Zu viele mit Bleifuß unterwegs

Zum ersten Mal kam das Geschwindigkeitsmessgerät ab 5. August in Dautersdorf zum Einsatz. Bürgermeister Walter Schauer war dabei, als die Bauhofmitarbeiter die Anlage installierten. Bild: Verwaltungsgemeinschaft
Lokales
Neunburg vorm Wald
18.11.2014
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Mit einem eigenen Messgerät analysieren die vier Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft den Straßenverkehr. Erste Daten zeigen, dass innerorts häufig zu schnell gefahren wird.

Bei einem Pressegespräch richtete Hans Graßl, Gemeinschaftsvorsitzender und Bürgermeister von Dieterskirchen, den Blick auf die "relativ verkehrsreichen Straßen" in den Gemeinden. "Wir möchten die Autofahrer sensibilisieren, innerorts Tempo 50 zu fahren", schilderte er das vordergründige Ziel.

Das von der Firma Data Collect (Kerpen) zum Preis von 2214 Euro erworbene Gerät biete "tolle Möglichkeiten". So wird sowohl bei der Einfahrt als auch bei der Ausfahrt in den Messbereich die Geschwindigkeit erfasst und mit einer LED-Anzeige dargestellt. Ein lachender oder ein trauriger Smiley zeigt den Autofahrern, ob sie sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten. Zusätzlich ist eine "versteckte Messung" ohne Tempo-Anzeige möglich, lässt sich der gesamte Verkehrsfluss erfassen.

Über 80 Prozent zu schnell

Seit August war das Messgerät insgesamt sieben Mal in den vier Gemeinden im Einsatz. Unter die Lupe genommen wurde das Fahrverhalten an innerorts verlaufenden Staats-, Kreis- und Gemeindestraßen. Die Ergebnisse waren "teils schon erschreckend", wie Bürgermeister Maximilian Beer (Schwarzhofen) zusammenfasste. Teilweise waren weit über 80 Prozent aller erfassten Autos zu schnell unterwegs (siehe Infokasten). So zeigte sich Bürgermeister Markus Dauch (Neukirchen-Balbini) "schon geschockt" von den Auswertungen in seiner Gemeinde.

Walter Schauer (Bürgermeister Thanstein) sah die Beschwerden der Anwohner durch die Messungen bestätigt - "dass die Übertretungen aber so deutlich sind, hat mich schon überrascht." Er vermutet, dass die meisten Temposünder Einheimische mit Ortskenntnis sind - "als Fremder fahre ich an Engstellen automatisch langsamer". Beer stellte heraus, dass bei einer "echten" Radarmessung durch die Polizei so mancher Führerschein gefährdet gewesen wäre. Die Bürgermeister begrüßten, dass das Gerät auch wichtige Zahlen im Hinblick auf künftige Ausbaumaßnahmen und Verkehrsschauen liefere.

Vereinzelte "Testfahrer"

In der VG-Geschäftsstelle kümmert sich Hauptamt-Mitarbeiter Matthias Rötzer um die Auswertung der Daten. Er meint, dass vereinzelte Spitzengeschwindigkeiten auch auf das Konto von Fahrern gehen, welche die Genauigkeit des Messverhaltens "testen" wollten.

Künftig wird das Messgerät im zweiwöchigen Rhythmus an verschiedenen Verkehrsadern im VG-Bereich aufgebaut, die Auswertungen sollen regelmäßig im Amtsblatt veröffentlicht werden. Sollte sich kein "Lerneffekt" bei den Autofahrern einstellen und die Appelle der Bürgermeister verpuffen, könnte demnächst die Obrigkeit die Raser ins Visier nehmen. "Die Polizei ist an unseren Daten interessiert", sagte Hans Graßl. Dann könnten die Tempomessungen sehr schnell amtlich werden und der Bleifuß so manchen Unbelehrbaren teuer zu stehen kommen.
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