Spezialisierung oder Intervention: Landwirte zwischen Verzweiflung und Optimismus
Mit "Kuhflüsterer" in die Zukunft

Wir überstehen zwar diese Krise, aber das ist keine Zukunft für unsere Jungen.
Lokales
Neunburg vorm Wald
05.11.2015
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"Das ist die dritte Milchmarkt-Krise in sechs Jahren", stöhnt Matthias Irlbacher aus Unteraich. Auch er will den freien Markt - "aber mit einer Regelung, durch die wir auf kostendeckende Preise kommen". Ihm ist bang: "Wir überstehen zwar diese Krise, aber das ist keine Zukunft für unsere Jungen." Martin Mosandl aus Ottmaring bei Dietfurt ist da optimistischer.

Nur abzuraten

"Ich bin gern Landwirt, aber momentan kann ich keinem meiner Buben raten, die Nachfolge anzutreten", gesteht Irlbacher. Der 49-Jährige wünscht sich deshalb Hilfe von der Politik. Martin Mosandl ist erst 35 und hat selbst vor nicht allzu langer Zeit die Nachfolge im Familienbetrieb angetreten. Die aktuelle "Delle" beim Milchpreis ist für ihn kein Grund, sich entmutigen zu lassen. Sein Erfolgsrezept gab er beim Oberpfälzer Milchviehtag in Neunburg preis.

"Ich mache vieles genauso wie die Kollegen, nur eben konsequenter", sagt Mosandl und nennt im Gespräch mit unserer Zeitung auch Beispiele: Wenn die Kuh lahmt, wird das nicht auf die lange Bank geschoben. Und wenn das Futter verdorben ist, wird es sofort entsorgt. "Konsequentes Kümmern", heißt das für Martin Mosandl, der an diesem Tag auch als Referent gebucht ist. "Wir brauchen Bauch- und Fingerspitzengefühl", stellt er fest, "und zwar nicht beim Traktorfahren, sondern beim Blick für Tiere". Dafür gebe es jetzt sogar ein Modewort: "Kuhflüsterer".

Zu teures Futter

Daneben baut Mosandl aber auch auf eine genaue Betriebszweig-Auswertung. Dieses "Controlling" habe vor zehn Jahren ans Tageslicht gebracht, dass viel zu viel Geld in Kraftfutter investiert wurde. "Als Züchter neigt man dazu, zu teuer zu produzieren", war ein Fazit für den Betriebsinhaber. Und der 35-Jährige ist überzeugt: "Es gibt immer noch Luft nach oben."

Urlaub muss sein

Wichtig ist für Mosandl Zufriedenheit. "Nur wer das schafft, wird erfolgreich sein" prophezeit er und fügt hinzu: "Das heißt auch, sich Urlaub und Freiräume zu nehmen". Bleibt für ihn genügend Zeit für Urlaub? "Aber sicher, und nicht nur einmal im Jahr", sagt der 35-Jährige und strahlt übers ganze Gesicht. "Alles Organisationssache!" (Seite21)
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