„Christus wird bleiben“

Groß war die Gästeschar, die zum Festgottesdienst "110 Jahre Versöhnungskirche" gekommen war. Bürgermeister Birner, Stadtpfarrer Stefan Wagner und Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss waren gemeinsam mit Pfarrer Gerhard Beck, Pfarrer Dieter Kreisler und Lektor Bernd Müller (vordere Reihe von links) zum Beginn des Gottesdienstes in das Gotteshaus eingezogen. Bilder: weu (2)
 
Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss ging auf die Ökumene ein.

Beim Jubiläum "110 Jahre Versöhnungskirche" stand der Fortschritt in der Ökumene im Mittelpunkt. Unübersehbar war ein Miteinander, das es so nicht in jeder evangelischen Gemeinde gibt. Die Predigt hielt der Regionalbischof.

Zu den Klängen der Stadtkapelle zog Pfarrer Gerhard Beck zusammen mit seinem katholischen Mitbruder Stefan Wagner, Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss, Bürgermeister Martin Birner, dem früheren evangelischen Pfarrer Dieter Kreisler und Lektor Bernd Müller in die Versöhnungskirche ein. Deren 110-jähriges Bestehen wurde mit einem Festgottesdienst gefeiert.

Pfarrer Beck hob die Freude über neun Fahnenabordnungen hervor, die sich neben dem Altar aufgestellt hatten. Dies komme sicher nicht in jeder evangelischen Gemeinde vor. Viele ehemalige evangelische Pfarrer sowie katholische Kollegen wurden ebenso begrüßt wie Vertreter von Vereinen (Mitglieder des Festspielvereins in Kostümen), Schulen und öffentlichen Ämtern.

Er zog Parallelen zur Einweihung des Gotteshauses, als vom Schlosssaal, wo bis dahin Gottesdienste gefeiert wurden, bis zur Kirche die Stadtkapelle den Festzug angeführt hatte. "Auch heute hat die Stadtkapelle den Festgottesdienst eröffnet und auch damals wurde auf einem Harmonium gespielt", betonte der Geistliche. Auch das Lied "Tut mir auf die schöne Pforte" sei vor 110 Jahren gesungen worden. Pfarrer Beck bezeichnete die Kirche als Heimat, mit der viele emotionale Momente - wie etwa bei Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen - verbunden sind.

Die musikalische Gestaltung lag neben der Stadtkapelle in den Händen von Dekanatsbezirkskantor Aurel von Bismarck aus Zwiesel. Die Kollekte war für das Gustav-Adolf-Werk bestimmt, das mit der Vorsitzenden Ursula Kugler vertreten war. Dessen Frauenvereine haben die evangelische Kirchengemeinde vor 110 Jahren bei der Anschaffung des ersten Harmoniums unterstützt. In seiner Festpredigt blickte Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss auf die Feier zum 100-jährigen Jubiläum vor zehn Jahren zurück. Die schwierigen Ereignisse von damals, wie ein Gemeindekonflikt, scheinen mittlerweile überwunden zu sein.

"Diese Kirche steht für über 100 Jahre evangelisches Gemeindeleben und für den Glauben und das ausdauernde Gottvertrauen vieler Menschen", hob er hervor. Wer die Reformation zum alleinigen Grund für die Trennung der westlichen Christenheit macht, verkenne die kirchlichen, geistigen und politischen Gegebenheiten des 16. Jahrhunderts. Im Laufe dieser Prozesse hätten sich verschiedene Wege ausgeprägt, die zur Entfremdung zwischen evangelischen und katholischen Christen geführt haben. Die Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die von beiden christlichen Kirchen unterschrieben wurde, lässt sich mit dem Jesuswort darstellen: "Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, den Balken in deinem Auge aber nicht." Befreite Fröhlichkeit mache es möglich, anderen Menschen Liebe zu schenken, sich anzunehmen wie man ist und daran zu arbeiten, dass Menschen freundlich zueinander sind.

"Christus wird bleiben, nicht bestimmte Konfessionen und Kirchen. Das sollte uns zuversichtlich stimmen und bestimmte Verkrampfungen abbauen helfen." Damit beendete der Bischof seine Festpredigt. Zugunsten der sich anschließenden Feier mit Imbiss wurde auf Grußworte verzichtet. Pfarrer Beck überraschte Pfarrer Stefan Wagner zum Geburtstag mit einer Lutherbibel.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.