Antikriegstag auf dem Neunburger Plattenberg
Nie verstaubte Mahnung

Juso-Vorsitzende Peter Strahl, Franz Schindler, Zweite Bürgermeisterin Margit Reichl und Claudia Averibou von der DFG-VK sowie Ferdinand Rieppel (von links) stützen die Ansicht, dass Frieden nicht selbstverständlich ist.
 
Viele Menschen, unter ihnen auch die Altlandräte Volker Liedtke und Hans Schuierer, legten Blumen am Gedenkstein nieder. Bilder: weu (2)

"Nie wieder Krieg", unter diesem Motto findet auf Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) seit 1957 am 1. September der Antikriegstag statt. In Neunburg wurde deutlich, warum das Gedenken nicht überholt ist.

Zu der Gedenkveranstaltung auf dem Plattenberg waren auch die beiden Altlandräte Volker Liedtke und Hans Schuierer gekommen. Auch die "Falken" aus Klardorf und Vertreter der DFG-VK (Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner) mit ihren Fahnen sowie Mitglieder des DGB nahmen an der Abendveranstaltung teil.

Landtagsabgeordneter Franz Schindler stellte die Frage nach dem Sinn dieses Gedenktages. "Die jetzige lange Friedensperiode bei uns ist kein Gottesgeschenk, sondern von der Politik hart erarbeitet", betonte er. Nicht nur einmal habe die Welt am Rande eines Krieges gestanden, Millionen von Menschen seien auf der Flucht, kriegerische Auseinandersetzungen gebe es täglich. "Es ist keine verstaubte Tradition, gegen Krieg zu mahnen, sondern Notwendigkeit", so Schindler. Sein Dank galt der Stiftung bayerischer Gedenkstätten, in ihre Obhut fällt die 1950 geschaffene Anlage. Sie weist auf die 615 Männer und Frauen hin, die in Neunburg auf ihrem Gewaltmarsch vom KZ Flossenbürg elend starben.

Terror ersetzt Krieg


"Keiner von uns trägt die Verantwortung für dieses Grauen, aber jeder ist verantwortlich, dass sich das nicht wiederholt", mahnte Schindler. Stellvertretende Bürgermeisterin Margit Reichl, die den Plattenberg als einen der größten jüdischen Gedenkfriedhöfe bezeichnete, wies auf die Bedrohung in der heutigen Welt hin, die sich in Terror als neuer Form des Krieges und in Angst als Lebensgefühl zeigt. "Gewalt kann nicht mit Gewalt eingedämmt werden", war ihre eindeutige Aussage. Sie betonte: "Wir können heute ein klares Zeichen gegen Rassismus und rechtsextremistische Tendenzen setzen."

Ein Flüchtling aus Syrien schilderte in eindrucksvollen Worten die menschliche Tragödie, die sich durch das Assad-Regime in seiner Heimat abspielt. Die Lösung sei schwierig, aber "die Hoffnung darf nicht sterben". Der Juso-Bezirksvorsitzende der Oberpfalz, Peter Strahl, ging auf den Ukraine-Konflikt, den ungelösten Nahost-Konflikt und die Situation in Syrien ein. Bomben würden auf Aleppo fallen und Menschen ertrinken, nur weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort seien. Die Jusos setzen sich für eine verbesserte Völkerverständigung und für Frieden ein, hob er hervor. Die Anschläge in Würzburg, Paris und Nizza hätten gezeigt, dass Krieg nicht der Vergangenheit angehört, sondern auf andere Art geführt wird. Krieg sei nie die Lösung, sondern immer ein Problem.

Nachdem Gäste Blumen am Gedenkstein niedergelegt hatten, sprach Claudia Averibou als Vertreterin der DFG-VK ein Schlusswort. Für sie seien der immense Gewinn der Rüstungsfirmen, die einfache Kriegsführung per Mausklick und der freie Zugang zu Bodenschätzen Gründe, warum Kriege geführt werden. Mit dem Zitat von Albert Einstein schloss sie ihre Ausführungen: "Was für eine Welt könnten wir bauen, wenn wir die Kräfte, die ein Krieg entfesselt, für den Aufbau hernähmen."

Frieden und Integration


Ferdinand Rieppel vertrat die Stimme der Musik. Zur Gitarre sang er "Oh what a lucky man he was" - ein Lied, das von der Begeisterung für den Krieg erzählt, an deren Ende der Tod steht. Und im Schlusslied stellte er, im Dialekt gehalten, eine friedliche Welt vor, in der jeder integriert ist und geachtet wird.
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