Paten dringend gesucht

Diskutierten mit 100 Zuhörern im Sporrer-Saal über die Flüchtlingsproblematik (sitzend von links): Margit Reichl, Karl Holmeier, Thomas Silberhorn. Stehend von links: Jakob Scharf, Peter Wunder und Klaus Zeiser. Bild: Hirsch
Politik
Neunburg vorm Wald
19.08.2016
51
0

118 Flüchtlinge leben derzeit in der zentralen Unterkunft auf dem Plattenberg. 31 von ihnen sind bereits anerkannt und könnten sich nach eigenen vier Wänden umsehen - theoretisch.

"Für sie fehlt es aber an geeignetem Wohnraum", bedauert zweite Bürgermeisterin Margit Reichl. Bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Neunburger CSU-Ortsverbandes und des CSU-Arbeitskreises "Außen- und Sicherheitspolitik" auf Kreis- und Bezirksebene am Mittwoch im Gasthaus Sporrer ermunterte die stellvertretende Bürgermeisterin die Bevölkerung, freie Wohnungen an Flüchtlingsfamilien zu vermieten. Dringend gesucht würden auch ehrenamtliche Paten, die die Flüchtlinge durch den Alltag begleiten.

"Flucht gehört zur Menschheit", sagte CSU- und Arbeitskreisvorsitzender Peter Wunder. Gemeinsam mit MdB Karl Holmeier und dem Parlamentarischen Staatssekretär im "Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung", Thomas Silberhorn, besuchte er die Flüchtlingsunterkunft und traf auf eine Vielzahl von Kindern, die betreut werden wollen.

"Wir müssen dort helfen, wo die Not am größten ist", stellte Staatssekretär Thomas Silberhorn fest. 90 Prozent der Flüchtlinge verteilten sich auf die benachbarten Entwicklungsländer, nur 10 Prozent gelinge die Flucht nach Europa. Sie zu verteilen, sei die größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung, so der CSU-Politiker. Flucht und Vertreibung hätten eine globale Dimension, die von der gesamten internationalen Gemeinschaft solidarische Antworten verlange.

Traumatisiert


Kurzfristig gehe es darum, humanitäre Hilfe zum Überleben zu leisten, mittelfristig um eine Zukunftsperspektive in der Region und langfristig darum, die Fluchtursachen zu beseitigen. Thomas Silberhorn sieht in Syrien eine "verlorene Generation" heranwachsen, traumatisiert und ohne Zukunftsperspektive. Denn: "Im sechsten Jahr des Syrienkonflikts haben zahlreiche Kinder keinen Schulunterricht mehr." Am Beispiel Syrien zeige sich, "wie eine Verkettung struktureller Ursachen in einen gewaltsamen Konflikt münden". Wachsende Armut, Arbeitslosigkeit, Korruption, Unterdrückung und anhaltende Dürre seien schuld an der momentanen Situation. Deshalb hält der Staatssekretär die Bekämpfung der Fluchtursachen für die Kernaufgabe der Entwicklungszusammenarbeit. Der Kampf gegen Hunger und Armut, eine gerechte Verteilung der Ressourcen, Menschenrechte und demokratischen Strukturen seien nötig. Dies setze aber eine Eigenverantwortung der jeweiligen Regierung voraus, die die Entwicklungshilfe fördern, aber nicht ersetzen könne. Für Thomas Silberhorn müssen kurzfristige Hilfen und langfristige Maßnahmen ineinander greifen, um nachhaltige Perspektiven zu schaffen.

Atempause


Für den stellvertretender Landrat Jakob Scharf tue die momentane Atempause dem Landkreis gut. Man könne nun die Aufgaben abarbeiten. MdB Karl Holmeier verwies auf die Nachbesserungen des Bundes, der für anerkannte Flüchtlinge drei Jahre lang die Hartz-IV-Sätze zu 100 Prozent übernehme. In dieser Zeit könnten sie sich einen Job suchen oder nach Hause zurückkehren.

___



Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/flüchtlinge
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.