Weithin sichtbare Visitenkarte

Fünf der Wappensteine zeigt das Heimatmuseum in seiner Abteilung "Stadtgeschichte". Zusätzlich sind ein Krag- und ein Schlussstein (oben, Mitte) des früheren gotischen Spitzbogengewölbes ausgestellt. Bild: drr
Lokales
Neunburg vorm Wald
21.02.2015
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Der Wartturm des Pfalzgrafenschlosses ist ein markantes Wahrzeichen der Stadtsilhouette. Seine vier Erkertürmchen waren einst mit Wappensteinen verziert. Sie zeigten auf den ersten Blick, welcher Burgherr hier zu Hause war.

Das hoch über der Stadt auf einem Felssporn erbaute "Alte Schloss" ist zusammen mit dem Wartturm und dem markanten Turm der Stadtpfarrkirche zum Wahrzeichen der ehemaligen Kreisstadt geworden. Die heute noch erhaltene weitläufige Burganlage entstand zu Beginn des 15. Jahrhunderts. In den Jahren 1400 bis 1410 wurde die bereits bestehende Burg gänzlich umgebaut und vergrößert.

Der Umbau dürfte wohl dadurch bedingt gewesen sein, dass seit 1354 die Wittelsbacher Herzöge in Neunburg residierten und für sie ein standesgemäßer Wohn- und Wehrtrakt geschaffen werden sollte.1383 wurde Johann von Wittelsbach noch im Vorgängerbau des heutigen Schlosses als Sohn des rheinischen Kurfürsten Rupprecht III. geboren. Später wurde Neunburg zur Lieblingsresidenz des Pfalzgrafen Johann.

Auffälliger Bauteil

Der sicherlich auffälligste Bauteil der Burganlage ist auch heute noch der imposante Wartturm an der Westspitze. Dabei handelt es sich um einen spätgotischen Bau, der außen mit Granitquadern verblendet ist. Das Obergeschoss sitzt auf einfachen Kragsteinen und ist mit vier Erkertürmchen bewehrt, die früher mit aus Sandstein (aus dem Steinbruch Erzhäuser) gehauenen Wappenschilden verziert waren. Fünf dieser Wappensteine sind erhalten. 1980 wurden sie bei Sanierungsarbeiten abgenommen und auf Empfehlung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege aus konservatorischen Gründen dem Bestand des Schwarzachtaler Heimatmuseums zugeführt.

Mehrfache Funktion

Die als Relief aus dem Stein herausgearbeiteten Wappenbilder waren aber keineswegs bloßer Zierrat, sondern sie hatten im Hinblick auf die Burgherren eine gleich mehrfache Funktion. Die früher wohl farbig gefassten und somit weithin sichtbaren Wappenbilder zeigten dem wappenkundigen Menschen des späten Mittelalters das hier herrschende Geschlecht der Wittelsbacher und die Bedeutung ihrer Residenz in Neunburg an.

Zudem verwiesen sie auf die Herkunft dieses Adelsgeschlechts und dokumentierten den europäischen Rang der pfälzischen Wittelsbacher, denen 1329 im "Hausvertrag von Pavia" Neunburg und weite Teile der Oberpfalz zugesprochen wurden. Im einzelnen zeigen die spätgotischen Wappenschilde: den Reichsadler (Symbol für Kurfürst und König Rupprecht III./I.); den pfälzischen Löwen (Wappentier der pfälzischen Wittelsbacher und Pfalzgrafen bei Rhein); das Wappen von Sizilien-Aragon (Wappen von Beatrix, der Großmutter des Pfalzgrafen Johann); den Bundschuh (Wappen Ekkehards I. Graf von Scheyern, einer der Ahnherrn der Wittelsbacher, auch "Herzog Bundschuh" genannt).

Und schließlich einen Helm mit Büffelhörnern als Symbol für das Rittertum und Bestandteil der sogenannten "Helmzier" des Wittelsbacher Familienwappens. Erst seit dem vergangenen Frühjahr sind die fünf Wappensteine wieder im Museum vereint. Die drei Steine mit dem Reichsadler, dem Pfälzer Löwen und dem Wappen von Sizilien-Aragon waren an die Ausstellung "Die Wittelsbacher am Rhein" in Mannheim ausgeliehen. Künftig werden sie in der Unterabteilung "Neunburg als Wittelsbacher Residenz" den Auftakt zum Raum "Stadtgeschichte" bilden, der beim Internationalen Museumstag am 17. Mai eröffnet werden soll.

Komplettiert wird diese Sammlung durch einen Krag- und einem Schluss-Stein des ehemaligen gotischen Spitzbogengewölbes. Ersterer ist verziert mit dem Relief eines Löwen, letzterer mit dem einer Rose.
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