Schützen statt umhauen

Mit dem neuen Förderprogramm hofft die Stadtverwaltung, dass in der Bevölkerung das Bewusstsein für ortsbildprägende Bäume gefördert wird. Wer solche Prachtstücke auf eigenem Grund pflegt und erhält, bekommt künftig einen Zuschuss von bis zu 500 Euro gewährt. Bild: Mardanow
Lokales
Neunburg vorm Wald
18.09.2015
1
0

Bis zu 500 Euro lässt es sich die Stadt künftig kosten, wenn prächtige Bäume auf Privatgrundstücken gehegt und erhalten werden. Eine entsprechende Richtlinie hat der Stadtrat mehrheitlich verabschiedet. Dabei sind aber auch Rufe nach der abgeschafften Baumschutzverordnung laut geworden.

Vor knapp einem Jahr - in der Sitzung am 16. Oktober - hatte der Stadtrat die bisherige Schutzverordnung aufgehoben. Die neue "Richtlinie zur Förderung des Erhalts ortsbildprägender Großbäume auf Privatgrundstücken" tritt ab 1. Januar an ihre Stelle. Sie verspricht Baumbesitzern finanzielle Anreize, wenn sie ihren Prachtstücken nicht mit Motorsäge oder Axt zu Leibe rücken, sondern pflegen und weiterleben lassen.

Nicht zu sehr regulieren

Bürgermeister Martin Birner stand der neuen Regelung in der Sitzung noch etwas skeptisch gegenüber. Die Baumschutzverordnung sei damals aufgehoben worden, da die Stadt nicht zu regulierend in private Grundstücke eingreifen wollte, erläuterte er. Auch sollte damit eigentlich ein Beitrag zum Bürokratieabbau geleistet werden. Er befürchtete, dass die künftige Richtlinie das Gegenteil erzeugen könnte. Stadtrat Florian Meier (Freie Wähler) glaubte, dass die neue Regelung ins Leere gehen werde: "Wer sich an einem Baum stört, der wird ihn auch künftig wegschneiden."

Während Alexander Trinkmann (CSU) die Richtlinie als "überflüssig" empfand, plädierte sein Fraktionskollege Peter Schießl dafür: Für den Umweltschutzbeauftragte im Stadtrat ging es darum, in den Leuten das Bewusstsein für ortsbildprägende Bäume zu wecken. "Ich glaub' schon, dass die Bäume dadurch länger stehen." Denn wer Zuschüsse für die Pflege erhalten habe, sei laut Richtlinie verpflichtet, den Baum weitere zehn Jahre zu erhalten. Walter Drexler (FW) sah die damalige Abschaffung der Baumschutzverordnung nach wie vor als "totalen Fehler" an. Die Stadt habe damit die Bürger aus der Pflicht genommen. "Jetzt opfern wir Geld für etwas, dass wir mit der Schutzverordnung umsonst bekommen haben." Gleichzeitig bezweifelte er, dass die gewährte Förderung genügend Anreize zu Pflegemaßnahmen gebe. Auch Margot Weber (SPD) sah das so: "Für 500 Euro schütze ich keinen Baum."

"Einen Versuch wert"

An ein Umdenken der Bürger glaube Zweite Bürgermeisterin Margit Reichl (CSU): "Früher sind viele Bäume umgeschnitten worden, ehe sie überhaupt in den Geltungsbereich der Schutzverordnung ,hineinwachsen' konnten." Christoph von Wenz (CSU) wertete die neue Richtlinie als "ein positives Zeichen, dass uns Bäume wichtig sind". Er glaube nicht, dass durch die Förderung auf die Stadt hohe Kosten zukommen. "Auch die alte Verordnung hat keinen Baum auf lange Zeit beschützt", fügte CSU-Fraktionssprecher Klaus Zeiser an. Es sei "einen Versuch wert", auf die neue Richtlinie zu setzen. "Ob es hilft, sehen wir erst in 10 bis 15 Jahren." Mit 13:7 stimmte das Gremium schließlich für die neue Richtlinie. Sie wird am 1. Januar in Kraft treten.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.