Spitalstiftung verlangt fünf Prozent mehr Heimentgelt
Das Pflege-Niveau halten

Das Marienheim der Spitalstiftung rüstet sich für tarifliche Lohnerhöhungen und mögliche Auswirkungen nach der Reform der Pflegeversicherung: Rückwirkend zum 1. August steigen die Heimentgelte um durchschnittlich fast fünf Prozent an. Bild: Mardanow
Politik
Neunburg vorm Wald
14.10.2016
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Das Marienheim der Spitalstiftung dreht an der Gebührenschraube. Fünf Prozent mehr Heimentgelt werden künftig verlangt, um unter anderem die gestiegenem Personalkosten auffangen zu können. Die Stadträte sahen die Erhöhung als Investition für die weitere Qualität der Altenpflege.

Die Erhöhung fiel deutlich moderater aus, als ursprünglich geplant: Wie aus den Sitzungsunterlagen hervorging, war die Spitalstiftung Ende Juli noch mit einem geplanten Aufschlag von bis zu 7,59 Prozent in die Verhandlungen mit Bezirk und Pflegekassen gegangen. Letztlich wurde dem Marienheim ein Aufschlag von durchschnittlich 4,94 Prozent für Senioren der Pflegestufen 0 bis 3 sowie für rüstige Bewohner zugebilligt. Die Anpassung erfolgt bereits rückwirkend zum 1. August.

Fast 140 Euro mehr


Aus einem Berechnungsbeispiel ging hervor, dass ein Heimbewohner der Pflegestufe 1 in einem Einzelzimmer künftig monatlich 2823 Euro (abzüglich 1064 Euro Leistungen der Pflegekasse) zahlen muss, dies entspricht einer Erhöhung von 139,54 Euro. Der letzte Aufschlag bei den Heimkosten datiert auf das Vorjahr zurück: Im August 2015 waren die Entgelte im Durchschnitt um 2,95 Prozent erhöht worden.

Bürgermeister Martin Birner legte dar, wieso die Erhöhung notwendig ist. Er verwies darauf, dass die Beschäftigten des Alten- und Pflegeheims nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst bezahlt werden. Ab Februar nächsten Jahres stehe eine Erhöhung von 2,35 Prozent an. Zusätzlich werden schon ab Januar Leitungskräfte in der Pflege sowie Fachkräfte mit entsprechender Weiterbildung (Gerontopsychiatrische Fachkräfte, Praxisanleiter) in eine Pflegetabelle übergeleitet. Dieser neue Tarif führe zu einer zusätzlichen Erhöhung der Lohnkosten.

Gleichzeitig rüstet sich das Heim für wesentliche Änderungen in der Pflegeversicherung ab dem 1. Januar. Laut den Sitzungsunterlagen wird künftig jeder Pflegebedürftige mit einer Pflegestufe in einen Pflegegrad überführt. Unter anderem werden Personen mit körperlichen Einschränkungen und eingeschränkter Alltagskompetenz automatisch um zwei Pflegegrade höher eingestuft. Zusätzlich erhöhten sich die gesetzlichen Leistungen für viele Pflegebedürftige. Die genaueren Auswirkungen dieser Reform würden sich in der Praxis erst im Jahresverlauf zeigen.

Für den Bürgermeister stellt die Spitalstiftung mit den neuen Entgelten die Weichen dafür, um den guten Pflegestand im Marienheim weiterhin zu halten. Verständnis für die Erhöhung hat laut Mitteilung der Verwaltung bereits die Bewohner-Vertretung im Marienheim gezeigt: Ihre nötige Zustimmung für den Erhöhungsantrag liegt bereits seit 16. Juni vor.

CSU-Stadträtin Marianne Deml, Beauftragte für die Spitalstiftung und das Marienheim, sah ein, dass es sich "schon um eine gewaltige Erhöhung" handle. Sie sei aber zuversichtlich, dass in den nächsten Jahren nur noch kleinere Aufschläge nötig werden. "Für uns ist es wichtig, dass das Personal tariflich entlohnt wird", stellte Margot Weber für die SPD-Fraktion fest. Dieses leiste täglich harte Arbeit.

Verluste gehen zurück


Kämmerer Michael Haßfurter erwartet, dass die Verluste des Marienheims deutlich zurückgehen. So beantwortete er eine entsprechende Anfrage von CSU-Stadtrat Peter Schießl. Dessen Fraktionssprecher Klaus Zeiser empfahl allerdings, "nicht nur auf die Zahlen zu starren". Im Marienheim würden alte Menschen betreut, dies dürfe nicht rein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gesehen werden. Die Einrichtung leiste gute qualitative Arbeit im Dienst am Menschen, "wir können froh sein, dass wir in Neunburg über ein so tolles Alten- und Pflegeheim verfügen". Ordentliche Pflege dürfe auch einen entsprechenden Wert haben. Die Stadträte nahmen die neuen Pflegesätze schließlich zur Kenntnis.

Personal und BewohnerMitarbeiter

Im Marienheim, dem Alten- und Pflegeheim der Neunburger Spitalstiftung, arbeiten aktuell 90 Beschäftigte. Nach Auskunft von Kämmerer Michael Haßfurtner die meisten davon in Teilzeit.

Belegung

Das Marienheim ist derzeit voll belegt. In den vergangenen beiden Jahren betrug die Quote 96,6 Prozent (2015) bzw. 92,5 Prozent (2014). (mp)


Ordentliche Pflege darf auch einen entsprechenden Wert haben.CSU-Fraktionssprecher Klaus Zeiser
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