Generaloberin Thedolinde Mehltretter feiert 70. Geburtstag
Als Ordensfrau bundesweit bekannt

Schwester Theodolinde Mehltretter.
Vermischtes
Neunburg vorm Wald
06.02.2016
181
0

Neunburg/München. Wer diese Frau erreichen will, sollte am späteren Abend bei ihr anrufen. Dann sitzt Generaloberin Theodolinde Mehltretter im Büro ihres Münchener Mutterhauses und hat die Tagesarbeit weitgehend abgeschlossen. Heute darf sie innehalten: An diesem 6. Februar wird die bundesweit bekannte Klosterschwester 70 Jahre alt.

Sie hat ihre oberpfälzische Abstammung nie verleugnet. Auch dann nicht, als ihr im Orden der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul höchste Ämter zukamen. Dieser Weg - sie selbst hat nie von Karriere gesprochen - war irgendwie vorgezeichnet. "Von Gott", wie Schwester Theodolinde sagen würde. Am 6. Februar 1946 in Weiden geboren, wuchs Johanna Mehltretter in einem Weiler bei Neukirchen-Balbini im damaligen Kreis Neunburg auf. Mit 17 Jahren trat sie in den Orden ein und hatte vor, in der Mission zu arbeiten. Doch da kam sie nie hin.

Schwester Theodolinde, wie sie sich fortan nannte, arbeitete nach dem Noviziat über 20 Jahre in der Verwaltung des Waldsanatoriums Planegg. Ausgestattet mit hoher Intelligenz bildete sie sich zur Finanzbuchhalterin und Betriebswirtin fort. 1987 kam die Berufung zur Buchhalterin im Mutterhaus, zwei Jahre später übernahm sie die Geschäftsführung des zum Orden gehörenden Getränkeherstellers "Adelholzener Alpenquellen".

Die Ordensfrau mag das eigentlich ungern hören, dennoch ist es Tatsache: Unter ihrer Leitung wurde das Unternehmen weltweit bekannt. Schwester Theodolinde schuf ein Klima des Zusammenhalts im Betrieb. Dabei war sie nicht nur Chefin, sondern auch eine Frau, die ihren Mitarbeitern stets ein offenes Ohr schenkte. Das wiederum führte zu hoher Beliebtheit bei der Belegschaft.

Schwester Theodolinde hatte sich auf eine lange Verweildauer eingerichtet. Doch dann wurde sie am 13. November 2004 zur Generaloberin gewählt. Sie übernahm damit die Verantwortung für tausend Mitarbeiter in vielen Unternehmen des Ordens. Die damals 58-Jährige schöpfte Kraft aus ihrem Gottesglauben. "Er wird es richten", pflegte sie damals zu sagen. Das tut sie bis heute. Kaum gewählt, ging Schwester Theodolinde daran, in München ein neues Mutterhaus bauen zu lassen. Ein gewaltiger Kraftakt und Zeichen auch dafür, dass sie ihre Hoffnung auf Nachwuchs im Orden nie aufgab. Auch das gilt noch immer, obgleich das Durchschnittsalter der Schwestern mittlerweile bei 80,3 Jahren liegt.

Ihre Arbeit ist mit staatlichen Auszeichnungen belohnt worden. Die Klosterfrau aus der Oberpfalz besitzt das Bundesverdienstkreuz, sie ist Trägerin des Bayerischen Verdienstordens und der Verfassungsmedaille in Gold. Diese Auszeichnungen haben sie gefreut. Immer aber mit dem Zusatz, sie nehme diese Ehrungen auch für ihre Mitschwestern entgegen. Es gab aber noch ein ganz anderes Zeichen ihrer Popularität: Als Joseph Kardinal Ratzinger zu Papst Benedikt XVI. inthronisiert wurde, war sie eingeladen und bekam einen Platz in der Sondermaschine des damaligen Ministerpräsidenten Stoiber.

Jetzt wird Theodolinde Mehltretter 70 Jahre alt. Größere Feier? "Keine Ahnung. Fragen Sie meine Sekretärin", hat sie spät abends am Telefon gesagt. Ganz sicher aber wird dieser Anlass nicht ganz spurlos im Mutterhaus vonstatten gehen. Dabei kommt dann wohl auch zur Sprache, was sich heuer im Oktober vollzieht: Der Orden, so wollen es die Regeln, muss nach zwölf Jahren eine neue Generaloberin wählen. Was macht sie dann? "Ich gehe dorthin, wo mich die neue Oberin haben will." Vielleicht zurück an die Spitze in Adelholzen? "Wohl eher nicht." Dort gebe es zwei Geschäftsführer, die ihre Sache ordentlich machen. "Da wäre ich mit meinen 70 Jahren sicher nicht mehr gefragt."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.