Stausee-Biber im Fadenkreuz

Laut Fischereiverein fühlt sich der Biber am Eixendorfer Stausee seit mittlerweile 20 Jahren heimisch. Bild: hfz
Lokales
Neunburg vorm Wald
27.02.2015
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Der Biber-Population am Eixendorfer See geht es ans Fell: Wegen "Gefährdung der Hochwasseranlagen" haben die Behörden eine Abschussgenehmigung erteilt. Der Fischereiverein jedoch vermutet, dass die Tiere dem bei Hillstett geplanten Wasserkraftwerk im Weg sind.

Laut einer Pressemitteilung des Fischereivereins haben die Unteren Naturschutzbehörden in den Landkreisen Schwandorf und Cham der "Vergrämungsmaßnahme" zugestimmt. Zuvor habe auch die Bezirksregierung grünes Licht gegeben. Wie mehrfach berichtet, plant die Bayerische Landeskraftwerke GmbH die Errichtung einer Wasserkraftanlage am Wehr der Vorsperre. Gegen die Genehmigung haben der Fischereiverein und der Bund Naturschutz Klage eingereicht.

Laut Robert Bäumler, im Fischereiverein zuständig für Naturschutzfragen, sehe der Wasserrechtsbescheid eine Vertreibung des Bibers durch die Absenkung des Wasserspiegels vor. Doch die Auflagen zum Muschelschutz, nach denen erst bei einer Wassertemperatur von zehn Grad Celsius der See um höchstens 10 Zentimeter pro Tag abgesenkt werden darf, würden diese Maßnahme stark einschränken. Er glaubt, dass die Landeskraftwerke auf politischen Druck das Wasserwirtschaftsamt angehalten hätten, mit dem Abschuss eine erfolgversprechende Vergrämungsmethode über die artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung (AAV) zu beantragen. Diese lasse eine Tötung des Bibers in der Zeit vom 1. September bis 15. März zu.

Biber bisher kein Thema

Es sei schon seltsam, so Bäumler, dass seitens der Wasserwirtschaft bisher nie von einer Gefährdung des Hochwasserschutzes durch Biber die Rede gewesen sei. Schließlich seien die Tiere seit mehr als 20 Jahren mit relativ konstanten Beständen zwischen drei und fünf Elternpaaren im See aktiv. Es sei nur "schwer vorstellbar", dass durch Biber gefällte Bäume die Abflussöffnungen verstopfen. So liege der Grundablass des Hauptsees etwa 15 Meter unter der normalen Wasserspiegelhöhe, und die Hochwasserentlastung bestehe aus einem riesigen Klappwehr. Durch diese Vorgehensweise sehen die Fischer auch die Glaubwürdigkeit des Bibermanagements im Landkreis Schwandorf in Frage gestellt.

Franz Pfeffer, Pressesprecher am Landratsamt Schwandorf, verneinte am Freitag, dass die Abschussgenehmigung im Zusammenhang mit dem geplanten Bau-Vorhaben steht. Das Wasserwirtschaftsamt habe in seinem Antrag sehr ausführlich beschrieben und begründet, welche Auswirkungen durch Biber gefällte Bäume auf die Hochwasserschutz-Anlagen haben könnten. So würden sich durch Treibholz verlegte Hochwasserklappen nicht mehr bewegen lassen. Auch die sogenannten "Grundablass-Schützen" auf dem Seegrund könnten blockiert werden. Bei außergewöhnlichen Hochwasserereignissen wie im Juni 2013 hätte dadurch aufgestautes Wasser im Extremfall sogar zu einem Dammbruch führen können, so der Antrag.

Die Frage nach dem Umgang mit dem Biber sei nicht neu, wäre aber bisher noch nicht verfolgt worden. "Als der Stausee gebaut wurde, gab es noch keine Biber", so Pfeffer. Die artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung sehe vor, dass bei Hochwasserschutzbauten nur eingeschränkte Rücksicht auf den Artenschutz genommen werden müsse. An einem Natursee würde sich die Frage "Hochwasserschutz vor Artenschutz" ganz anders darstellen.

Symbol und auch Belastung

Bis 15. März dürften beauftragte Jäger nun auf die Biber pirschen. "Es gibt klare Regelungen, zu welchen Zeiten Fang und Abschuss erlaubt sind", so Pfeffer, "eine Vergrämung der Tiere wird es nicht geben". Diese "einseitig erklärte Partnerschaft" zwischen Fischern und Bibern empfand der Pressesprecher als "eher ungewöhnlich", denn gerade bei Teichwirten würden die Tiere nicht unbedingt auf Wohlwollen stoßen. Im Landkreis sei der Biber mittlerweile flächendeckend heimisch - mit positiven und negativen Folgen: "Einerseits ist er ein Symboltier für intakte Natur, andererseits eine Belastung für Land-, Wasser- und Teichwirtschaft", so Pfeffer.
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