Wenn der Krieg die Feder führt

Ausgewählte Szenen aus "Die letzten Tage der Menschheit" des österreichischen Satirikers Karl Kraus stehen am Freitag, 17. Oktober, im Mittelpunkt einer Lesung. Bild: Veranstalter
Lokales
Neunburg vorm Wald
08.10.2014
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Die erschreckenden Gemälde von Otto Dix oder Carl Zuckmayers Erlebnisse im Feld: In Literatur und Kunst hat der Erste Weltkrieg vielfältige Spuren hinterlassen. Texte und Bilder aus dieser Zeit rückt eine Themenwoche im Neunburger Kunstherbst in den Mittelpunkt.

100 Jahre nach dem Ausbruch der "Urkatastrophe" befasst sich die Veranstaltungsreihe mit den Auswirkungen auf Kunst und Literatur. Die Konzeption der Themenwoche erarbeitete der Kunstverein "Unverdorben" gemeinsam mit dem Schwarzachtaler Heimatmuseum und dem Kuratorium der Stadt- und Pfarrbücherei.

Krieg in Lyrik und Prosa

Der Erste Weltkrieg und die Kunst stehen im Fokus der Veranstaltung "In Stahlgewittern". Der multimedial gestaltete Abend beginnt am Montag, 13. Oktober, um 20 Uhr im Gasthof Sporrer. Wie in einem Kaleidoskop werden Prosa- und Lyriktexte bekannter Autoren wie Lena Christ, Virginia Cowles, Herbert Grimm, Carl Zuckmayer, Hannes Stein, Bert Brecht, Peter Huchel und Walter Flex präsentiert; aber auch private Aufzeichnungen wie die Tagebucheinträge von Georg Becher. Als Lektoren treten Karl Stumpfi, Peter Pauly, Burga Männer und Hans Fischer auf. Die Organisatoren wollen dabei keine Gesamtschau, keinen historischen Abriss liefern. Vielmehr stehen die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist und Erfahrungen als Soldat oder Offizier im Mittelpunkt. Illustriert werden die Texte mit Bildern von Otto Dix, Max Beckmann, August Macke, Ernst Ludwig Kirchner und Felix Nussbaum.

Neue Bücher zum Thema "Erster Weltkrieg" werden am Mittwoch, 15. Oktober, ab 18 Uhr in der Stadt- und Pfarrbücherei besprochen. Damit verbunden ist eine Vorschau auf die nächste Lesung: Am Freitag, 17. Oktober, werden um 19 Uhr im Pfarrsaal Sankt Georg ausgewählte Szenen aus "Die letzten Tage der Menschheit" des österreichischen Satirikers Karl Kraus dargebracht. Laut Kunstherbst-Organisator Karl Stumpfi zählt diese Tragödie zu den "wichtigsten literarischen Reaktionen auf den Ersten Weltkrieg". Mehr als ein Drittel des Textes hat der Dichter aus Zeitungsmeldungen, militärischen Tagesbefehlen, Verordnungen, Gerichtsurteilen, Anzeigentexte und Gedichten zusammengetragen. Das verleihe dem Werk "eine große Authentizität". Die Handlung beginnt mit dem Attentat von Sarajewo am 28. Juni 1914 und endet mit dem Untergang der Welt.

Mit Soldatenliedern

Dem Publikum wird "Die letzten Tage der Menschheit" in einer rund einstündigen Theaterfassung mit ausgewählten Szenen des Vorspiels und der Akte 1 bis 3 dargeboten. Rezitatoren sind Diakon Ulrich Wabra ("Der Nörgler"), Wolfgang Süß ("Der Optimist") sowie Wolfgang Huber von der Chorphilharmonie Regensburg ("Der Patriot", "Kaiser Wilhelm" u. a.) und Karl Stumpfi ("Der Zeitungsausrufer", Erzähler). Als Gesangssolist wird Jürgen Zach die Textpassagen mit Soldatenliedern und Gitarrenbegleitung umrahmen.

Beide Lesungen finden für einen guten Zweck statt. Der Eintritt ist zwar frei, doch wird um Spenden für den Bau der neuen Orgel in der Stadtpfarrkirche gebeten. Bei einem Pressegespräch freute sich jüngst Pfarrer Stefan Wagner, dass der Orgelbauverein mit ins Boot geholt wurde. Dies sei eine gute Möglichkeit, das Orgelprojekt im Bewusstsein der Bevölkerung zu halten.
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