Psychodrama als Bühnengenuss

Dr. Florian Waldherr, Vanessa Civiello, Julia Ruhland und Uli Scherr (von rechts), die vier Schauspieler von "Ovigo", begeisterten das Publikum in der Schwarzachtalhalle mit ihrer Leistung im Stück "Der Gott des Gemetzels". Bild: weu
Lokales
Neunburg vorm Wald
11.03.2015
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Vier exzellente Darsteller, ein motivierter Regisseur, eine umsichtige Crew hinter den Kulissen und ein provokantes Stück mit Tiefgang: Mit diesen Trümpfen punktete das Ensemble "Ovigo" beim Stück "Gott des Gemetzels".

"Zum Glück gibt es noch die Kunst des zivilisierten Umgangs miteinander." Dieser zu Beginn geäußerte Spruch wurde im Verlauf des Abends ad absurdum geführt. Das provokante Stück von Yasmina Reza, das seine Premiere in der Schwarzachtalhalle hatte, entwickelte sich beinahe zu einem Psychodrama.

Versöhnung verpufft

Die vier Schauspieler von "Ovigo", ein aus der Theatergruppe des Ortenburg-Gymnasiums hervorgegangenes Ensemble, boten einen glanzvollen Bühnenauftritt. Mit der heftig diskutierten Aussage "Ihr Sohn hat unseren Sohn entstellt", begann der Zoff. Als sich Kathrin Reiler (Vanessa Civiello) auf einen Stapel Bücher übergeben musste ("Einen echten Pöhlmann!"), nahm das Unheil seinen Lauf. "Schluss jetzt mit diesen versöhnlichen Tönen", flötete Frau Kohlmann (Julia Ruhland), mittlerweile in Tränen aufgelöst.

"Anstand ist ein Unsinn, der schwächt und wehrlos macht", lautete die Devise der Paare aus guten Kreisen, und mit einer ausgiebigen Portion Rum, der besonders den Herren mundete, wurden die Sprüche immer lockerer und die Vorwürfe - auch gegen die eigenen Ehepartner - immer schwerwiegender. "Die Ehe ist die schlimmste Prüfung, die Gott einem auferlegt hat", sagte der ansonsten gutmütige Herr Kohlmann (Uli Scherr) in Alkohollaune.

Zur Nervenprobe wurde auch das ständige Handyklingeln des vielbeschäftigten, gestressten Anwalts Reiler (Florian Waldherr), der lautstark den Betrugsfall einer Pharmafirma per Telefon verhandeln musste. Aus dem ursprünglich privaten Friedensgipfel war eine handfeste Zimmerschlacht geworden, die Anwalt Reiler zu der Aussage veranlasste: "Ich glaube an den Gott des Gemetzels, den einzigen Gott, den es gibt."

Neue Ära einleiten

In Abwandlung der Vorlage von Yasmina Reza wurden auch örtliche Gegebenheiten eingebaut. Ein "Panoramablick auf den Cherkov in Tschechien" kam zur Sprache, an den Wänden der Bühne hingen Kunstwerke des ehemaligen Kunsterziehers am Gymnasium, Wolfgang Pöhlmann. Von dem langjährigen "Ovigo"-Chef Wolfgang Pöhlmann hat Florian Wein die Regie übernommen und gab bei diesem Stück sein Debüt. Man wolle eine neue Ära einleiten, erklärte der Jungregisseur zu Beginn des Theaterstücks. Im Anschluss an das gefeierte Stück stellte er sich zusammen mit Co-Regisseurin Barbara Kießling und den vier Schauspielern im Foyer der Schwarzachtalhalle für Gespräche zur Verfügung und servierte den Gästen "Apfelstrudel mit Äpfeln und Birnen".
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