Sieg über Hitze und Hussiten

Die neuen Figuren Margarete von Lothringen (Agnes Jonas, vorne) und Margarete von Cilli (Teresa Wurmstein) geben der Handlung des Spiels neue Impulse. (Bild: Götz)
Lokales
Neunburg vorm Wald
05.07.2015
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Als der Applaus aufbrandete, glänzten Schweißtropfen auf den Rüstungen und so manches Kostüm hätte man auswringen können: Die Premiere des Festspiels "Vom Hussenkrieg" war als Hitzeschlacht inszeniert. Nur Stunden vorher brachte eine Umbesetzung den Regisseur ins Schwitzen.

Michael Schlesinger, Darsteller des Ritters Warperger, hatte sich am Samstagvormittag einen Riss der Achillessehne zugezogen. Eine Zweitbesetzung gab es nicht, und so begannen bei den Festspiel-Machern die Telefondrähte zu glühen. Nach Rücksprache mit Regisseur Nikol Putz erklärte sich Helmut Biegerl (Ritter Paulsdorfer) bereit, die Textpassagen des Theaterkollegen zu übernehmen. Zur Probe für den Ernstfall mussten wenige Stunden am Nachmittag ausreichen.

Hitze weicht nur widerwillig

Als am Abend die Zuschauer in den Burghof strömten und die Anspannung bei den Darstellern stieg, wollte der sonnendurchglühte Tag scheinbar nur widerwillig einem lauschigen Abend weichen. Erst bei knapp unter 30 Grad stand die Quecksilbersäule, als das 130-köpfige Ensemble gegen 21.15 Uhr zum farbenprächtigen Opening in den Burghof einzog. Bürgermeister Martin Birner hatte zuvor in seiner Begrüßung des Publikums Appetit auf ein "spannendes und packendes Schauspiel" gemacht.

Vor komplett ausgebuchten Zuschauerrängen präsentierten die Mitwirkenden den "Hussenkrieg" im 33. Jahr als ein Festspiel, das sich weiterentwickelt hat. Zusätzliche Szenen, die dem Stück eine neue Nachdenklichkeit geben, sind beim Publikum - der Applaus ließ es vermuten - offensichtlich gut angekommen. Unter anderem unterbricht der Erzähler im vierten Bild die Exekution eines Hussiten und erklärt, dass sich das Festspiel-Ensemble deutlich gegen religiösen Terrorismus und Extremismus ausspricht. Nachdem die erste Schlacht im Festspieljahr 2015 geschlagen, der Applaus des Premieren-Publikums verhallt war und die Scheinwerfer verlöscht waren, sprach Schirmherr Axel Bartelt, Regierungspräsident der Oberpfalz, dem Ensemble ein "großes Kompliment aus". Er lobte die schauspielerische Qualität, besonders gefallen hätten ihm die nachdenklichen Passagen.

Spannend und packend: 130 Schauspieler spielten im Burghof in Neunburg vorm Wald am Samstag das Festspiel "Vom Hussenkrieg". Bilder: Gerhard Götz

Eine "brillante Premiere" hatte Bürgermeister Martin Birner gesehen. Er lobte die "hervorragende Sprachqualität" der Darsteller, die auch mit "einer gewissen Lockerheit" gespielt hätten. Nach der überstandenen "wahrlich heißen Schlacht" freute sich Regisseur Nikol Putz: "Ich bin froh, dass wir zu einem guten Ergebnis gekommen sind." Unter donnerndem Applaus des Ensembles dankte er Helmut Biegerl, der seine zusätzliche Aufgabe - wie eingangs berichtet - gemeistert hatte.

"Echte Theaterleute"

Ein Lob galt auch "Bogenschütze" Maximilian Kleinschmidt, der während der laufenden Premiere auf der Bühne spontan als "Knecht Schorsch" eingesprungen war. "Das sind echte Theaterleute", würdigte Putz. "Wer so reagiert, der braucht Nerven und Mut, aber auch eine große Liebe zum Theater." Auch allen Darstellern in neuen Rollen sprach er seine Anerkennung aus.
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