Niedrigwasser setzt Muscheln zu

Helfer sammelten die trocken liegenden Muscheln in Eimern ein und setzten sie in tieferes Wasser um.
Lokales
Neunburg vorm Wald
09.10.2015
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Erneut steht der Eixendorfer Stausee im Kreuzfeuer von Naturschutz und Wasserwirtschaft. Tausende Muscheln hätten in den vergangenen Wochen bei abgesenktem Wasserspiegel den Tod gefunden, klagt der Naturschützer Robert Bäumler. Das Wasserwirtschaftsamt bezweifelt das.

In einem Schreiben an die NT-Redaktion erhob Bäumler, der beim Fischereiverein Neunburg für Naturschutzfragen zuständig ist, schwere Vorwürfe: "Dramatische Szenen" hätten sich im See abgespielt, zu Tausenden seien Muscheln, Jungfische sowie andere Wasserorganismen verendet, nachdem der Wasserspiegel seit dem 18. Juli jeden Tag um mehrere Zentimeter abgesenkt worden sei. Bäumler berichtet, dass Helfer des Fischereivereins und des Landesbundes für Vogelschutz seit Monaten die Muscheln aus den trockengefallenen Bereichen bergen und sie in tieferes Wasser setzen.

Wieder auf dem Trockenen

Trotz Zusagen der zuständigen Behördenvertreter am Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weiden und bei der Regierung der Oberpfalz, den Seepegel von 428,50 Metern über Normalnull nicht weiter abzusenken, wäre der Wasserspiegel unverändert weiter gefallen - täglich um rund fünf Zentimeter. Die wegen der Zusicherung in Sicherheit geglaubten Muschelbestände seien wieder auf dem Trockenen gelegen.

Robert Bäumler kritisierte eine "kompromisslose Haltung der Wasserwirtschaft". Sie sei dabei, einen Großteil der Muschel-Population im See auszulöschen und deren Lebensraum zu zerstören. Dabei seien die vier hier vorkommenden Großmuschel-Arten mit ihrer hohen Filtrationsleistung doch wichtige Mitstreiter im Kampf gegen die Algen.

Der Naturschützer vermutete, dass die Vernichtung der Muschelbestände System habe. Nach und nach würden so die Hürden für den geplanten Bau eines Wasserkraftwerks an der Vorsperre abgebaut. Nachdem im Frühjahr die Biberpopulation in der Vorsperre auf Antrag des WWA ausgelöscht worden sei (NT berichtete), "sind jetzt die Muscheln dran".

"Der Eixendorfer See wurde nicht nur zum Hochwasserschutz, sondern auch zur Niedrigwasseraufhöhung der Schwarzach gebaut", entgegnete Mathias Rosenmüller, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weiden, auf NT-Nachfrage. Die derzeitige Abgabemenge von 1,5 Kubikmetern pro Sekunde entspreche exakt der Mindestmenge, die im Bescheid zum Betrieb des Stausees rechtlich festgeschrieben ist. Da seit dem Sommer nur etwas über ein Kubikmeter pro Sekunde dem See zufloss, sei der Wasserspiegel zwangläufig gefallen - vor den Regenfällen am Mittwoch um etwa 3 bis 5 Zentimeter täglich.

Dank der Abgabe aus dem Speichersee sei es gelungen, negative Auswirkungen durch die Trockenheit auf die Schwarzach unterhalb des Stausees erheblich abzumildern. Und selbst bei anhaltender Trocken- Phase wäre der See noch bis zu einem Wasserstand von 425 Metern über Normalnull ein wertvolles Reservoir für die Schwarzach. Eine Zusage "über 428,50 Meter hinaus nicht weiter abzusenken" habe es seitens des WWA nicht gegeben, widerspricht Rosenmüller. Der Behördenleiter ist der Ansicht, dass die derzeitige Absenkung von 3 bis 5 Zentimetern pro Tag den Muscheln keine Probleme bereiten sollte, da diese einem langsam fallenden Wasserspiegel folgen könnten. In Bereichen, in denen es nicht alle Muscheln schaffen, greife die Hegeverpflichtung für den See, die der Fischereiverein Neunburg mit der Pacht des Fischereirechts übernommen habe.

Nur vereinzelte Tiere

Rosenmüller stellte in Frage, ob wirklich Tausende Muscheln eingegangen sind. Die Biologen des WWA, die regelmäßig die Situation vor Ort begutachten, hätten am Dienstag festgestellt, dass zwar vereinzelt Tiere freiliegen, doch von Tausenden könne keine Rede sein. Gegen die Behauptung einer "systematischen Vernichtung" verwahre sich das Wasserwirtschaftsamt nachdrücklich, betonte Rosenmüller. Diese Unterstellung entbehre jeglicher Grundlage.
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