Tisch für Flüchtlinge gedeckt

Bürgermeister Martin Birner (links) sieht es als seine Aufgabe an, Vorbehalte gegenüber Asylbewerbern abzubauen. Seine Vorarbeit wusste gestern auch Carmen Boßle (rechts) zu schätzen, die sich hier zusammen mit (von links) Unterkunftsleiter Max Schmid, stellvertretendem Ordnungsamtsleiter Werner Schneeberger und Caritas-Geschäftsführer Wolfgang Reiner ein "Musterzimmer" anschaut. Bild: Bugl
Lokales
Neunburg vorm Wald
25.03.2015
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An der Tür zu Gemeinschaftsküche klebt ein Schild ohne Buchstaben. Kochtopf, Messer und Gabel sind darauf abgebildet. Nicht mehr lange, dann werden sich hier, in der Asylbewerber-Unterkunft, die Aromen aus vielen verschiedenen Ländern mischen.

Fein säuberlich beschriftet hängen die Schlüssel für die Zimmer in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber am großen Brett. Die Zimmer für maximal 150 Personen sind voll möbliert, die Briefkästen für die drei großen Gebäude auf dem Areal der früheren Pfalzgraf-Johann-Kaserne längst installiert. Jetzt fehlen nur noch die Namensschilder. Denn wer hier einzieht, steht erst in letzter Minute fest.

"Asylbewerber rufen nicht vorher an, um mitzuteilen, dass sie sich auf den Weg machen", verdeutlicht Carmen Boßle von der Regierung der Oberpfalz die kurzfristigen Entscheidungen, die ihr Sachgebiet "Flüchtlingsbetreuung und Integration" mit sich bringt. Beim Pressegespräch sind Vertreter der Stadt Neunburg, Mitarbeiter der Gemeinschaftsunterkunft und Caritas-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Reiner trotzdem zuversichtlich, dass einem guten Empfang der ersten Asylbewerber am 7. April nichts im Wege steht.

Inklusive Waschmaschine

"Alles ist komplett möbliert, sogar mit Waschmaschine", bestätigt Regierungsmitarbeiter Franz Brunner in seiner Funktion als "Hebamme" für das Projekt. "Sportverein, Kirchen und Interessensgruppen sind dabei", kommt die Meldung von Bürgermeister Martin Birner, "das Hilfspaket, das Neunburg bietet, steht parat". "Die Feuerlöscher werden gerade geliefert, nur die Vorhänge sind noch beim Nähen, aber bis zur Ankunft der ersten Asylbewerber werden sie wahrscheinlich schon hängen", verkündet Unterkunftsleiter Max Schmid und führt die Delegation durch die Räume.

Im "Musterzimmer" ist die Bettwäsche schon ausgebreitet. Auf dem Tisch stehen Kochtöpfe, Pfannen, Teller, Tassen und Besteck. "Jeder bekommt eine Tasche mit Grundausrüstung", erklärt der Unterkunftsleiter, der seit 25 Jahren mit Menschen aus allen Ländern der Erde zu tun hat. "Alles ist neu, nur die Möbel im Büro sind gebraucht", erklärt er stolz und gestattet einen Blick in den noch leeren Kühlschrank, mit dem jedes Zimmer ausgestattet ist. Die Brandschutzverordnung ist schon mal in arabischer und kyrillischer Schrift ausgedruckt. "Aber wir haben sie auch in 180 Sprachen übersetzt", berichtet Brunner.

"Das Soziale Netzwerk steht bereits in den Startlöchern", sagt der Bürgermeister und verspricht für den nächsten Besuch einen Plan mit allen Angeboten und Treffpunkten der Vereine. Als Novum in der Diözese steht den Asylbewerbern in der Gemeinschaftsunterkunft auf dem Plattenberg auch eine Vollzeitkraft der Caritas für Asyl-Sozialberatung zur Verfügung. "Sie wird vor allem juristische Dinge klären und an weitere Institutionen vermitteln", informiert Caritas-Geschäftsführer Reiner und gibt zu bedenken, das nun auch die Koordination des ehrenamtlichen Engagements entscheidend ist - "sonst läuft alles aus dem Ruder".

Sprechstunde vor Ort

"Die Neuankömmlinge brauchen erst mal Zeit zum Eingewöhnen und für die Formalitäten", bremst auch Schmid, "alles Lebensnotwendige finden sie schon vor". Solange brauchen auch die Betreuer, um abzuklären, ob beispielsweise ein Spielplatz sinnvoll ist. Ein großes Beratungszimmer haben sie schon mal eingeplant, denn auch Ausländerbehörde und Sozialamt wollen Mitarbeiter zu einer Sprechstunde entsenden. Platz gibt es jedenfalls genug. "Da hat die Kasernen-Schließung doch etwas Positives bewirkt", sinniert Ordnungsamtsleiter Peter Gillitzer.
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