Feriendomizil mausert sich zu Kultur-Treffpunkt
Im grünen Tal der Ideen

Wo einst die Glasschleifer untergebracht waren, ist jetzt im Erdgeschoss mit dem "Seminarium" Raum für Kunst, Kultur, Kurse oder einfach nur zum Feiern.
Vermischtes
Neunburg vorm Wald
29.07.2016
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Mit Fundstücken aus der Jugendstil-Ära, Sinn für Gartenkunst und einem Faible für kulturelle Angebote pflegen Evelyn Kopp-Martz und ihr Mann Jochen mit Tochter Marie das Familienerbe im Untermurnthal. Bilder: Bugl (4)

Das ovale Fenster im Giebel fängt in der engen Schlucht des Murnthals die Morgensonne ein. Es ist eines von 1000 Details, die von der Leidenschaft für schöne Dinge erzählen. Denn Evelyn Kopp-Martz und ihr Mann Jochen wollten mehr als nur passable Betten.

Neunburg-Untermurnthal. "Seminarium" nennen die beiden das Modell, mit dem sie Impulse aus dem Umfeld aufgegriffen und in die Tat umgesetzt haben. "Das hier wäre doch was für Malkurse oder für Yoga", meinten Bekannte angesichts des weitläufigen, parkähnlichen Geländes, wo sich zwischen riesigen Granitbrocken die Schwarzach ihren Weg bahnt und die Familie Ermer/Kopp seit Jahrzehnten ihren Sitz hat. Evelyn Kopp-Martz und Jochen Martz, beide Landschaftsarchitekten, haben jetzt im Murnthal neuen Ideen den Weg gebahnt. Schon in den 50er Jahren gab es hier, wo früher ein Spiegelglas-Schleif- und Polierwerk an der Schwarzach betreiben wurde, Zimmer mit Frühstück. In den 70er Jahren haben Ida und Josef Kopp die verschiedenen Gebäude nach und nach zu Ferienwohnungen ausgebaut. Jetzt hat ihre Tochter das Erbe mit ehrgeizigen Plänen angetreten. "Ich wollte etwas mit Herz, lieblich, romantisch, ländlich, nicht kühl und sachlich", sagt Evelyn Kopp-Martz.

Auch mit Köchin


Als jüngstes Projekt hat die Familie 2013 ein Gebäude in Angriff genommen, in dem einst der Poliermeister und die Arbeiter aus der Glasschleiferei wohnten. Hier, im Erdgeschoss des rundum erneuerten Komplexes mit mehreren Ferienwohnungen war eine Art großer Gemeinschaftsraum mit Küche angedacht, das "Seminarium". Ein Alleinstellungsmerkmal für die Saisonverlängerung sollte es werden - "auf Wunsch auch mit Köchin, die das Essen frisch zubereitet und sich auch auf vegane oder glutenfreie Kost versteht", berichtet die Gastgeberin. Der Treffpunkt im Erdgeschoss wird an interessierte Gruppen für Feiern, Seminare oder Familienfeste vermietet und soll ab 2017 noch um einen größeren Raum erweitert sein. In den Intervallen dazwischen wird er für eigene Veranstaltungen genutzt: von Kräuterküche bis Kulturprogramm (siehe Kasten).

Diese Infrastruktur in ruhiger Umgebung hat auch schon einige Kurse angelockt, bei gutem Wetter gab es sogar Freiluft-Yoga auf der großen Wiese direkt am Wasser, wo die Gastgeber ihre Freude an der Natur gern mit anderen teilen. Und die zwei aktiven Landschaftsarchitekten, die auch noch ein Büro in Nürnberg haben, wollten dieses Stück Natur noch ein wenig verfeinern: Teakholz-Bänke laden zum Verweilen ein, ausgefallene Gewächse wie Taschentuch- oder Eisenholzbaum und Mahagoni-Kirsche ergänzen das Ambiente. Ein Hügel ist modelliert, ein Holzdeck am Wasser in Planung. Und etwas erhöht soll ein Pavillon mit dem Arbeitstitel "Flora-Tempel" entstehen. Hier ist eine Rabatte nur mit rotlaubigen Pflanzen gestaltet, dort wetteifern Funkien mit dem großen Granit-Findling, der beim Bau der Kläranlage auf dem Gelände zum Vorschein kam. "Um Gottes willen", entfuhr es dem Baggerfahrer angesichts des fünf Tonnen schweren Hindernisses, erinnert sich Evelyn Kopp-Martz. Sie aber habe sich gefreut: "Hurra, ein neuer Stein!" .

Typisch mit Nostalgie


Ob Granit oder Lärchenholz, das Typische des Ortes soll sich hier, bereichert durch viele Ideen und ein wenig Nostalgie, zur vollen Schönheit entfalten. Einer Schönheit, die genauso wenig prahlen will wie die 80 Schatten liebenden Funkien-Arten. "Sah das hier schon immer so aus?", hat ein Neunburger gefragt, als ihm das renovierte und umgebaute Glasschleifer-Haus ins Auge fiel. Für Jochen Martz das größte Kompliment, "denn dann ist es doch stimmig".
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