Elke Reinhart stellt Kleiderladen für soziale Zwecke auf die Beine
Kleider machen Freunde

"Emma" bietet Mode für Bedürftige. Elke Reinhart (Bild) hat den Second-Hand-Shop eröffnet. Bild: Bugl
Vermischtes
Neunburg vorm Wald
28.12.2015
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Ausgerechnet die Männer hatten es besonders eilig mit dem Einkaufen. Besonders begehrt: fast neue Schuhe. Dass Stiefel und Sportschuhe überhaupt erschwinglich sind, verdanken sie Elke Reinhart.

Seit Oktober gibt es in Neunburg "Emma" - einen ehrenamtlich geführten Kleiderladen, der Second-hand-Ware zu Mini-Preisen anbietet. Hier kann jeder anliefern, was daheim den Kleiderschrank blockiert, und jeder kann kaufen. "Bedürftige zahlen die Hälfte, und das teuerste Stück ist eine Winterjacke für acht Euro", erklärt Elke Reinhart, die den Kleiderberg mit einem 35-köpfigen Team aus Freiwilligen managt.

Ganzheitlich einkleiden


Nein, keine verstaubte Kleiderkammer sollte es sein, die der Ware ihren Glanz raubt. "Was nichts kostet, ist nichts wert", hat die 42-jährige Werbefachfrau aus Schwarzhofen festgestellt und sich deshalb um ein ganzheitliches Modell bemüht. Ein Modell, das zunächst vor allem darauf abzielte, die in der ehemaligen Pfalzgrafen-Kaserne untergebrachten Flüchtlinge mit Kleidung zu versorgen. Elke Reinhart hat nicht lange gefackelt, sich bei der Asyl-Sozialberaterin und dem Unterkunftsleiter erkundigt, was gebraucht wird, und einfach angepackt. Denn in der Unterkunft gab es einfach nicht genügend Platz für Kleiderspenden aus der Bevölkerung.

"Als Mitglied im Rotary Club, der sich auch für die Tafel engagiert, habe ich erst erfahren, wie viele bedürftige Menschen es bei uns eigentlich gibt", erzählt Reinhart, die ihre soziale Ader auch bisher schon als Vorsitzende des Vereins "Kulis" , bei der Organisation des Neunburger Weiberfaschings oder beim Vorbereiten des Schwarzhofener Marktfestes ausgelebt hat. Sie fand ein leerstehendes Geschäft in der Neunburger Vorstadt und mit dem Roten Kreuz einen Träger. Jeder Cent, der bei "Emma" (Abkürzung für "Einfach Mode mehrmals anzieh'n") über den Ladentisch geht, ist eine Spende für soziale Zwecke. "Unser Ziel ist allerdings, dass das Geld nächstes Jahr auch für die Miete reicht und sich der Laden selbst trägt."

Die Aussichten sind gut. "Schon am Eröffnungstag war die Hölle los, nach 40 Kunden haben wir aufgehört, eine Strichliste zu machen", erzählt Elke Reinhart und zeigt Handy-Fotos von Kunden, die bis zum Nachbarhaus vor dem Laden anstehen. Inzwischen gibt es viele Stammkunden. Mancher Asylbewerber, der hier einkaufen wollte, hat die Rolle gewechselt und hilft bei Warenannahme und Verkauf. Zwischen Kleiderständern und Regalen können Freundschaften wachsen. Teenager, Mütter und Senioren helfen mit, "jeder von ihnen will ein Teil des Ganzen sein".

Da könnten schon noch ein paar Hintern mehr von den Sofas hoch. Das ist es doch, was unser gutes Leben ausmacht.Elke Reinhart über soziales Engagement

Schick für alle


In der Spielecke parkt ein Rollator, den eine ältere Dame dort abgestellt hat, die nicht irgendeine, sondern eine schicke Jacke wünscht. "Bunt gemischt" ist laut Reinhart die Kundschaft, "langsam trauen sich auch die Nicht-Bedürftigen". Denn gerade die "Vollzahler" helfen mit, die Existenz des Ladens auf Dauer zu sichern. An Kleider-Lieferungen mangelt es nicht. Trotzdem wird kein Sack mit Hosen, Jacken oder Pullis abgelehnt. "Wir können dann einfach noch hochwertigere Ware einsortieren, der Rest landet beim Roten Kreuz in Schwandorf im Lager."

Nicht zuletzt können auch die Helfer nie genug sein, meint die "Chefin", dann ist die Arbeit für keinen zu viel. Zwei Tage pro Woche hat sie heuer für "Emma" fest eingeplant. Im kommenden Jahr soll ihr Projekt auch mal für längere Zeit ohne sie auskommen. "Da könnten schon noch ein paar Hintern mehr von den Sofas hoch", überlegt sie, "das ist es doch, was unser gutes Leben ausmacht". Missen will sie die Arbeit nicht. "Hier kaufen 17 Nationen ein", hat sie festgestellt. "Für mich ist das enorm bereichernd, so viele persönliche Schicksale mitzuverfolgen, einfach dabei zu sein, wenn verschiedene Kulturen und Altersgruppen aufeinandertreffen." Und die 42-Jährige ist überzeugt: "Wer was tut, kann auch andere motivieren." Mit dem Kleiderladen ist sie schon mal einen Schritt voraus gegangen.>

Verkauf und AnlieferungGeöffnet ist der Kleiderladen "Emma" in Neunburg, Vorstadt 20, jeweils Montag und Freitag von 16.30 Uhr bis 18 Uhr. In diesem Zeitraum können Kunden einkaufen, außerdem werden auch Kleiderspenden angenommen, und zwar (gewaschen) für Damen, Herren und Kinder. Auch Handtücher und Bettwäsche können angeliefert werden. Besonders gut sortiert ist derzeit die Damen-Konfektion. Vor allem bei junger Männermode, Sportsachen und Turnschuhen würde das "Emma"-Team das Angebot allerdings gerne aufstocken. (bl)
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