Reif für den Fördertopf

Bürgermeister Martin Birner (vorne, links) will zusammen mit den Vertretern der sieben weiteren Seenland-Kommunen jetzt Prioritäten für das EFRE-Programm setzen. Dr. Heike Glatzel, Prof. Markus Brautsch (Dritter von rechts) sowie Landschaftsarchitekt Gottfried Blank (rechts) haben das Entwicklungskonzept erstellt, das den Weg zu den Fördertöpfen ebnet. Bild: Bugl
Lokales
Neunburg vorm Wald
06.05.2015
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Prof. Dr. Markus Brautsch: "Mit einem virtuellen Kraftwerk könnten wir beispielgebend für ganz Deutschland sein."

Real existiert das Kraftwerk nicht, das acht Kommunen aus dem Landkreis da planen. Trotzdem hat es die EFRE-Fördertöpfe in greifbare Nähe gerückt - und vielleicht sogar eine interkommunale Gartenschau.

"Die Arbeit hat sich gelohnt, das Konzept zu integrierten räumlichen Entwicklungsmaßnahmen ist als förderwürdig anerkannt worden", verkündete am Mittwoch Bürgermeister Martin Birner bei einem Pressegespräch im Rathaus. Das Seengebiet im Oberpfälzer Wald ist damit neue Förderregion des EFRE-Programms (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung). Acht Gemeinden ziehen dabei an einem Strang: Neben der Leitkommune Neunburg sind dies Bodenwöhr, Bruck, Dieterskirchen, Neukirchen-Balbini, Schwarzhofen, Steinberg am See und Wackersdorf.

Energie im Fokus

"Jetzt geht es darum, gemeinsam Schwerpunkte zu bilden und festzulegen, was sich aus dem gesamten Konzept herauskristallisieren soll", erläuterte der Bürgermeister Birner. Bei dem Treffen mit seinen Amtskollegen und der am Entwicklungskonzept beteiligten Arbeitsgemeinschaft machte er deutlich, dass dabei als großes Zeil Energieeffizienz-, -einsparung und Versorgung angestrebt wird. Auch Grün- und Erholungsanlagen gehören zum Konzept, das eine interkommunale kleine Gartenschau in den Fokus rückt. Dafür wurde den Seenland-Gemeinden nun "ausreichend hohe Priorität" bei der Förderung eingeräumt. Jetzt müssen sie selbst Prioritäten setzen. Basis dafür ist ein Maßnahmenkatalog.

Ein Punkt, der alle Kommunen betrifft, ist der Aufbau eines Regionalkraftwerks. "Eigentlich ein virtuelles Kraftwerk, das Energieerzeuger und Verbraucher vernetzt", erläuterte beim Pressegespräch Prof. Dr. Markus Brautsch von der Hochschule Amberg-Weiden, die bei der wissenschaftlichen Begleitung mit im Boot ist. Dieses Netz, das Strom anbietet und vermarktet indem beispielsweise Abwärme genutzt wird, könne beispielgebend für ganz Deutschland sein, so der Fachmann. "Der nächste Schritt wäre dann, Regionalwerke zu gründen, die es schaffen, Wertschöpfung in der Region zu halten." Das gebe es in der Form so noch nicht und sei vielleicht auch ausschlaggebend gewesen für die erfolgreiche Bewerbung der acht Kommunen.

Mit Überraschung punkten

Welche Rolle künftig neben der zukunftsweisenden Energie auch die Punkte "Lebens- und liebenswerte Region" und "Rund um Grün" spielen sollen, verdeutlichten Dr. Heike Glatzel von der Futour Umwelt-, Tourismus- und Regionalberatung GmbH und Landschaftsarchitekt Gottfried Blank. Der Kultur komme dabei eine tragende Rolle zu, nicht nur in Bezug auf Museen, sondern auch im Bereich der Industriekultur. Naturräume verbinden und mit einer "energieeffizienten Gartenschau noch eins draufsetzen", lautete das Credo von Dr. Glatzel, die beim Ringen um Fördermittel auf "Überraschungseffekte mit Zugkraft" setzte.

Nicht gefördert werden können laut Blank privatwirtschaftliche Maßnahmen. Teil des Projekts sei außerdem eine wissenschaftliche Begleitung. Bereits bis Ende des Jahres soll der Finanzbedarf für die möglichst zeitnah realisierbaren Vorhaben gemeldet werden. "Wichtig ist die Bedeutung für die gesamte Region", gab Bürgermeister Birner in Hinblick auf die Pläne zu bedenken, die einen Platz ganz oben auf der Prioritätenliste erhalten sollen.

Hoch dotierte Förderung

"Der Fördersatz mit 60 bis 80 Prozent ist hoch", motivierte der Neunburger Verwaltungsleiter Peter Hartl. "Das gibt es sonst nur bei der Flurbereinigung." Zu den ersten Projekten, die noch heuer angepackt werden könnten, gehört für Bürgermeister Birner beispielsweise ein mittelalterliche Erdstall in Neukirchen-Balbini.
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