Über Musik in die rechte Szene

Schulleiterin Irene Träxler (links), Sozialpädagoge Alexander Mauritz und Christine Schießl (von rechts), Organisatorin des Abends, begrüßten Referent Peter Ohlendorf. Bild: weu
Lokales
Neunburg vorm Wald
09.05.2015
3
0

Der Film "Blut muss fließen" basiert auf einer mehrjährigen verdeckten Recherche des Journalisten Thomas Kuban auf Nazi-Konzerten, und stellt die extreme Gewaltbereitschaft und Volksverhetzung dar. Die Inhalte erschütterten an der Mittelschule Schüler, Eltern und Lehrer.

Hochbrisant ist das Material, das Thomas Kuban zusammengetragen hat, einzigartig in Europa und wahrscheinlich sogar weltweit. Darauf wies Rektorin Irene Träxler in der Turnhalle hin. Ihr Gruß galt besonders dem Autor Peter Ohlendorf, der Thomas Kuban auf seiner hochriskanten Reise mit der Kamera begleitet hat und für Fragen zur Verfügung stand. 15 Jahre lang hat Kuban recherchiert, davon 9 Jahre lang verdeckt.

Schüler zeigen Interesse

Nach dem Film fand mit Peter Ohlendorf eine Diskussion mit vielen Fragen statt. Rektorin Irene Träxler bedankte sich besonders bei Förderlehrerin Christine Schießl für die Organisation der Veranstaltung. Bei zwei Vorstellungen tags darauf zeigten die Schüler großes Interesse.

Der Film beginnt mit Auszügen aus dem nationalsozialistischen Deutschland um 1945 und beleuchtet das Oktoberfest-Attentat von München. Der Täter hatte Kontakt zur neonazistischen Szene, die ihre Strukturen immer weiter ausbaut. 2003 beginnt Kuban mit versteckter Kamera Szenen von Partys und Konzerten aufzunehmen. Man hört das Gegröle der Menschen, die mit Glatzkopf und T-Shirts mit eindeutigen Aufdrucken (Division 28, 88) in übelster Weise rassistisch geprägte Texte singen, in denen Juden, Türken und andere Gruppen beleidigt werden. 2007 nimmt Kuban an der Vorstellung des Bundesverfassungsschutzberichtes teil. Darin ist die Rede von der alarmierenden Entwicklung der Skinheads, der entschieden entgegengetreten werden muss.

Erschreckende Situation

Der Film zeigt jedoch, dass die Polizei bei den Konzerten keinen Handlungsbedarf sieht. Reichlich Alkohol verstärkt das neonazistische Gemeinschaftsgefühl bei diesen Konzerten, deren Bands Namen wie "Werwolf", "Kristallnacht", oder "Freikorps" tragen. Erschreckend wird die Situation in Ostdeutschland dargestellt. "Häufig sind Neonazis die einzigen Spaßmacher in der Region", heißt es, weil der Sparzwang der Politik alles andere ausgelöscht hat. So werde "Rechtsrock" mit menschenverachtenden Texten als normale Rockmusik angesehen.

40 Konzerte hat Kuban gefilmt, auch in Österreich, der Schweiz und Ungarn. Obwohl diese Konzerte eindeutig Rassismus verbreiten, gehe die Polizei nicht streng genug dagegen vor. Die Musik sei die "Einstiegsdroge Nummer eins" für Rassismus. Der Film, der bereits in Fernsehmagazinen thematisiert wurde, will politische Aufklärung leisten und die Gesellschaft in Verantwortung nehmen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mittelschule (11033)Mai 2015 (7904)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.