Akademie für Natur und Industriekultur auf Spurensuche in der Keramikbranche
Hightech und Ruinen

Juniorchef Sebastian Hart (rechts) informierte die Besucher aus Neunburg, unter ihnen Akademie-Vorsitzender Dr. Peter Deml (Dritter von rechts), über die Arbeitsweise des Tunnelofens für den Brand der Ziegel.

Auf eine Exkursion zu den Spuren der Keramik in Ostbayern und Böhmen machten sich die Mitglieder der Akademie für Natur und Industriekultur. Zunächst ging es nach Schirnding zum "Ziegelwerk Waldsassen AG Hart Keramik". Firmenchef Anton Hart führte die Gäste in die bewegte Firmengeschichte ein.

Nach dem Krieg musste die Ziegelei in der Tschechischen Republik verlassen werden, in Waldsassen und Schirnding entstanden neue Betriebsstätten. Fast direkt an der Grenze produziert heute eines der modernsten Werke Europas Ziegel sowie andere chemisch-technische und baukeramische Erzeugnisse, vor allem Schamotte-Rohre und Spezialziegel für den Kaminbau. Die Besucher konnten in der riesigen Fertigungshalle die rund um die Uhr laufende Produktion mitverfolgen, bei der täglich 250 Tonnen Material verarbeitet und etwa 8000 Kubikmeter Erdgas verfeuert werden.

Der Weg führte anschließend unter der kundigen Leitung von Dr. Wolf-Dieter Hamperl ins tschechische Eger. Ein von ihm kurzweilig und anekdotenreich gestalteter Spaziergang durch die einstige freie Reichsstadt endete an der Burg mit ihrem schwarzen Turm und der neu errichteten Staufersäule.

Hauptgrund des Besuchs war aber der in den dortigen Kasematten aufbewahrte große Keramikkachelofen des Künstlers Willibald Ruß. Dieser hatte 1942 seiner Egerländer Heimat ein beeindruckendes künstlerisches Denkmal geschaffen, indem er auf den einzelnen Kacheln ganze Szenen aus dem Alltagsleben und Brauchtum, die verschiedenen Trachten und Wappen der Orte, aber auch Spruchweisheiten aus dem Egerländer Volksmund verewigte.

Letzte Station war die auf dem Heiligen Berg stehende Kirche Maria Loreto bei Altkinsberg. Die nach dem Krieg zerschossene und verfallene Wallfahrtsstätte war vom Kunstmäzen Anton Hart senior und einem Förderverein nach der Grenzöffnung restauriert worden. Anton Hart, für seine Verdienste mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Eger belohnt, machte so die Gnadenstätte mit einer schwarzen Madonna - über den Ruinen seiner ehemaligen Ziegelei stehend - wieder zu einem Anziehungspunkt für Wallfahrer.

Die nächste Veranstaltung der Akademie Neunburg zum Jahresthema "Erde" ist heute im Freilandmuseum Neusath-Perschen: Lehm - ein alter Baustoff neu entdeckt.

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Weitere Informationen:

www.akademie-neunburg.de
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