Turbinen nicht Wasser abgraben

Die Kraftwerksbetreiber Christine und Dr. Theodor Nees (von links) und Fritz Weig (rechts) schilderten MdB Karl Holmeier ihr Anliegen. Unterstützung kam von Dr. Wolfgang Holzner (Mitte). Bild: Mardanow
Lokales
Neunburg vorm Wald
27.11.2014
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Seit fast 100 Jahren wandeln Kraftwerke im Murnthal die Energie der Schwarzach in Strom um. Eine geplante Erhöhung der ungenutzten Wassermenge könnte den Anlagen aber nun den "Saft" abdrehen.

Jetzt hörte sich Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier (CSU) die Sorgen der örtlichen Kraftwerksbetreiber an. Wie im Gespräch mit Dr. Theodor und Christine Nees, Bernhard Ring und Fritz Weig zu hören war, plane das Wasserwirtschaftsamt Weiden, die Durchflussmenge des sogenannten Restwassers zu erhöhen. Dieses wird nicht zur Stromerzeugung verwendet und soll vor allem die ökologischen Funktionen des Gewässers, insbesondere als Lebensraum für Fische und andere Lebewesen im Wasser sicherstellen.

Restwasser verdreifachen

Die Behörde stufe den Zustand der Schwarzach als "schlecht" ein. Zur Verbesserung und Aufwertung der Gewässer- und Fischökologie werde angestrebt, die Restwassermenge fast zu verdreifachen - auf 700 Liter pro Sekunde anstelle der bisherigen 250 Liter. Wasser, das in den Turbinen dann fehlen würde. Davon betroffen wären nicht nur die neun Kraftwerke zwischen dem Eixendorfer Stausee und Neunburg, sondern sämtliche Anlagen bis zur Mündung der Schwarzach in die Naab.

Die Kraftwerksbetreiber befürchten, dass ihnen der neue Durchfluss wirtschaftliche Schäden anspült. "Für uns wäre das vernichtend", gab Dr. Nees zu verstehen. Bei einer Restwassermenge von künftig 700 Liter pro Sekunde würden seine Maschinen an nahezu 150 Tagen im Jahr stillstehen: "Wir müssten dann sogar selber fremden Strom beziehen."

Unterstützung für die Anliegen der Kraftwerksbesitzer kommt von dem Biologen Dr. Manfred Holzner. Er meint, dass eine Änderung des Gewässerzustandes nicht von der Wassermenge abhängig ist - "nur durch das Hochdrehen wird es keine Verbesserungen geben". Er verwies darauf, dass durch den Betrieb der Talsperre Eixendorf im Tiefwasser der Schwarzach im Sommer relativ niedrige Temperaturen herrschten, dagegen sei der Fluss im Winter zu warm.

Ökologische Ziele prüfen

"Die Schwarzach war früher für ihren Eisstoß bekannt, das gibt es heutzutage gar nicht mehr." Die - je nach Jahreszeit - zu warmen oder zu kalten Temperaturen hätten negativen Einfluss auf das Laichverhalten der Fische. Dr. Holzner plädierte dafür zu prüfen, ob die ökologischen Ziele des Stausees überhaupt noch stimmen.

MdB Karl Holmeier signalisierte, einen gemeinsamen Gesprächstermin mit Kraftwerksbetreibern und Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes anstrengen zu wollen. "Vielleicht lassen sich ja Möglichkeiten für einen Kompromiss aushandeln." Er betonte den Stellenwert der Wasserkraft als "wichtigen Faktor für die Energiewende, der noch an Bedeutung zunehmen wird". In Bayern werde auf die Wasserkraft gesetzt, diese Ansicht sei auch in den Verhandlungen zum Erneuerbare-Energien-Gesetz vertreten worden.
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