Zu lustig für Protest-Lieder

"Neunburg ich bin wieder da!" Mit seinem Programm "Ausfahrt freihalten" begeisterte Michl Müller am Samstagabend 820 Fans in der seit Wochen ausverkauften Schwarzachtalhalle. Bild: Portner
Lokales
Neunburg vorm Wald
22.11.2015
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Der "Dreggsagg"-Kabarettist aus Franken lässt selbst Terror und Flüchtlingskrise nicht aus. Nur seine neuen Protest-Lieder wollen nicht gelingen: "Weil ich einfach zu lustig bin!" Und da ist noch Tom-Tom aus Mali, der mit Michl Müllers T-Shirt aus der Altkleidersammlung einen Asylantrag stellt.

Party mit Michl Müller. Das ist Lachen, Klatschen, Mitsingen. 820 Fans strömten am Samstag in die ausverkaufte Schwarzachtalhalle, vor der sich schon eineinhalb Stunden vor Beginn eine lange Schlange gebildet hatte. Ganz vorne in der Reihe eine Gruppe aus Bad Abbach, die Michls Mimik und Gestik aus der Nähe miterleben will. Sie werden nicht enttäuscht. Denn wie der Unterfranke "Merkels Angela und ihr Personal" im Sekundenwechsel parodiert, ist einfach große Klasse.

Skandale und "Derror"

"Neunburg ich bin wieder da!", ruft Michl Müller und springt auf die Bühne mit dem gelben Schild "Ausfahrt freihalten". So heißt sein neues Programm - doch eigentlich ist es ein aktueller Nachrichtenrückblick mit Kurven durch teils bekannte Kalauer. "Das war eine Woche!", sagt er mit ernster Miene. Doch die Sorgenfalten auf der Stirn ziehen sogleich wieder die Mundwinkel quer. Auf fränkisch verliert eben auch der "Derror" seine Schrecken und so wird aus "IS" schnell mal "i ess". "Heuer an Halloween hat doch niemand mehr die Tür aufgemacht. Jeder hat gemeint das sind Flüchtlinge!", sagt der Michl und verweist auf gefühlte tausend "Brennpunkt-Sendungen" zur Flüchtlingsproblematik. Doch dann kam mit dem VW-Skandal endlich ein anderes Thema. Und da war auch noch der Beckenbauer, "der gestern wieder aufgetaucht ist" sowie die Geheimwaffe der Bundeswehr, das "Haubitzenröschen Ursula". Ein Lacher folgt dem anderen.

Zurück zum Programm. Michl probiert ein Protestlied gegen den Stau auf der Autobahn und das Publikum setzt kurz vor 9 Uhr beim Refrain "Hejo, hejo, kenn jede Hecke, jedes Klo" ein. Doch Pause ist erst eine halbe Stunde später mit dem Lied "Give ,biss' a Chance".

Körper macht nicht mit

Danach unterhält er sich mit seinen Freunden Holger, Frank und Angelo über "Laktoseintoleranz" und meint: "Wir selber werden immer toleranter, aber der Körper macht nicht mit!" Es geht weiter mit der Kindererziehung, dem Hausärzte-Notstand und über einer Grippe mit starken Schnupfen fällt ihm der Nachbarort "Rötz" ein, der für ein paar Vergleiche mit Neunburg herhalten muss.

Um 22.45 Uhr hat Michl Müller seinen Ausflug beendet und kehrt zum Eingangs-Thema zurück. Mit Flüchtling Tom-Tom aus Mali versteht er sich auf Anhieb, aber vielleicht liege das auch daran, dass dieser mit seinem T-Shirt aus der Altkleidersammlung angekommen ist. Die Integration in die fränkische Kultur mit Fasching, Federweißer und Fronleichnam jedenfalls klappe und Protest mache auf Dauer auch keinen Spaß.

Es ist kurz nach 23 Uhr. Doch Michl Müller singt noch fünf Zugaben, die "Best of". Da stehen alle auf und klatschen beim "Kloß mit Soß" und der "Fleischereifachverkäuferin" mit.

Die Party ist aus - doch der Kabarettist steht schon in der Eingangshalle, gibt Autogramme und lässt sich gut gelaunt mit seinen begeisterten Fans fotografieren.
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