"Stein der Weisen" inspiriert

Das Werk "Abgehoben" von Vasilij Plotnikov (Zweiter von links) mit seinen an feinen Plastikfäden fast unsichtbar schwebenden Pflastersteinen war der Hingucker der Ausstellung. Bilder: weu (2)
Lokales
Neunburg vorm Wald
22.08.2015
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"Stein" ist das Jahresthema der Akademie für Natur und Industriekultur Ostbayern-Böhmen. Das hat der Kunstverein Unverdorben aufgegriffen und eine Ausstellung organisiert, bei der auch die Lupe eine wichtige Rolle spielt.

"Schiefer - Granit - Kalk" titelt die Ausstellung im Kunstquartier Unverdorben, Im Berg 7. "Steine in ihrer unterschiedlichen Form begleiten Menschen von Anfang an", merkte Kunstvereinsvorsitzende Beate Seifert bei der Vernissage an: als Werkzeug, Schmuck oder Glücksbringer. Die Suche der Wissenschaft nach dem "Stein der Weisen" habe Künstler immer wieder inspiriert.

"Mauern und Grenzen aus Steinen trennen die Menschen, unsere Aufgabe ist es, diese einzureißen und damit Wege zur Völkerverständigung zu bauen", schlussfolgerte Seifert. Ihr Dank galt der Akademie, der Stadt Neunburg sowie allen fleißigen Helfern, die diese Ausstellung ermöglicht haben. In Vertretung des Vorsitzenden der Akademie, Dr. Peter Deml, sprach Hans Fischer ein Grußwort. Er bezeichnete die Zusammenarbeit mit dem Kunstverein als wertvoll. Die drei in der Oberpfalz vorkommenden Steinarten, in verschiedenen Stilrichtungen präsentiert, führen seiner Einschätzung nach zu einer interessanten Ausstellung.

Im "Kinosaal" des Kunstquartiers, einem Nebengebäude, das mit den Sitzen des früheren Kinos bestückt war, wurden die Künstler vorgestellt. Mit Vasilij Plotnikov, der in Russland geboren ist und seit 1995 in der Oberpfalz lebt und arbeitet, ist ein einheimischer Bildhauer vertreten, der zusammen mit Veronika Riedl die Kunstgalerie VKUS in Schwarzhofen betreibt.

Sein Werk "Abgehoben" überrascht die Gäste gleich am Eingang der Ausstellung, scheinen doch schwere Granitsteine, an fast unsichtbaren Plastikschnüren aufgehängt, im Raum zu schweben. Auch seine aus Stein gehauenen Köpfe faszinieren die Betrachter.

Holzschnittartige Grafiken, filigrane Fotografien und Tuschezeichnungen zu Schiefer, Kalk und Granit stammen von dem in Marseille geborenen Jean-Christophe Meillan, der als Künstler und Grafiker in Ingelheim lebt und arbeitet.

Insekten unter der Lupe

Mit dem 28-jährigen Marek Skubal aus Pilsen bereichert einer der profiliertesten Nachwuchskünstler aus Tschechien die Ausstellung. Mit seinen Steinsiegeln verblüfft er die Betrachter. Nur mit den beiliegenden Lupen sind die filigranen Gebilde, meist Insekten, genau zu sehen. Auch bei seinen Skulpturen beschäftigt er sich mit den feingliedrigen Körpern von Insekten.

Besondere Beachtung verdient die Ausstellung einiger Exponate der staatlichen Dombauhütte Regensburg, deren Aufgabe seit 1923 in der Wartung, Instandhaltung und Restaurierung des Doms besteht. Die kunstfertige Bearbeitung des Kalksteins wird in den Ausstellungsstücken dokumentiert.

Gedichte und Musik

Kongenial ergänzt wird die Ausstellung durch Gedichtplakate und beschriftete Schiefertafeln des Schriftstellers Friedrich Brandl aus Amberg. Mit Auszügen aus seinen Gedichtbänden "schiefer", "granit" und "kalk", die von seinem Schwiegersohn Jean-Christophe Meillan künstlerisch illustriert wurden, bereicherte er in einer Lesung die Vernissage mit Titeln wie "Liebesbriefe", "Bruchstellen" und "Metamorphose". Auch die musikalische Umrahmung trug dem Leitgedanken Rechnung. Sabrina Graßmann und Jürgen Zach unterhielten mit Liedern, die auch zum Nachdenken anregten. "Weil baut muas wearn" und "Nachts im Wald", zwei Texte des Schriftstellers Brandl, hat Jürgen Zach gekonnt vertont und damit den Titel der Ausstellung auch musikalisch nachempfunden.
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