Absenken der Vorsperre am Eixendorfer Stausee sorgt für Empörung
Schlamm spült großen Ärger an

Der Fischereiverein übermittelte der Redaktion ein Foto, das leblose Fische zeigt. Das Bild sei am Montag direkt am Auslauf der Vorsperre in den Hauptsee gemacht worden.
Vermischtes
Neunburg vorm Wald
20.09.2016
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Baudirektor Mathias Rosenmüller, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weiden (rechts), musste sich Montag am Eixendorfer Stausee heftige Vorhaltungen machen lassen. Links im Bild Robert Bäumler, der im Fischereiverein für Natur- und Gewässerschutzfragen zuständig ist. Bild: Mardanow

Erneut prallen am Eixendorfer Stausee die Interessen von Wasserwirtschaft und Naturschutz aufeinander. Nachdem am Montag die Vorsperre abgelassen wurde, übt der Fischereiverein Neunburg heftige Kritik an der zuständigen Behörde: Tausende Lebewesen könnten dabei erstickt sein. Sogar eine Anzeige steht jetzt im Raum.

Wie aus einer Pressemitteilung des Fischereivereins hervorgeht, habe sich beim Ablassen der Vorsperre eine Schlammlawine in den Hauptsee ergossen. "Tausende von Fischen und Muscheln dürften erstickt sein", befürchteten Vorsitzender Michael Throner und Robert Bäumler, der im Verein für Natur- und Gewässerschutzfragen zuständig ist. Sie werfen dem Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weiden und den Bayerischen Landeskraftwerken, die an der Vorsperre ein Kraftwerk bauen, eklatante Verstöße gegen Gewässer-, Naturschutz- und Tierschutzgesetzgebung sowie den Wasserrechtsbescheid vor.

Auflagen nun ohne Wert


So fehle nach wie vor ein koordinierter Bau- und Absenkplan, den die Landeskraftwerke laut Bescheid vorlegen müssten. Unter anderem seien darin baubetriebliche Maßnahmen sowie naturschutz- und fischereifachliche Vorgaben enthalten. "Doch die Auflagen haben sich durch das Ablassen erledigt", stellten die Fischereivertreter resigniert fest.

Die Fische aus der Vorsperre sowie "sämtliche Wasserorganismen und Muscheln" im Schongebiet des Wehrunterwassers seien getötet worden. "Was tot ist, braucht nicht mehr geborgen, und was zerstört ist, nicht mehr geschützt werden", so Robert Bäumler. Der Fischereiverein teilte weiterhin mit, dass er das Wasserwirtschaftsamt wegen Gewässerverschmutzung und Verstoß gegen das Tierschutzgesetz anzeigen werde. Beamte der zuständigen Polizeiinspektion Waldmünchen sowie Mitarbeiter der Fischereifachberatung des Bezirks Oberpfalz seien zur Beweissicherung vor Ort gewesen.

Was tot ist, braucht nicht mehr geborgen, und was zerstört ist, braucht nicht mehr geschützt werden.Robert Bäumler, Sprecher des Fischereivereins

"Die Menge an Schlamm ist schon beachtlich", räumte Baudirektor Mathias Rosenmüller, Leiter des WWA, auf NT-Nachfrage ein. Als die Vorsperre im Jahr 2010 schon einmal zur Prüfung geöffnet worden war, sei die Menge an dortigen Ablagerungen deutlich geringer gewesen. Nun habe sich durch das Öffnen ein Fluss mit einer "gewissen Schleppspannung" ausgebildet, in der die teils sehr feinen Schlammteile erodiert und in die Hauptsperre gelangt seien. "Das so viel Schlamm mobil wird, war für uns nicht vorhersehbar."

Ein weitaus größerer Sediment-Eintrag sei durch den vergangene Woche in der Vorsperre eingebauten Stahlkasten verhindert worden. Ringsum seien zusätzlich 24 "Big-Packs", das sind einen Kubikmeter große Sandsäcke, zweireihig aufgeschlichtet worden - "diese Konstruktion ist von der Funktionsweise her mit Stau-Brettern vor einem Mönch in einem Fischweiher vergleichbar", erläuterte Rosenmüller. So lasse sich der Stau circa 2,50 Meter gegenüber der Gewässersohle hochhalten.

Die Absenkung habe am Montagvormittag wie angekündigt stattgefunden. Rosenmüller erinnerte, dass diese nötig sei, um den Umbau der Schützentafeln in der Vorsperre für einen künftigen elektrischen Antrieb vorzunehmen. "Gerade jetzt sieht man, dass wir den Abfluss bisher gar nicht steuern können. Das Ziehen der Schützentafeln geht nur ganz oder gar nicht", so der Amtsleiter. Nach dem Umbau werde eine dosierte Wasserabgabe möglich sein.

Verluste erstatten


Das durch den Verein erwartete massives Fischsterben konnte Rosenmüller, der sich Montag vor Ort informierte, nicht erkennen. Im Vergleich zur See-Größe von rund neun Hektar seien nur verhältnismäßig wenige und eher kleinere Fische eingegangen, so sein Eindruck. Es sei aber durch das Amt nicht beabsichtigt, dies großzügig hinzunehmen. "Auch jeder kleine Fisch ist zu viel", so Rosenmüller. Er sicherte zu, dass dem Fischereiverein der finanzielle Verlust erstattet werde. (Im Blickpunkt)

Im BlickpunktVorsperre bleibt offen
Wie Baudirektor Mathias Rosenmüller, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weiden, gegenüber dem NT ergänzte, werde die Vorsperre bei Hillstett in den nächsten Wochen noch geöffnet bleiben. Mittlerweile (Stand: Dienstagvormittag) fließe wieder klareres Wasser.

Über die eingespülten Feinteile werde beraten, wenn der Hauptsee etwas abgesenkt ist und diese dann sichtbar sind. Rosenmüller verdeutlichte, dass es durch die Öffnung keine zusätzlichen Einträge in den See gegeben habe - "der Schlamm kommt aus dem Gewässer und bleibt im Gewässer".

Schaden an der Umwelt
Der Fischereiverein habe Wasserwirtschaftsamt und Landeskraftwerke wiederholt darauf hingewiesen, dass Muscheln und Fische Schutzgüter im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes seien. Durch die Stauraumspülung sei nicht nur ein Schaden im Sinne des Bayerischen Fischereigesetzes, sondern auch ein Umweltschaden entstanden, so Robert Bäumler.

2010, 2014 und 2015 habe es nach Absenkungen an Stausee und Vorsperre bereits Muschel- und Fischsterben gegeben. Das jetzige Ablassen gebe "einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns beim Bau der Wasserkraftanlage erwartet".
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