Stadtrat befasst sich mit Zukunft der hausärztlichen Versorgung
"Onkel Doktor" immer älter

Auf den ersten Blick ist der Bereich Neunburg mit Hausärzten ausreichend versorgt. Doch in naher Zukunft wird sich die Nachfolgefrage stellen, denn über die Hälfte der Mediziner ist bereits über 60 Jahre alt. Symbolbild: dpa
Politik
Neunburg vorm Wald
27.11.2016
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Medizinaloberrat Gunnar Geuter gab einen Überblick über die ärztliche Versorgung.

Die Zukunft der ärztlichen Versorgung nahmen die Stadträte ins Blickfeld. Aktuell ist die Zahl der angesiedelten Hausärzte im Bereich Neunburg zwar noch mehr als ausreichend. Doch über die Hälfte ist bereits über 60 Jahre alt.

Zu Beginn der Sitzung gab Medizinaloberrat Gunnar Geuter, Leiter des Kommunalbüros für ärztliche Versorgung am Bayerischen Haus der Gesundheit in Nürnberg, einen Überblick über die ärztliche Versorgung der Region. Er verdeutlichte, dass für deren Sicherstellung die Kassenärztlichen Vereinigungen zuständig seien. Eine Bedarfsplanung regelt, wie viele Arztsitze es in welcher Region gibt.

Kein zusätzlicher Hausarzt


Dabei sind für die hausärztliche und die fachärztliche Versorgung verschiedene Ebenen festgelegt. Bei den Hausärzten gibt es den Planungsbereich Neunburg, zu dem insgesamt zwölf Gemeinden gehören. Für die allgemeine fachärztliche Versorgung ist der Landkreis Planungsbereich, bei spezialisierten Fachärzten das Gebiet Oberpfalz-Nord. Je spezialisierter, desto weiträumiger ist der zugewiesene Bereich gefasst. "Für die wohnortnahe Versorgung sind Hausärzte besonders relevant", so Geuter. Der Versorgungsgrad legt hier einen Sollwert von einem Hausarzt je 1671 Bewohner fest. Aktuell praktizieren in den zwölf Gemeinden des Planungsbereichs Neunburg 21 Mediziner als Hausärzte, daraus errechnet sich ein Versorgungsgrad von 130 Prozent. Wegen dieser Überversorgung ist derzeit keine zusätzliche Ansiedlung von Hausärzten möglich.

Allerdings klafft bei den niedergelassenen Medizinern eine deutliche Altersschere. Nur 4,8 Prozent der Hausärzte im Planungsbereich sind unter 45 Jahre, weit über die Hälfte (57,1 Prozent) sind bereits über 60 Jahre. Ein deutlicher Unterschied zum Bayernschnitt, in dem lediglich ein Drittel der Hausärzte über 60 ist.

Geuter beschrieb auch die Herausforderungen, die auf die Kommunen zukommen, wenn sie den Standard der ärztlichen Versorgung in Zukunft halten wollen. Die neue Generation von Ärzten wolle keine 60-Stunden-Wochen mehr, sondern achteten verstärkt auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Immer häufiger arbeiteten Mediziner als Angestellte oder in Teilzeit, die Zahl der hausärztlichen Einzelpraxen sei seit Jahren rückläufig. Um sich dem zu stellen, müssten Gemeinden und Träger zusammenarbeiten, aber auch ressort-, sektor- und berufsübergreifend sei ein Schulterschluss nötig.

Die Arzt-Versorgung sei zwar Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung, doch könnten Gemeinden durch geeignete Rahmenbedingungen dazu beitragen. Eine direkte Subventionierung sei zwar kommunalrechtlich nicht erlaubt, doch könne beispielsweise ein Medizinisches Versorgungszentrum gegründet werden. "Was immer sie tun, stimmen Sie sich mit der Kommunalaufsicht ab", empfahl Gunnar Geuter. Bei der Suche nach Nachfolge-Ärzten könne eine Gemeinde auch als attraktiver Standort punkten. Als Faktoren zählte der Referent unter anderem Schul- und Betreuungsangebote für Kinder, berufliche Optionen für den Partner, Kooperationen mit anderen Ärzten und ausreichend Lebensqualität (Umfeld, Infrastruktur, Kultur und Freizeit) auf. Soweit zulässig, könnte die Kommune auch bei der Ansiedlung zur Seite stehen.

"Nicht mehr viel Zeit"


Vor allem mit Blick auf die Altersstruktur war den Ratsfraktionen bewusst, dass bei der ambulanten ärztlichen Versorgung dringender Handlungsbedarf gegeben ist. "Wir haben nicht mehr viel Zeit und müssen schon heute damit beginnen", fasste Margot Weber (SPD) zusammen.

Ärztliche Versorgung im BlickpunktPlanungsbereich

Zum "Hausärztlichen Planungsbereich Neunburg" gehören die Gemeinden Neunburg vorm Wald, Oberviechtach, Schönsee, Schwarzhofen, Winklarn, Neukirchen-Balbini, Dieterskirchen, Thanstein, Niedermurach, Teunz, Weiding und Stadlern. Aktuell sind hier 21 Hausärzte angesiedelt.

Fachärztliche Versorgung

Der Planungsbereich umfasst das Gebiet des Landkreisen Schwandorf. Auf fast allen medizinischen Feldern liegt der Versorgungsgrad bei über 110 Prozent. "Lediglich bei den Augenärzten wäre eine halbe Niederlassung möglich", so Medizinaloberrat Gunnar Geuter.

Handlungsoptionen für Kommunen

Weiterentwicklung des Gesundheitsstandortes, strategische Steuerung, Förderung interkommunaler Strategien, Verzahnung von Konzepten der Familien- und Seniorenpolitik oder der Stadt- und Raumplanung, Erschließen von Fördermöglichkeiten, gemeindeübergreifendes Standortmarketing, Flankierung bei Weiterbildung, Beteiligung bei Nachfolgersuche. (mp)
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