Zwischen richtigem Schritt und Existenzgefahr - Ausführliche Debatte um Bebauungsplan
Meinungsbild bleibt geteilt

Lokales
Neunburg vorm Wald
22.05.2015
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Für die einen wird es "ein Einkaufszentrum mit Magnetfunktion", die anderen befürchten, dass "Geschäften vor Ort der Umsatz entzogen wird". Vor der deutlichen Entscheidung für den Bebauungsplan "Sondergebiet Pfalzgrafencenter" wurden im Stadtrat erneut lang und breit die Argumente ausgetauscht.

"Wir werden überwiegend zustimmen", hatte Fraktionssprecher Klaus Zeiser für die CSU angekündigt. Er sah in dem Beschluss eine "wichtige Weichenstellung und einen großen Schritt in die richtige Richtung" und war davon überzeugt, dass das Fachmarktzentrum der gesamtstädtischen Entwicklung gut tue. Es sei ihm aber bewusst, dass die Debatte auch nach dem Beschluss weitergehen werde, für manche sei das Thema mittlerweile zu einer regelrechten Glaubenssache geworden. "Es geht um die Entwicklung und die Existenz so mancher", kommentierte Dr. Richard Wagner (CSU) die Anzahl der privaten Einwände. Er habe die begründete Sorge, dass das geplante Einzelhandelsgroßprojekt mit Nachteilen für die Innenstadt behaftet sei. Eine Gesamtverkaufsfläche von über 4600 Quadratmetern werde sich negativ auf die dortigen Strukturen auswirken. Desweiteren sah er auf die Stadt Kosten für die nötige verkehrliche Erschließung zukommen. Er kündigte an, mit Nein zu stimmen.

"Der Bebauungsplan wirkt den Zielsetzungen für die Innenstadt eindeutig entgegen", betonte CSU-Stadtrat Dr. Christoph von Wenz. Er sah zu wenige Argumente, um an der Amberger Straße "ein Sondergebiet aufzublasen". Mit dem Fachmarktzentrum steige die Verkaufsfläche in Neunburg um fast 80 Prozent. Bei diesem "deutlichen Überangebot" seien weitere Leerstände vorprogrammiert. Er werde den Abwägungen ebenfalls seine Zustimmung verweigern.

Für die Mehrheit der FW-Fraktion kündigte Johann Eckl die Zustimmung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan an. "Wir wollen Neunburg endlich voranbringen, damit es nicht zum Dorf verkommt." Er plädierte dafür, das Pfalzgrafencenter "in Zukunft als unseren Marktplatz anzunehmen". Konträr dazu äußerte sich Martin Scharf, Fraktionssprecher der Freien Wähler: Auch ohne Pfalzgrafencenter könne sich das Einkaufsangebot in Neunburg schon jetzt sehen lassen. Wer behaupte, dass durch das Projekt positive Wirkungen auf die Innenstadt zu erwarten seien, verkenne die Realität.

"Neunburg kann sich keinen weiteren Dornröschenschlaf mehr leisten", erklärte Margot Weber das Ja der SPD-Fraktion. Das Vorhaben von Michael Winderl sei positiv für die ganze Stadt. Und es könne auch der Altstadt zugute kommen, "wenn die Geschäftsleute ihre Energie, die sie heute für die Verhinderungstaktik gegen das Pfalzgrafencenter aufbringen", in Impulse für die Innenstadt fließen ließen. "Gute Geschäfte werden auch nach Ansiedlung des Fachmarktzentrums fortbestehen", glaubte Zweite Bürgermeisterin Margit Reichl. Sie sei davon überzeugt, dass die Bürger das Fachmarktzentrum wollen.
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