Festsetzung von Überschwemmungsgebieten
Risiko einschätzen und vorsorgen

Blick in das umfangreiche Kartenwerk zur Festsetzung der Überschwemmungsgebiete: (von links) Kathrin Haas, Peter Hartl, Bürgermeister Martin Birner, Klaus Zeiser und Peter Fröhlich. Bild: Köppl
Politik
Neunburg vorm Wald
05.04.2016
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Das Wasserwirtschaftsamt Weiden hat das Überschwemmungsgebiet der Schwarzach im Kreisgebiet Schwandorf ermittelt und in Plänen dargestellt. Diese Karte zeigt den Überflutungsbereich von Schwarzhofen bei einem 100-jährigen Hochwasser.

Fischerdorf: Die Schreckensbilder des Jahrhunderthochwassers vom Juni 2013 sind noch in vielen Köpfen gegenwärtig. Die Schwarzach ist zwar nicht die Donau, aber die Hochwasserereignisse vergangener Jahre haben vielfach gezeigt, dass es wichtig ist, Risiken einzuschätzen und aktiv voranzugehen. Dazu ist es erforderlich, entsprechende Überschwemmungsgebiete festzusetzen.

Der wirksamste Weg, Hochwasserschäden zu vermeiden ist, im Zug der Vorsorge Schadenspotentiale in gefährdeten Bereichen gar nicht entstehen zu lassen. Das Bayerische Wassergesetz und das Wasserhaushaltsgesetz verpflichtet die Länder, zum Erhalt von natürlichen Rückhalteflächen und zur Regelung des Hochwasserabflusses, Überschwemmungsgebiete festzusetzen.

Es handelt sich dabei um die Ermittlung und Dokumentation der von Natur aus bestehenden Gefährdungslage. Die durch das Wasserwirtschaftsamt in Form von Lageplänen kartierten Ergebnisse werden dann an das Landratsamt weitergegeben. Die Kreisbehörde macht die erarbeiteten Überschwemmungsgebiete amtlich bekannt und damit rechtskräftig.

Noch vor der amtlichen Bekanntmachung waren am Montagabend Betroffene und Interessierte ins Gasthaus Sporrer zu einer Informationsversammlung mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes, des Landratsamtes Schwandorf und der beteiligten Kommunen eingeladen. Mit der vorläufigen Sicherung und der Festsetzung sind nämlich auch Einschränkungen verbunden, die kraft Gesetzes gelten. Beispielsweise im Bereich der Bauleitplanung bzw. Bebauung und auch in der Landwirtschaftlichen Bewirtschaftung.

Kommunen gemeinsam


Bürgermeister Martin Birner begrüßte neben dem Fachpersonal von Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt Bürgermeisterkollegen, Stadt- und Gemeinderäte, Mitarbeiter aus den Verwaltungen und betroffene Grundstücksbesitzer. Nach der Ermittlung der fundierten Daten sei es nun auch an der Zeit, so Birner, wirksame Hochwasserschutzmaßnahmen zu ergreifen. Er plädierte dafür, dass die Kommunen entsprechende Maßnahmen untereinander abstimmen, um eine möglichst breite Wirkung zu erzielen.

Peter Fröhlich vom Wasserwirtschaftsamt Weiden ging detailliert auf Hintergründe, rechtliche Grundlagen und das aufwendige Verfahren zur Festlegung der Überschwemmungsgebiete ein (siehe auch Info-Kasten). Orientiert habe man sich dabei am 100-jährlichen Hochwasser von 1909, wobei es sich nicht um eine durchgeführte oder veränderbare Planung handelt, sondern um die Dokumentation der von Natur aus bestehenden Gefährdungslage. Die Schwarzach wurde laut Fröhlich über 941 Flussprofile samt Brücken, Wehranlagen usw. detailliert vermessen. Hinzu kamen Befliegungen mit Orthophotos, in die schließlich auch die Gebäude und die Nutzungen eingearbeitet wurden. Geländekanten, Fließrichtungen, Fließgeschwindigkeiten und die Erfassung der Zuflüsse zur Schwarzach ergeben somit eine fast zentimetergenau Kartierung. Auf der kann jeder Grundstücksbesitzer sehen, ob er betroffen ist und durch eine Flutwelle-Animation kann er sogar nachvollziehen, wie lang sein Grundstück bei einem entsprechenden Hochwasserereignis unter Wasser steht.

Schadloser Abfluss


Kathrin Haas vom Landratsamt ging kurz auf den Verfahrensablauf ein, mit dem die ermittelten Unterlagen der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden und die nach den öffentlichen Auslegungen Rechtskraft erhalten. "Das Hochwasser soll sich ausbreiten und möglichst schadlos abfließen können", so die Referentin. Deshalb seien manche Tätigkeiten im Überschwemmungsgebiet verboten wie etwa die Ausweisung oder die Erweiterung von Bebauungsgebieten. Für Ausnahmen gelten hohe Hürden. Keine Probleme gebe es, wenn beispielsweise ein bestehendes Haus aufgestockt wird. Grundsätzlich ist aus Gründen der Erosionsgefahr der Grünlandumbruch nicht erlaubt, wobei es hier durchaus Ausnahmen gibt. Verschärfte Konditionen greifen laut Haas auch für das Aufstellen von Heizöltanks und den Umgang mit wassergefährdenden Stoffen. Für Details steht das Landratsamt gern zur Verfügung.

Statistisch einmal in 100 JahrenDie Schwarzach ist ein sogenanntes Gewässer I. Ordnung mit einer Länge von 44,5 Kilometern von der Mündung in die Naab bis zum Stausee Eixendorf (Amtsbezirk Wasserwirtschaftsamt Weiden). In diesem Abschnitt gibt es den Pegel Eixendorf-Speicherabfluss mit einem Einzugsgebiet von 417 Quadratkilometern und einem mittleren Abfluss (MQ) von 4,9 Kubikmeter pro Sekunde. Der zweite Pegel ist in Warnbach (Gemeinde Schwarzach) mit einem Einzugsgebiet von 822 Quadratkilometern und einem MQ von 8,6 Kubikmeter pro Sekunde. Durch den Bau der Talsperre Eixendorf, die in erster Linie der Wasserregulierung dient, gibt es allerdings nur "schwache" statistische Grundlagen. Große Hochwasserereignisse an der Schwarzach lassen sich daher eher am Pegel Warnbach ablesen. So zum Beispiel das Hochwasser im Dezember 1993 mit einem Abfluss von 87 Kubikmetern pro Sekunde, was als 20-jähriges Hochwasser (HQ20) eingestuft wurde. Ebenfalls HQ20 war das Hochwasser im Januar 1995 mit 86 Kubikmeter in der Sekunde. Im Januar 2011 flossen durch den Pegel Warnbach 110 Kubikmeter pro Sekunde, was einem HQ80 entspricht. In den vom Wasserwirtschaftsamt Weiden ermittelten Plänen sind die Überschwemmungsgebiete auf der Grundlage eines Hochwasserereignisses, das statistisch einmal in 100 Jahren auftritt, für folgende Kommunen kartiert: Neunburg vorm Wald, Thanstein, Dieterskirchen, Schwarzhofen, Altendorf, Schwarzach bei Nabburg, Nabburg, Schwarzenfeld und Stulln. (kö)
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