Scharfzüngig und frivol

Mit viel Humor und vollem Einsatz nahm Karl Stumpfi die Gäste beim Blauen Montag des Kunstvereins "Unverdorben" mit auf eine musikalisch-satirische Reise auf der Suche nach "Komischen Käuzen". Die Texte wurden von den Musikern Klaus Götze, Jürgen Zach und Franz Schöberl (im Hintergrund von links) untermalt. Bild: weu
Lokales
Neunburg vorm Wald
27.11.2015
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Zum Kunstherbst-Ausklang warteten die "4 Unverdorbenen" des Kunstvereins mit satirischen Texten und handgemachter Musik am Blauen Montag auf. Der Ansturm ließ das Gastzimmer "Zur Goldenen Gans" zu klein werden.

"So heiter und bunt wie das Herbstlaub und so nachdenklich wie ein Novembermorgen war das Programm des Kunstherbstes mit Theater, Malerei, Musik und Literatur", so begrüßte die Vorsitzende des Kunstvereins, Beate Seifert, die vielen Gäste zum bayerisch-österreichischen Satiregipfel. Sie stellte das "unverdorbene Quartett" mit den Musikern Klaus Götze (Gitarre), Jürgen Zach (Gitarre, Bass, Gesang) und Franz Schöberl (Akkordeon) sowie Karl Stumpfi als Rezitator und "Meister des hintergründigen Humors" vor.

"Dieses urige Lokal war in den 375 Jahren seines Bestehens selten so knallvoll wie heute", sagte Karl Stumpfi und tauchte mit der Anspielung auf das volle Gastzimmer auch gleichzeitig in die Vergangenheit ein. Er stellte Personen vor, die dem Motto des Abends, "Von komischen Käuzen", entsprachen. Die präzise ausgewählte und bunt gemischte Abfolge von satirischen Texten bekannter Autoren wie Karl Kraus, Ludwig Thoma, Friedrich Torberg, Oskar Maria Graf, Ernst Jandl und anderen regte zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken an.

Die handgemachte Musik, die Jürgen Zach mit eigenen Liedern und Texten besonders akzentuierte, war inhaltlich an die vorgetragenen Textpassagen angelehnt. Der unterhaltsame Abend mit scharfzüngigen, frivolen Texten trug zur Erheiterung der Gäste bei und entlockte manchem hintergründiges Grinsen. Rezitator Karl Stumpfi, der vom bayrischen und österreichischen Dialekt blitzschnell zur "Berliner Schnauze" wechselte, setzte die Pointen durch seine ausdrucksstarke Gestik und Mimik und seinen abwechslungsreichen Vortrag geschickt in Szene und drückte ihnen einmal mehr seinen ureigenen, unverwechselbaren Stempel auf.

Nach der ungewöhnlichen Interpretation des Liedes "Ich hatt' einen Kameraden" als Ouvertüre begann die Lesung mit einem Text von Karl Kraus, "Die letzten Tage der Menschheit". Das allzu menschliche Leben des "Pastor Klops" von Ludwig Thoma, der "so viele Kinder zeugte wie die Kaninchen", führte zu der Erkenntnis: "Dem katholischen Bruder blieb's erspart, denn der hat ja seinen Zölibat". Als komischer Kauz wurde auch "Herr Buxbaum" vorgestellt, der mit Wirtschafterin und Hund Waldi in einem merkwürdigen Dreiecksverhältnis zusammenlebte.

Sprachspiele von Ernst Jandl bereicherten das lustige Programm. "Wo bleibt der Humor?", das bekannte Gedicht "Ottos Mops" und als Zugabe, von Stumpfi kreiert, "Der alte Gänswirt" brachten die Gäste zum Lachen. "Der Mondschein" von Erich Fried erschien nur vordergründig romantisch. Isidor Mondschein hat sich nämlich ein Bein gebrochen. Dazu sang Jürgen Zach auf wienerisch: "Nüchtern bin i allaweil so schüchtern." Handfeste Bauernerotik wurde in "Die Lurer", einem Kapitel aus dem Bayerischen Dekameron von Oskar Maria Graf vorgestellt, das von dem Musikensemble mit dem Lied "Hinter meim Voda sein Stodl" ergänzt wurde. Der Kunstherbst 2015 ist Geschichte - es lebe der Kunstherbst 2016!
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