Weltkrieg in Literatur und Kunst

Peter Pauly, Peter Wunder, Karl Stumpfi, Burga Männer und Hans Fischer (von links) gaben dem literarischen Abend zum Ersten Weltkrieg den Titel "In Stahlgewittern". Bild: rid
Lokales
Neunburg vorm Wald
16.10.2014
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Man stelle sich vor, Erzherzog Franz Ferdinand hätte am 28. Juni 1914 nach dem ersten, missglückten Attentatsversuch gesagt "I bin doch ned deppat, I fohr wieder z'haus" und wäre sofort aus Sarajevo abgereist.

Vieles hätte anders kommen können: Der österreichische Thronfolger und seine Frau hätten überlebt, es hätte keinen Ersten und damit auch keinen Zweiten Weltkrieg gegeben, Deutschland wäre zur Supermacht aufgestiegen und Hitler als unbekannter Postkartenmaler irgendwann seinem Delirium erlegen. Somit wären der Menschheit auch Stalingrad und Auschwitz erspart geblieben.

Apokalypse mit Komet

Gefahr konnte der idyllischen Utopie eines friedlichen Europas, wie es der Autor Hannes Stein in seiner Geschichtsfantasie "Der Komet" beschreibt, nur von außen drohen. Und in der Tat nähert sich aus dem All ein gewaltiger Komet, der in der Nähe von Wien einschlägt und der Menschheit eine andere Art der Apokalypse beschert.

Bekanntlich ist aber die Geschichte anders verlaufen. Der Kunstverein "Unverdorben", das Schwarzachtaler Heimatmuseum und das Kuratorium der Stadt- und Pfarrbücherei nahmen sich des Themas an und betrachteten die Ereignisse rund um den Ersten Weltkrieg aus der Sicht der Schriftsteller und bildenden Künstler. "In Stahlgewittern" nannten die Lektoren Burga Männer, Hans Fischer, Karl Stumpfi, Peter Pauly und Peter Wunder ihren multimedialen Vortrag am Montagabend vor aufmerksamem Publikum im Sporrer-Saal.

Sie lasen aus Werken bekannter Autoren, die die Situation vor Ausbruch des Krieges, die Bündnispolitik der Weltmächte, die Kriegserklärungen und die Grausamkeiten des Krieges eindrucksvoll darstellen. Fotos und Gemälde an der Leinwand veranschaulichten das Elend in den Schützengräben. Schriftstellerin Lena Christ schreibt über den Kriegsbeginn in Bayern, und Herbert Grimm schildert in seinem pazifistischen Werk "Schlump" die Unmenschlichkeit des Krieges aus dem Blickwinkel eines Soldaten.

Schreckliche Ereignisse

Auch Carl Zuckmayer erinnert sich in seiner Autobiografie "Als wär's ein Stück von mir" an die schrecklichen Ereignisse im Feld. Karl Stumpfi widmete sich einem bislang unbekannten Kriegstagebuch des Artillerieleutnants Georg Becher, der aus Regensburg stammte. Entstellte Gesichter, verkrüppelte Körper und seelische Not blieben zurück. Schwermütig und aufwühlend erklang zu den Bildern das "Adagio" aus dem Streichquintett von Franz Schubert.

Die Themenwoche zum Ersten Weltkrieg endet heute um 19 Uhr im Pfarrheim mit szenischen Darstellungen aus dem Buch "Die letzten Tage der Menschheit" des österreichischen Satirikers Karl Kraus.
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