Gesamtkosten von 1,65 Millionen Euro sind Stadträten zu teuer
Debakel für Radweg-Konzept

Mit deutlicher Mehrheit hat der Stadtrat den Entwurf für einen Geh- und Radweg vom Plattenberg nach Neunburg abgelehnt. Unter den Tisch fiel dabei auch ein angedachter Umbau der Staatsstraßenkreuzung (Foto) zum Kreisverkehr. Weiterverfolgt wird dagegen die Errichtung eines Pendlerparkplatzes in diesem Bereich. Schon heute, wie im Hintergrund zu sehen ist, werden hier Autos abgestellt. Bild: Mardanow
Politik
Neunburg vorm Wald
30.01.2016
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Als sich im Stadtrat die Hände hoben, blieb nur noch ein Parkplatz übrig. Vor allem wegen hoher Kosten ist das Konzept für einen Geh- und Radweg vom Plattenberg Richtung Stadt krachend unter den Ratstisch gefallen. Der Begriff "Schildbürgerstreich" verärgerte den Planer.

Noch im November 2014 war der Planungsauftrag mit 14:5 Stimmen vergeben worden. Mit dem Projekt sollte der Lückenschluss zum überregionalen Radweg Richtung Schwarzenfeld geschafft werden. Außerdem vorgesehen waren ein Pendler- und Busparkplatz nahe der KZ-Gedenkstätte und eine Möglichkeit zum Anschluss an die Radtrasse nach Bodenwöhr.

Kreuzung als Kreisverkehr


Als "konzeptionellen Vorentwurf" und Diskussionsgrundlage wollte Ingenieur Alfred Weiß am Donnerstag seine Planung verstanden wissen. Das von ihm vorgestellte Konzept sah neben dem Parkplatz mit 40 Stellflächen und 2 Bushalte-Buchten einen Geh- und Radweg ab der Kaserne entlang der Staatsstraße vor, der dann über die Gedenkstätte bis zur westlichen Ortseinfahrt verlaufen sollte. Für den Kreuzungsbereich der Staatsstraße mit der Abfahrt nach Neunburg schwebte Weiß der Umbau in einen Kreisverkehr vor. Zusätzlich war eine Korrektur des Staatsstraßenverlaufs angedacht.

Doch die errechneten Kosten für das Gesamtpaket von knapp 1,65 Millionen Euro schreckten die Fraktionen: Für die CSU schlug Anton Scherr eine "preisgünstigere Lösung" und die Anbindung des überregionalen Radwegs an den sogenannten "schwarzen Weg" vor, der von der ehemaligen Kaserne hinab entlang des Wohngebiets Mußhof verläuft. Der Parkplatz dagegen fand Zustimmung.

Martin Scharf, Fraktionssprecher der Freien Wähler, lehnte das Konzept nahezu komplett ab, lediglich mit dem Parkplatz konnte er sich anfreunden. Weder sei ein Kreisverkehr erforderlich - "die Kreuzung ist kein Unfallschwerpunkt" - noch ein neuer Weg. Der durch CSU-Rat Scherr ins Spiel gebrachte bestehende Geh- und Radweg sei bestens ausgebaut und höchstens 150 Meter länger. Er kanzelte das Vorhaben als "Schildbürgerstreich" ab - "wir haben sinnvollere Projekte zu schultern". Sein Fraktionskollege Walter Drexler sah keinen Bedarf für Bushalte-Buchten. Ähnlich sah es SPD-Stadträtin Margot Weber: "Der Pendlerparkplatz ist notwendig, alles andere nicht."

Die Planung habe durchaus Sinn, meinte CSU-Rätin Verena Binder. Allerdings sei die vorgestellte "Premiumlösung" zu teuer und damit nicht tragbar. Bürgermeister Martin Birner gab zu verstehen, dass sich das Projekt vor 2018 wohl ohnehin nicht verwirklichen ließe. Doch bei Gelegenheit könne das fertige Konzept als "Jongliermasse" aus der Schublade gezogen werden. Er erinnerte, dass Verwaltung und Planer mit dem Vorschlag einem klaren Stadtratsauftrag zur Untersuchung eines Lückenschlusses nachgekommen seien. Deswegen wehrte sich auch Zweite Bürgermeisterin Margit Reichl gegen die Bezeichnung "Schildbürgerstreich" - "dieses Polarisieren muss nicht sein".

Verärgerung war bei Ingenieur Alfred Weiß zu spüren. Er habe sich eingehend und intensiv mit dem Vorentwurf befasst - "ich verwahre mich daher massiv gegen den Ausdruck ,Schildbürgerstreich'". Er verdeutlichte, dass das Gesamtkonzept auch im Hinblick auf eine mögliche Förderung ausgelegt worden sei, eine zerpflückte Planung habe wohl keine Aussicht auf Zuschüsse.

Pendlerparkplatz unstrittig


Der Vorentwurf wurde schließlich mit 4:15 Stimmen abgelehnt, dagegen stimmte das Gremium mit 17:2 für eine Anbindung über den "schwarzen Weg". Einstimmig sprachen sich die Räte für den Bau des Pendlerparkplatzes aus. Unter den Tisch fiel noch ein Antrag von Herbert Wartha (SPD), eine Wegeverbindung zwischen Parkplatz und KZ-Gedenkstätte einzuplanen.
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