Knapp 700 begeisterte Zuschauer beim "Seebarner Nockherberg"
Krisen-Sitzung im Olymp

Mit der Neuauflage des Singspiels hat sich der Kult-Charakter des "Seebarner Nockherberg" einmal mehr bestätigt. Bem Bockbierfest in der Schwarzachtalhalle hielten (von links) die Götter Apollon (Hans Reichl), Hermes (Christian Ferstl), Zeus (Raimund Ferstl) und Poseidon (August Schießl) auf dem griechischen Olymp ihre Plenarsitzung ab. Bilder: zth (3)
Vermischtes
Neunburg vorm Wald
20.03.2016
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"Pythia" (Sibylle Wollender) wurde in einer großen Muschel auf die Bühne gebracht; in ihrem Lied wünschte sie sich, im Eixendorfer Stausee baden zu können

Bei der Algenplage im Eixendorfer See sind selbst die Götter im Olymp ratlos. Und Zeus würde gerne seine Blitze gegen sinnlose Parkplatz-Bauten schleudern. Anleihen bei der griechischen Mythologie nahmen die Singspiel-Darsteller beim Seebarner Bockbierfest. 680 Zuschauer tobten.

Neunburg-Seebarn. In der Schwarzachtalhalle eröffnete das "Seebarner Gwiach hot ana" das Bockbierfest von Musikverein und Sportverein. Dann betraten die griechischen Götter Poseidon, Apollon, Zeus und Hermes die Bühne. Wegen der Vorkommnisse um einen der ihren - nämlich "Fußballgott" und "Kaiser" Franz Beckenbauer - gab's im Olymp eine Krisensitzung.

Einmal Gewinn machen


Die Götter nahmen ihre "Lichtgestalt" in Schutz: "Wenn wir gewusst hätten, dass die Weltmeisterschaft nur 6,7 Millionen Euro kostet, dann hätte unser Bürgermeister die Olympischen Spiele nach Neunburg und Seebarn holen müssen", zeigte sich Poseidon fast ein bisschen enttäuscht. Hermes fügte an, dass dies wenigstens eine Investition gewesen wäre, bei der die Stadt einen Gewinn gemacht hätte - "im Gegensatz zu Schwarzachtalhalle und Festspiel".

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre EU-Politik wurden ins Visier genommen, der Begriff "EU" zum "Einbahnstraßen-Ungeheuer" umbenannt: "Ein Staat - also Deutschland - zahlt die Milliarden ein, und 27 andere Staaten halten die Pratzen auf", ärgerte sich Apollon. Hierfür und auch für viele weitere Themen hatte die "Feier-A-Band" ein Lied parat: Mit dem Song "Geld brauch' ma mehra" wurden auch die Zuschauer zum Mitsingen animiert.

Ratlos waren die Singspieler bei der "grünen Suppe" im Eixendorfer See. Böse Zungen vermuteten die Kleinwinklarner hinter der Algenplage: In einer Nacht- und Nebel-Aktion seien dort wegen Lärmbelästigung alle Frösche eingesammelt und in den Stausee geworfen worden. Gedanken machten sich die Götter über das Windrad in Penting: Dieses werfe offenbar überdurchschnittlich Gewinn ab, da es sich nur alle zwei Wochen drehe. Warum die Stadtwerke aber, trotz günstiger Windenergie, erneut die Strompreise erhöhen, konnte Apollon klären: Damit würden die Defizite von Schwarzachtalhalle und Bädern ausgeglichen. Den Bau von Parkplätzen beim Forstamt geißelte Zeus als "Draufzahlergeschäft".

Hotspot beim SV-Vorstand


Thematisiert wurde die eher suboptimale Internetverbindung in Seebarn. Die Leerrohre fürs Glasfaserkabel seien zwar bereits verlegt, der Anschluss werde allerdings wohl noch Jahre dauern. Doch mittlerweile gebe es mitten im Ort - beim Anwesen vom SV-Vorstand Erich Vetter - ein "Hotspot-Zentrum", wo sich die Bürger mit ihren Laptops versammeln.

Auch für Bürgermeister Martin Birner hatten die Singspieler einiges vorbereitet - doch zur Enttäuschung der Organisatoren verweilte das Stadtoberhaupt im Urlaub. Ihm habe seine Frau von einer eigenen Briefmarke zur 1000-Jahr-Feier der Stadt abgeraten, da dann "jeder seinen Hintern abschleckt". Im Gegensatz zum Bürgermeister besuchte Landrat Thomas Ebeling das Bockbierfest und war vom Singspiel begeistert.

Die Darsteller nahmen noch viele weitere Themen wie die Skandale um ADAC und VW aufs Korn und sorgten für einen begeisternden Abend. Engelbert Ettl, Vorsitzender des Musikvereins, und Markus Ziereis, zweiter Vorstand des Sportvereins, sprachen den Darstellern Hans Reichl, Raimund Ferstl, August Schießl und Christian Ferstl ein großes Kompliment aus. Dank galt auch Sibylle Wollender alias "Pythia" und Matthias Rösch, die zusammen mit der "Feier-A-Band" für die akustischen Höhepunkte sorgten.


Starke Sprüche"Der Eixendorfer Stausee ist mittlerweile so grün, dass der Drexler Walter (Landwirt und Stadtrat, Anm. d. Red.) heuer überlegt hat, ob er die Fläche mäht und Heu daraus macht."

"In Neunburg haben's im Advent den von der Stadt aufgestellten Christbaum (. . .) abgeschnitten und umgeworfen - darum wurde in Seebarn auf dem Dorfplatz ein Weihnachtsbaum aus Blech aufgestellt. Der ist zwar schön-greislich und alles andere als adventlich, aber mit dem Abschneiden tust dich schon schwer."

"In Neunburg laufen die Stromzähler anders. Da muss bei der Strompreiskalkulation auch noch das Draufzahlergeschäft mit dem Freibad, dem Hallenbad und der Schwarzachtalhalle mit eingerechnet und ausgeglichen werden."

"In die Innenstadt will doch eh keiner rein und die Stadthalle ist nur zweimal im Jahr ausverkauft - wenn die Monika Gruber kommt und das Seebarner Bockbierfest steigt. Dafür einen Extra-Parkplatz bauen - das ist doch absoluter Humbug und Frevel an der Natur." (zth)
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