Warten auf den ersten Schwung

Die Zimmer in der Pfalzgrafenstraße 4, 6 und 8 stehen bereit. Schon in den nächsten Tagen könnte der erste Schwung Asylsuchender hier einziehen. Bild: Bugl
Lokales
Neunburg vorm Wald
08.03.2015
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Der Mietvertrag ist unterzeichnet, ein ganzes Team an Vollzeit-Helfern steht parat. In wenigen Tagen wird vor der ehemaligen Pfalzgrafen-Kaserne die Schranke endgültig fallen: Asylsuchende können vorläufig dort Frieden finden, wo es früher um den Dienst an der Waffe ging.

Vier bis sechs Wochen haben die Asylbewerber in Deutschland schon hinter sich, wenn sie in Neunburg ihr neues vorläufiges Domizil beziehen. "Vielleicht schon diese Woche" könnte laut Joseph Karl, Pressesprecher bei der Regierung der Oberpfalz, der erste Schwung an Flüchtlingen in der Pfalzgrafenstadt eintreffen.

Mit Stichtag 1. März hat die Regierung der Oberpfalz drei Bauwerke auf dem Kasernenareal vor den Toren der Stadt angemietet, das inzwischen im Besitz der Firma Buchbinder ist. Das Unternehmen hat die Gebäude in der Pfalzgrafenstraße Nummer 4, 6 und 8 saniert. Jetzt sorgt die Regierung als Mieter dafür, dass die künftigen Bewohner auch die nötigsten Möbel vorfinden.

Was brauchen Menschen, die oft auf ihrer Flucht nicht einmal einen Koffer mitbringen konnten? "Das lässt sich jetzt noch nicht abschätzen", meint Pressesprecher Karl. Er geht davon aus, dass die Asylsuchenden mit Zielort Neunburg längst im Land sind. Etwa vier bis sechs Wochen dauert die Erstaufnahme in Zirndorf oder Regensburg, immerhin müssen zunächst die Personalien erfasst werden. Außerdem sind medizinische Untersuchungen nötig, für die Laborergebnisse abgewartet werden müssen.

Gezielt helfen

"Letztlich kann man mit fast allem helfen, aber es sollte koordiniert sein", gibt Karl zu bedenken. So gelte es beispielsweise abzuwarten, ob Kleiderspenden benötigt werden, ob vielleicht eine Sammlung für Schulhefte sinnvoll ist, eine gemeinsame Kochstunde oder die Übernahme einer Patenschaft für ein Kind. "Wir sind da völlig offen", so der Pressesprecher, der sich auch gut vorstellen kann, dass Sportvereine hier aktiv werden und Jugendliche in ihre Reihen integrieren, wenn erst mal Versicherungsfragen geklärt sind.

Damit die Neuankömmlinge nicht von der Welle der Hilfsbereitschaft überrollt werden, setzt man bei der Regierung mit Heimleiter Max Schmid, seinem Kollegen Franz Mühl, Hausmeister Reinhold Stangl und einem Sozialbetreuer der Caritas auf ein Team mit erfahrenen Ansprechpartnern, die auch unvorhersehbare Probleme in den Griff bekommen können. "Wir hatten zum Beispiel am Heiligen Abend den Fall, dass eine hochschwangere Frau von Regensburg nach München verlegt werden sollte", berichte der Regierungssprecher. Nach Lage der Dinge durfte sie dann aber bleiben - und prompt kam am ersten Weihnachtsfeiertag das Baby.

"Ganz ehrlich, wir haben in der Oberpfalz keine Probleme, die Hilfsbereitschaft ist unglaublich", berichtet Karl, "das könnte der Staat allein nie leisten". Vor allem die vielen Berichte im Fernsehen von den Gräueltaten in Syrien und im Irak hätten dazu beigetragen, meint er und fügt hinzu: "Die große Masse ist wirklich verfolgt an Leib und Leben, da gab es nur die Wahl zwischen Flucht oder Tod." Im Vorjahr kam das Gros der Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und der Ukraine, doch das könne sich schnell ändern. "Wenn die Polizei in der Nacht einen Schleuser stellt, dann treffen vielleicht plötzlich 66 neue Leute ein", plaudert Karl aus dem Nähkästchen.

Prognostiziert seien für die Oberpfalz in diesem Jahr 2000 Flüchtlinge. Bis zu 148 könnten in Neunburg untergebracht werden, doch selten wird diese Kapazität ganz ausgereizt. "Wenn eine dreiköpfige Familie ein Zimmer belegt, dann steckt man nicht unbedingt noch eine vierte Person in den Raum mit zwei Stockbetten." Auch gelte es, Rücksicht zu nehmen auf Religionszugehörigkeit und Nationalität. "Ein Russe und ein Ukrainer im gleichen Haus, das geht schlecht." Auch Sunniten und Schiiten würden schlecht zusammenpassen.

Vielleicht ein Fahrrad

Die Neunburger Unterkunft gehört für Karl auf jeden Fall zu den größten in der Oberpfalz. Das habe aber auch den Vorteil, dass die Asylsuchenden immer Ansprechpartner vor Ort haben, an die sie sich wenden können. Und die Lage außerhalb der Stadt ist nach Ansicht des Pressesprechers auch kein allzu großes Problem. Wer will, könne sich ja schon mal Gedanken über einen Fahrdienst machen - oder im Keller nachschauen, ob da vielleicht noch ein überflüssiges Fahrrad steht.
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