsarbeiten gegangen, um für bessere Lichtverhältnisse auf dem Gehweg zu sorgen. "Das Thema Sicherheit spielte dabei keine Rolle", monierte Dorrer. Für ihn wäre es ausreichend gewesen, pro Baumgruppe lediglich einen Stamm zu entfernen und nicht alle abzuschneiden. Georg Bottenhofer, Dorrers Nachfolger im Stadtrat, war nach einer Besprechung im Spätherbst davon ausgegangen, dass lediglich zwischen 8 und 10 Bäume entfernt würden. Vom letztlichen Beginn der Aktion habe er eher zufällig erfahren. Er sei aber nur am Anfang dazu gekommen, der spätere Umfang der Arbeiten sei da noch nicht erkennbar gewesen.

Mehr Sensibilität

"Aus dieser Situation können wir alle lernen", stellte der Bürgermeister fest. Künftig solle mit mehr Sensibilität an dieses Thema herangegangen werden. Gerade wenn es sich um mehrere Bäume handle, sollten vorzeitig sowohl die zuständigen Beauftragten als auch die Öffentlichkeit informiert werden. Zum Beispiel habe die Berufsschule bei der Landschaftspflege am Druidenstein so verfahren. Johann Dorrer schlug noch vor, die Baumstümpfe nicht so einfach zu entfernen - "das Wegfräsen verursacht enorme Kosten". Nach Rücksprache mit einem Forstamtsvertreter würden die Stämme nach etwa einem Jahr wieder austreiben, buschiger und damit pflegeleichter. Er empfahl, sich Rat durchs Forstamt zu holen.

"Der Stadtpark ist uns viel wert", gab der Bürgermeister abschließend zu verstehen. Es sei mit viel Arbeit verbunden, hier für ein gepflegtes Bild zu sorgen. Er stellte die Auslichtungsarbeiten an den Seeufern heraus, die nun einen besseren Blick auf das Gewässer ermöglichten. Nächste Pflegemaßnahme sei die Befestigung der Uferbereiche. Zur Behebung der Algenproblematik im Sommer finde demnächst ein Gespräch mit Fischereivertretern statt.
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