Kampfmittelräumdienst holt Patronen und Granaten aus der Schwarzach
Tauchgang nach alter Munition

Nach einem Tauchgang in der Schwarzach kommt Roger Flakowski, Sprengmeister bei der Firma Tauber, wieder an die Oberfläche. Gemeinsam mit zwei Kollegen suchte er im Bereich zwischen der Staumauer des Eixendorfer Sees und dem Weiler Jedesbacher Mühle in den vergangenen Tagen nach alter Munition. Bilder: Götz (2)
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Neunburg vorm Wald
21.10.2016
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Einige der Fundstücke, die der Kampfmittelräumdienst in der Schwarzach entdeckt hat, darunter auch eine alte Handgranate (rechts).

Im trüben und aufgewühlten Wasser hilft die Taucherbrille nicht viel. Roger Flakowski muss sich auf das Signal der Sonde, auf seine Erfahrung und sein Fingerspitzengefühl verlassen. Auf der Suche nach alter Munition tastet sich der Sprengmeister im Murnthal durch das Flussbett der Schwarzach.

Im Bereich Jedesbacher Mühle waren im vergangenen Herbst Munitionsteile aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden, erst vor kurzem tauchte auch eine alte Handgranate auf. Das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weiden hat mittlerweile die auf Kampfmittelräumung spezialisierte Firma Tauber mit der weiteren Suche und der Entsorgung beauftragt.

In Absprache mit der Stadtverwaltung Neunburg hat das WWA ein Absuchgebiet festgelegt. "Es reicht vom Auslauf des Stausees bis zum zweiten Querbauwerk über die Schwarzach", schildern Johannes Müller und sein Kollege Reinhold Kastner vom Referat "Technische Gewässeraufsicht". Die Suchdauer wurde vorerst auf eine Woche festgesetzt, eine Verlängerung wird von der Menge an Funden abhängig gemacht.

An diesem Montag haben Sprengmeister Roger Flakowski und die beiden Munitionsfachkräfte Gerrit Schwob und Peter Jacobs in der Schwarzach und den angrenzenden Uferbereichen mit den Nachforschungen begonnen. Mit elektrischen Sonden watete das Trio vom Tauber-Standort in Hannover durch das Flussbett links und rechts der Brücke Frankenschleife, etwaige Fundstellen wurden farbig am Ufer auf gleicher Höhe markiert.

Mit mehr gerechnet


Als Truppführer und Taucher holt Flakowski später die lokalisierten Gegenstände aus dem bis zu zwei Meter tiefen Gewässer. Ehe er am Mittwoch die Fragen der NT-Redaktion beantworten kann, muss er nach einstündigem Tauchgang erst kurz verschnaufen. "Bisher hatten wir noch nicht den ganz großen Fang", schildert er danach. Infanteriemunition und ein paar Handgranaten seien bisher ans Ufer gebracht worden. Eigentlich sei mit wesentlich mehr Funden gerechnet worden.

Wie WWA-Mitarbeiter Müller zu verstehen gibt, resultiere diese Annahme aus Berichten von Zeitzeugen, wonach Soldaten in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs per Lastwagen eine große Menge Munition in die Schwarzach entsorgt hätten. "Wir haben zwar einige alte Munitionskisten gefunden", so Roger Flakowski, doch von der ursprünglich angenommenen Menge sei man noch weit entfernt. Interessant: Bei den bisherigen Funden seien ausschließlich Patronen und Munition der US-Streitkräfte aus den Fluten geholt worden - "bisher war noch nichts Deutsches dabei". Am Mittwoch wurde auch ein komplett geladenes Magazin entdeckt, ebenfalls aus US-Army-Beständen.

Gut 70 Kilo Ausrüstung trägt Flakowski während seiner Tauchgänge am Leib. Eine Bleiweste mit 50 Kilogramm verhindert den Auftrieb, Sauerstoffflasche und Taucherausrüstung fallen ebenso ins Gewicht. Bei der Suche in der Schwarzach hört der Taucher auf das Signal einer Unterwassersonde, die auf alle Metalle anspricht. Nebeneffekt: Neben Patronenhülsen aus Messing und Munitionsteilen werden auch Fundstücke wie Verkehrsschilder, Autofelgen und Fahrradsattel lokalisiert.

"Fummeln mit den Händen", so Flakowski, ist angesagt, wenn die Strömung die alte Munition unter Schutt und Steine gespült hat, und er teilweise mit der Edelstahl-Harke unter Wasser hantieren muss. In der trüben und aufgewühlten Schwarzach ist die Sicht dann - trotz Taucherbrille - gleich Null. Mit langjährige Erfahrung kann er aber durch Tasten erkennen, ob er Munition oder doch eine Granate in der Hand hält.

Wehr als Barriere


"Bis Mittwoch nächster Woche sollten wir durch sein", so der Sprengmeister zum weiteren Suchverlauf. Er glaubt nicht, dass Munition durch die Strömung über das Wehr im Bereich Jedesbacher Mühle gespült worden sein könnte - "das sei nur bei einer Jahrhundertflut denkbar". Ein alter Triebwerkskanal soll aber noch per Sonde und Sichtprüfung begutachtet werden.

Unbedingt gilt: Finger weg!Welches Verhalten empfiehlt sich, wenn beim Spaziergang oder beim Streifzug durch die Natur Munition- oder Munitionsteile jedweder Art entdeckt werden? "Auf jeden Fall liegen lassen", raten die Experten der Firma Tauber ausdrücklich. Solche Funde seien - am besten umgehend - der Polizei zu melden, die dann den Kampfmittelräumdienst anfordern kann.

"Auch wenn es sich ,nur' um Patronen handelt, sollten solche Funde niemals mitgenommen werden", verdeutlicht Truppführer und Sprengmeister Roger Flakowski. Manche könnten mit Phosphor gefüllt sein - "eine gefährliche Sache": Solange solche Munition im Wasser liegt, ist sie meist ungefährlich; doch sobald sie trocknet, könne es in Verbindung mit Sauerstoff zur Entzündung oder Explosion kommen.

"Dabei entsteht eine über 1000 Grad heiße Flamme, außerdem werden giftige Gase freigesetzt", erklärt Flakowski. (mp)
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