Rudern in der Milch-Misere

Mit Sorge blicken die Milcherzeuger in eine ungewisse Zukunft. Das wurde auch in der Diskussion über die Preispolitik beim Oberpfälzer Milchviehtag in der Neunburger Schwarzachtalhalle deutlich. Bild: Bugl
Lokales
Neunburg vorm Wald
04.11.2015
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Kein Totalschaden, aber eine unsanfte Landung: So ordnet ein Experte die Situation auf dem Milchmarkt ein, der nach dem Wegfall der Quote einen Sturzflug der Preise hinter sich hat. Die Landwirte bangen um ihre Zukunft, ein Prophet ist nicht in Sicht.

Seit im Frühjahr die Milchquote weggefallen ist, sank der Preis pro Kilo Milch enorm - auf derzeit rund 30 Cent pro Kilogramm. "Für mich bedeutet das in diesem Jahr 40 000 Euro Verlust", klagt Landwirt Matthias Irlbacher aus Unteraich (Gemeinde Guteneck). Zusammen mit rund 200 Kollegen ist er zum Oberpfälzer Milchviehtag in die Neunburger Schwarzachtalhalle gekommen. Dort nehmen Experten der Landesanstalt für Landwirtschaft die Misere unter die Lupe. "Wir haben alle mit einer Delle gerechnet, aber dieses Ausmaß hat uns überrascht", gesteht Johann Bollwein vom Fachzentrum Rinderhaltung in Cham und hofft, dass nun die Experten den Milcherzeugern wieder ein wenig Mut machen können. Doch die sind da sehr verhalten.

"Es ist nicht so, dass mit dem Wegfall der Quote alles weg wäre. Nach wie vor gibt es Instrumente um einzugreifen", meint Ludwig Huber, der bei der Landesanstalt für Landwirtschaft im Institut Ernährung/Markt auch den Weltmarkt im Blick hat.

Wenn China weniger Milchpulver importiert, der Nahe Osten in Krisenzeiten nicht als Markt in Frage kommt und aufgrund des Embargos der Käseexport nach Russland entfällt, dann geht das auch an den bayerischen Milcherzeugern nicht spurlos vorüber. Ein US-Zoll auf Butter aus Irland oder ein niedriger Stand des neuseeländischen Dollars: All dies wirkt sich laut Huber auch auf Bayern aus, wo ein "mächtiges Auf und Ab bei den Rohstoffpreisen" erkennbar ist. "Wir haben hier einen Selbstversorgungsgrad von 160 Prozent bei Milch und 330 Prozent bei Käse", verdeutlicht Huber. "Das heißt, wir müssen mehr als zwei Drittel des Käses aus dem Land bringen." Zwar könnten die Bauern mit Qualität und die Molkereien mit Kompetenz punkten, diesen Chancen stünden aber die hohen Kosten bei der Milcherzeugung und -verarbeitung als Risiken gegenüber. "Ich bin kein Prophet, ich sehe kein Instrument, das uns innerhalb kürzester Zeit aus dieser Misere rausbringen könnte", so der Fachmann.

"30 Cent pro Kilo Milch bieten definitiv keine nachhaltige Perspektive", meint auch Dr. Gerhard Dorfner vom Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur. "Wir müssen langfristig denken", empfiehlt er den Landwirten und rät dazu, individuelle Kostenpunkte ganz genau unter die Lupe zu nehmen.
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