Waldinventur: Laubholz gewinnt auch im Landkreis immer mehr an Boden
Mischwälder trotzen Klimawandel

Auch im Privatwald werden zunehmend stabile Mischwälder begründet. Waldbesitzer Martin Ruider aus Schwarzhofen (Mitte) setzt dabei auf Eichen und Buchen. Zusammen mit Forstdirektor Wolfhard-Rüdiger Wicht (rechts) und Förster Fritz Reichert wird vor Ort die weitere Pflege der Laubholzkultur besprochen. Bild: hfz
Lokales
Neunburg vorm Wald
03.11.2014
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Die Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur zeigen, dass Bayerns Wälder immer artenreicher werden. "Auch in den Privatwäldern im Landkreis Schwandorf werden immer mehr stabile Mischwälder begründet", kommentiert Forstdirektor Wolfhard-Rüdiger Wicht diese Resultate. Damit könne den Folgen des Klimawandels frühzeitig erfolgreich begegnet werden.

Bei der Inventur wurde deutlich, dass das Laubholz in den Wäldern im Freistaat weiter an Boden gewonnen hat: Sein Anteil stieg in den vergangenen 40 Jahren von 22 auf jetzt 36 Prozent. Gleichzeitig ist auch der Anteil der alten und dicken Bäume sowie des Totholzes weiter angewachsen.

Diese positive Entwicklung in Richtung gemischter, naturnaher Waldbestände lässt sich nach Angaben des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten auch für den Landkreis bestätigen. "Allein in den vergangenen fünf Jahren hat der private und kommunale Waldbesitz auf über 500 Hektar neue Mischwälder begründet", so Forstdirektor Wicht. Hinzu komme der Waldumbau im Staatswald mit einem vergleichbaren Flächenumfang.

Mischwälder seien ökologisch hochwertiger als reine Nadelholzbestände und vor allem gegen die Folgen des Klimawandels besser gewappnet. Reine Kiefern- und Fichtenbestände, wie sie hier häufig vorkommen, müssten dagegen als zunehmend kritisch angesehen werden. Fichten hätten - anders als Laubholz und die Mischbaum-Art Tanne - ein flaches Wurzelsystem und seien daher einem steigenden Windwurfrisiko ausgesetzt. Denn die Klimadaten zeigen: Große Sturmereignisse werden immer häufiger. Zudem seien Flachwurzler stärkerem Trockenstress durch Wassermangel ausgesetzt. Eine weitere Folge des Klimawandels werden steigende Temperaturen insbesondere im Winter sein. Das bedeutet, dass Nassschnee häufiger wird. Und ausgerechnet die im Landkreis häufigste Baumart Kiefer gilt als besonders Schneebruch gefährdet. "Wir müssen daher weg von Nadelholz-Reinbeständen", lautet das Fazit von Forstdirektor Wicht. "Waldbesitzer sollten das Risiko streuen, indem sie mehrere und weniger gefährdete Baumarten am Waldaufbau beteiligen".

Zwei Lösungswege

Grundsätzlich gebe es hierbei zwei Wege: Der elegantere und kostengünstigere sei die Umwandlung von reinen Nadelholzbeständen in Mischwälder im Zuge der natürlichen Verjüngung. Das setze aber voraus, dass entsprechende Samenbäume im Waldbestand vorhanden sind. Ist dies nicht der Fall, bleibe nur der Weg über die Pflanzung - und in selteneren Fällen auch über die Saat.

Nach den Erhebungen des Amtes müssten im Privatwald etwa 4000 Hektar der Fichten- und Kiefernbestände - insbesondere auf Grenzstandorten - mit Laubholz und Tanne gemischt werden. Der Waldumbau im Privatwald wird durch den Freistaat auch finanziell gefördert. Private Waldbesitzer können auf Antrag bis zu 7000 Euro pro Hektar Mischwaldbegründung erhalten.
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