Landesfischereiverband kritisiert Absenkung am Eixendorfer See
"Stausee gleicht einer Mondlandschaft"

Vermischtes
Neunburg vorm Wald
05.10.2016
276
0

Die Ebbe im Eixendorfer Stausee schlägt weiter hohe Wellen. Auch der Landesfischereiverband Bayern erhebt nun schwere Vorwürfe gegen das Wasserwirtschaftsamt Weiden und sieht die jahrelangen Maßnahmen zur Nährstoff-Reduzierung zunichte gemacht.

Wie berichtet, waren beim Öffnen der Vorsperre am 19. September erhebliche Mengen Schlamm in den Hauptsee gespült worden. Aus einer Pressemitteilung des Landesfischereiverbandes (LFV) vom 29. September, die Michael Throner, Vorsitzender des Fischereivereins Neunburg, der Redaktion zuleitete, geht hervor, dass die frühzeitigen Warnungen und Empfehlungen von Verein und Verband durch das Wasserwirtschaftsamt (WWA) ignoriert worden seien. Das Vorsperren-Bauwerk sei eigentlich errichtet worden, um einen solchen Schlammeintrag zu verhindern.

"Der zu Revisionszwecken durchgeführte Abstau (. . .) erweckt eher den Anschein einer Stauraumspülung, als den einer kontrollierten Absenkung", wird Professor Albert Göttle, LFV-Präsident und ehemaliger Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft am Umweltministerium, in der Mitteilung zitiert. Der Schlamm habe jede Menge Nährstoffe in den Hauptsee gebracht, der ohnehin regelmäßig Probleme mit der Algenblüte habe. "Die jahrelang praktizierte Nährstoffreduzierung zur Verbesserung der Wasserqualität, zu der auch die Fischerei einen aktiven Beitrag leistet, wird durch den Schlammeintrag konterkariert", so der LFV-Präsident.

Wie viele Fische und insbesondere Muscheln durch die Schlammbrühe verendeten, sei derzeit nicht absehbar. Eine vorgegebene Mindestwassertiefe von einem Meter sei bei der Absenkung nicht eingehalten worden und der See oberhalb der Vorsperre gänzlich leer gelaufen. Der Stausee gleiche in weiten Bereichen einer Mondlandschaft. Der Verband führt ins Feld, dass noch bei einem am 27. April vom WWA anberaumten Informationstermin für die Absenkung des Sees, eine Revision der Vorsperre noch nicht zur Diskussion gestanden sei. Dies sei erst bei der öffentlichen Auftragsausschreibung der Revision bekannt geworden.

Ein detaillierter Abstauplan, den die Fischerei gefordert hatte, sei erst kurz vor Maßnahmenbeginn präsentiert worden. Ein Notfallplan für eine möglicherweise erforderliche Fischbergung liege für das rund 100 Hektar große Gewässer bis heute nicht vor, obwohl in Folge des Schlammeintrags Fischsterben nicht ausgeschlossen werden könnten.

"Teichwirte werden bei der Abfischung für den Austrag geringer Schlammmengen seitens der Wasserwirtschaftsbehörden beanstandet und rechtlich belangt", führte Johannes Schnell, Fischerei- und Artenschutz-Referent beim LFV, aus. Im Fall Eixendorf hingegen habe die Wasserwirtschaftsbehörde offenbar keine Bedenken, tausende Kubikmeter Schlamm stromab zu spülen.

Diese Vorgehensweise werfe kein gutes Licht auf die Pilot-Wasserkraftanlage des bayerischen Umweltministeriums, die im Zuge der Absenkung an der Vorsperre errichtet werden soll. Für den Verband verändere die "massive Spülung des Stauraums" den Ist-Zustand am Standort, den die Technische Universität München zu wissenschaftlichen Vergleichszwecken mit hohem Aufwand dokumentiert hatte. Ob spätere Erhebungen dann noch einen wissenschaftlichen Vorher-nachher-Vergleich zulassen, bleibe abzuwarten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.