Salven an Pointen und Parodien

Fast drei Stunden lang begeisterte der Musiker und Comedian Chris Boettcher die Gäste in der Schwarzachtalhalle. Bild: weu
Lokales
Neunburg vorm Wald
21.09.2015
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Eigentlich hätten die Zuschauer doppelten Eintritt bezahlen müssen für die vielen Politiker, Sportler und Musiker, die Chris Boettcher auf der Bühne präsentierte. In seinem Programm "s' Beste" erlebten die Gäste ein Feuerwerk aus Parodie, Comedy, Kabarett und Musik.

Von Applaus begleitet trat Chris Boettcher auf die Bühne der Schwarzachtalhalle, die er als "Kleinod altbayerischer Barockkleinkunst" bezeichnete. "Was war im letzten Jahr alles los?", fragte er und imitierte den "Graf" von Unheilig, Eros Ramazotti, Peter Maffay und Udo Lindenberg in treffenden Liedern. Dazu spielte er auf seinem "Kuhboard", einem E-Piano im Kuhfleckenfell. Er hatte alle im Gepäck, von Angela Merkel über Horst Seehofer bis zu Francois Hollande. "Wir sollten uns ein Beispiel an Angela Merkel nehmen", forderte der fröhliche und ungemein sympathische Dauerplauderer, "sie küsst sich durch die Diplomatie und knutscht sich von einem Wirtschaftsgipfel zum anderen."

Lothars "Fränglisch"

"Englisch ist im Vormarsch", stellte Boettcher fest, "jetzt heißen Steckerlhatscher Nordic Walker." Er hingegen lege Wert auf bayerische Sprache, also "Fleischpflanzerl" statt "Burger". Wahre Lachsalven löste der Comedian aus beim Versuch, die englische Sprache von Lothar Matthäus zu imitieren. "It goes round the sausage - es geht um die Wurst", ließ er den Fußballer sprechen. Über dessen Freundin sagte er: "She has much wood before the cottage" also "sie hat viel Holz vor der Hütte". Wenn sie ihm nicht gefällt, gibt es einen einfachen Weg: "I give her the running passport - Ich gebe ihr den Laufpass."

Natürlich zog das Multitalent auch die Fernsehprogramme durch den Kakao: "Die ,Katzenbergers' und ,Geissens' leben an der geistigen und anscheinend auch finanziellen Armutsgrenze." In Liedern stellte er Sendungen wie "Bauer sucht Frau" dar und besang, wie der rustikale "Bauer" zu seiner sächsischen "Frau" kam.

Mit schnellen Pointen und treffenden Parodien voller Witz und Biss schlüpfte er mühelos in jede Rolle. Die größte Beleidigung sei für Andy Borg der Satz "Du bist zu alt für den Musikantenstadl" gewesen, wo doch junge Leute eine andere Vorstellung davon hätten. In dem Lied "I sauf mi heit ins Koma" stellte er den Geschmack der Jugend dar. "Lallen" sei überhaupt die Sprache auf der "Wiesn", die verstehe jeder Besucher. Mit "Gib mir Wurst, Conchita" präsentierte er ein Lied für Österreich.

Ob Heino, Udo Lindenberg, den "Horst", Boris Becker, Olli Kahn, Michael Ballack - Boettcher hatte sie alle dabei und wechselte blitzschnell von einer Imitation zur nächsten. Da mussten die Gäste schon aufpassen, dass ihnen keine Pointe entging. In atemberaubendem Tempo schoss er ein verbales Trommelfeuer auf Florian Silbereisen und Hansi Hinterseer ab ("der trägt alle Perücken von Carmen Nebel auf"), bevor er die Kindererziehung und die Pubertät ("Da werden Kinder zu Aliens!") aufs Korn nahm. Namen wie Jason Bauer, Chantal Hinterdobler oder Angelique Huber seien heute normal, da müsse man sich fast schämen, wenn man Max heißt.

Zugaben gefordert

Auch das Publikum war fast drei Stunden lang gefordert, indem es Refrains singen, klatschen oder schnipsen musste. Nach einigen Zugaben und tosendem Applaus stellte sich Boettcher im Foyer noch für Autogramme und Gespräche zur Verfügung.
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